ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2020Kataraktchirurgie: NSAID beugen sehr effektiv einem postoperativen zystoiden Makulaödem vor

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Kataraktchirurgie: NSAID beugen sehr effektiv einem postoperativen zystoiden Makulaödem vor

Gerste, Ronald D.

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Foto: Science Photo Library/Saine Custom Medical Stock Photo
Foto: Science Photo Library/Saine Custom Medical Stock Photo

Die Kataraktoperation, die Entfernung der getrübten Linse, ist mit circa 900 000 Eingriffen im Jahr die häufigste chirurgische Intervention in Deutschland. Meist erreichen die Patienten direkt postoperativ ein gutes bis exzellentes Sehvermögen, aber nicht immer: Das zystoide Makulaödem (CME) ist eine wichtige Ursache für einen nicht befriedigenden Visus nach Operation. Auslösend gilt ein vom chirurgischen Trauma induzierter Entzündungsreiz. Klinisch wird es bei 1–5 % von Patienten ohne Risikofaktoren wie zum Beispiel Diabetes mellitus oder Uveitis manifest, bei angiografischen Untersuchungen hat man indes in bis zu 30 % Hinweise auf eine solche, meist dann nicht visusrelevante Ödembildung gefunden.

Zur Prävention des Makulaödems und als Alternative zu den dafür bislang oft routinemäßig postoperativ applizierten, aber mit potenziellen Nebenwirkungen behafteten steroidhaltigen Augentropfen haben sich NSAID-Augentropfen etabliert; in letzter Zeit werden nichtsteroidale Entzündungshemmer oft auch vom Kataraktchirurgen intrakameral (in die Vorderkammer des Auges) gegeben. Wie effektiv eine Kombination beider ist, hat jetzt eine neue retrospektive Studie einer Augenklinik im amerikanischen Bundesstaat North Carolina belegt.

Den insgesamt 504 Patienten ohne besondere CME-Risikofaktoren (früheres Makulaödem, diabetisches Makulaödem, retinale Gefäßverschlüsse, Uveitis, epiretinale Membranen, vitreomakuläre Traktion) wurde eine Ketorolac-Pheny-lepiphrin-Lösung vor Beginn der Kataraktoperation topisch und während des Eingriffs kontinuierlich intrakameral gegeben. In die Vorderkammer wurde außerdem das Antibiotikum Moxifloxacin infundiert.

Die Patienten wurden mehrfach über die nächsten 6 Wochen untersucht; wann immer sich eine nicht erklärbare Reduktion des bestkorrigierten Visus auf 60 % oder weniger fand, erfolgte eine OCT-Bildgebung.

Bei diesen Kontrollen wurde nur in zwei Augen ein CME diagnostiziert, was einer Inzidenz von 0,4 % entspricht, die somit deutlich unter den in der Literatur typischerweise zu findenden Angaben zur Häufigkeit liegt.

Fazit: „Diese sehr niedrige Inzidenz des zystoiden Makulaödems ist eine gute Nachricht für Patienten, die sich einer Kataraktoperation unterziehen“, kommentiert Dr. med. Tim Schultz, Oberarzt an der Universitätsaugenklinik Bochum. „Die niedrige Inzidenz zeigt auf, wie sinnvoll die präventive Applikation von NSAID ist – nicht nur topisch, sondern auch während der Operation intrakameral. Zu ergänzen wäre: Die Eingriffe fanden in der herkömmlichen Technik der Kataraktchirurgie statt, der Phakoemulsifikation, einer Zerlegung der Linse mit Ultraschall. Bei der neueren Methode der Kataraktchirurgie mit dem Femtosekundenlaser ist die Gabe von NSAID noch wichtiger, da – wie wir in einer Studie zeigen konnten – diese Wirkstoffe die bei der Laserapplikation erfolgende Freisetzung von Prostaglandinen erfolgreich inhibieren.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Walter K, Kauffman L, Hess J, et al.: Rate of pseudophakic cystoid macular edema using intraoperative and topical nonsteroidal antiinflammatory drugs alone without steroids. J Cataract Refract Surg 2020; 46: 350–4.

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