ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2020Pädiatrisches multisystemisches inflammatorisches Syndrom im Zusammenhang mit SARS-CoV-2-Infektion

MEDIZIN: Der klinische Schnappschuss

Pädiatrisches multisystemisches inflammatorisches Syndrom im Zusammenhang mit SARS-CoV-2-Infektion

Pediatric multisystemic inflammatory syndrome associated with SARS-CoV-2 infection

Schneider, Dominik T.; Pütz-Dolderer, Julia; Berrang, Jens

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Pädiatrisches multisystemisches inflammatorisches Syndrom (PMIS): a) flächiges Exanthem, b) Rückbildung nach Steroidbehandlung mit residueller Konjunktivitis
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Pädiatrisches multisystemisches inflammatorisches Syndrom (PMIS): a) flächiges Exanthem, b) Rückbildung nach Steroidbehandlung mit residueller Konjunktivitis

Ein neunjähriger Junge ohne Vorerkrankungen wurde bei uns vorgestellt. Er litt seit fünf Tagen an Bauchschmerzen und Durchfällen und hatte seit zwei Tagen Fieber mit Hautausschlag. Ein COVID-Kontakt war nicht bekannt. In der Familie waren mehrere febrile Atemwegsinfekte in den Wochen davor aufgetreten. Bei Aufnahme imponierten ein konfluierendes Exanthem mit Gesichtsschwellung und Konjunktivitis (Abbil-dung a). Ein Enanthem und eine Lymphadenitis lagen nicht vor. Die Auswertung der Laborwerte ergab Folgendes: Leukozytose (16 800/µL) mit Linksverschiebung (stabkernige 26 %), Lymphozytopenie (2 %), Eosinophilie (11 %); CrP-Wert-Erhöhung (170 mg/L); D-Dimer-Erhöhung (1 839 ng/mL), Hypalbuminämie (25 g/L). Aufgrund erhöhter Werte für Creatininkinase-MB (30 U/L), Troponin (212 ng/L), NT-proBNP (8 565 pg/mL) wurde eine Echokardiografie durchgeführt, welche die Diagnose Myokarditis mit Perikarderguss bestätigte. Eine Koronarbeteiligung lag nicht vor. In der Sonografie zeigte sich eine Aszites und eine mesenteriale Lymphadenitis. Die Serologien für kardiotrope Viren und Streptokokken waren unauffällig. Bei Aufnahme und drei Tage danach war die SARS-CoV-2-PCR negativ. Die IgG- und IgA-Titer gegen SARS-CoV-2 waren jeweils deutlich erhöht. Nach Behandlung mit Prednisolon ist der Junge rasch entfiebert, gleichzeitig bildete sich die Vaskulitis (Abbildung b) und Myokarditis zurück. Bei Kindern kann im Zusammenhang mit SARS-CoV-2-Infektionen ein schweres hyperinflammatorisches Krankheitsbild mit vaskulitischen Hautveränderungen auftreten. Dies kann zu einem Zeitpunkt bereits der Fall sein, an dem die PCR negativ, die Serologie aber bereits positiv sein kann. Der pathophysiologische Zusammenhang ist noch unklar.

Prof. Dr. med. Dominik T. Schneider, Klinikum Dortmund gGmbH, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Dortmund,
dominik.schneider@klinikumdo.de

Julia Pütz-Dolderer, Klinikum Dortmund gGmbH, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Dortmund

Dr. med. Jens Berrang, Klinikum Dortmund gGmbH, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Dortmund

Interessenkonflikt: Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Zitierweise: Schneider DT, Pütz-Dolderer J, Berrang J: Pediatric multisystemic inflammatory syndrome associated with SARS-CoV-2 infection. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 431. DOI: 10.3238/arztebl.2020.0431

Dieser Beitrag erschien online am 9. Juni 2020. (online first) auf www.aerzteblatt.de.

►Vergrößerte Abbildung und englische Übersetzung unter: www.aerzteblatt.de

Pädiatrisches multisystemisches inflammatorisches Syndrom (PMIS): a) flächiges Exanthem, b) Rückbildung nach Steroidbehandlung mit residueller Konjunktivitis
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Pädiatrisches multisystemisches inflammatorisches Syndrom (PMIS): a) flächiges Exanthem, b) Rückbildung nach Steroidbehandlung mit residueller Konjunktivitis

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