ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2020Zentrale Insulinsensitivität: Fettdepots und Gewicht durch Insulin im ZNS gesteuert

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Zentrale Insulinsensitivität: Fettdepots und Gewicht durch Insulin im ZNS gesteuert

Hillienhof, Arne

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Foto: aboikis/stock.adobe.com
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Die Insulin-Sensitivität des Gehirns bestimmt wesentlich mit, wo sich Fett im Körper anlagert und wie stark der Betreffende von einer Lebensstil-Intervention profitiert. Das berichten Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD), des Helmholtz Zentrums München und der Universitätsklinik Tübingen.

Bisher ist laut den Forschern unklar, warum die Fette nicht bei allen Menschen am gleichen Ort gespeichert wird – was prognostische Bedeutung hat. Bauchfett ist besonders ungünstig. Denn das viszerale Fett setzt zahlreiche Botenstoffe frei, die sich unter anderem auf den Blutdruck auswirken, die Freisetzung des Hormons Insulin beeinflussen und Entzündungen auslösen können.

Das erhöht das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Krebsarten. Subkutanes Fett, das sich am Po, Oberschenkeln und Hüften anlagert, habe dagegen keine bekannten negativen Auswirkungen auf die Gesundheit, berichten die Wissenschaftler.

Für ihre Studie erfassten sie über 9 Jahre die Follow-up-Daten von 15 Teilnehmenden, bei denen vor Beginn einer 24-monatigen Lebensstil-Intervention die Insulin-Sensitivität im Gehirn durch Magnetoenzephalografie bestimmt wurde. Dabei zeigte sich, dass Insulinwirkung im Gehirn nicht nur das Körpergewicht, sondern auch die Verteilung von Fett im Körper bestimmt.

Die Forscher prüften außerdem, wie die Insulin-Empfindlichkeit im Hypothalamus mit der Verteilung des Körperfetts zusammenhängt. Dafür untersuchten sie eine Querschnittskohorte von 112 Teilnehmern. Die Auswertung der Daten zeigte, dass Personen mit hoher Insulin-Sensitivität im Hypothalamus nur wenig viszerales Fettgewebe bilden. Auf die Masse des Unterhautfettgewebes hat die Insulin-Sensitivität jedoch keinen Einfluss.

Fazit: Probanden mit hoher zentraler Insulin-Sensitivität profitierten von der Lebensstil-Intervention und konnten ihr Gewicht und das viszerale Fettgewebe deutlich reduzieren. Auch nach Ende der Lebensstil-Intervention lagerten sie während der 9-jährigen Nachbeobachtung nur wenig Fettmasse wieder an, berichtet der Leiter der Studie, Martin Heni, vom Universitätsklinikum Tübingen. Im Gegensatz dazu zeigten Personen mit einer Insulin-Resistenz im Gehirn nur in den ersten 9 Monaten des Programms eine leichte Gewichtsabnahme. Danach stiegen das Körpergewicht und das viszerale Fett noch während der folgenden Monate der Lebensstil-Intervention erneut an. Somit bestimmte die Insulin-Sensitivität im ZNS, wo sich Fett anlagere, fasst Heni die Ergebnisse zusammen. Arne Hillienhof

Kullmann S, Vlenta V, Wagner R, et al.: Brain insulin sensitivity is linked to adiposity and body fat distribution. Nature Communications 2020; 11: 1841.

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