ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2020Themen in der Coronapandemie: Untergegangen

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Themen in der Coronapandemie: Untergegangen

Schmedt, Michael

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Michael Schmedt, Stellv. Chefredakteur
Michael Schmedt, Stellv. Chefredakteur

Themen außerhalb der Coronakrise haben es momentan schwer. Das wird sich auch so schnell nicht ändern. Die Redaktion des Deutschen Ärzteblattes hat wenig Probleme, ihre Leserinnen und Leser täglich über den Forschungsstand und die Diskussionen rund um die Coronapandemie auf der Webseite www.aerzteblatt.de/sars-cov-2 zu informieren. SARS-CoV-2 wirft immer neue Fragen auf, die Forschung entdeckt immer neue Sachverhalte. Dazu gehören Therapie und Impfstoffentwicklung, die Frage nach der Ansteckungsgefahr, der Verbreitung des Virus und die richtige Teststrategie.

Die gesellschaftliche Debatte um die Lockerung der Kontaktbeschränkungen kommt noch hinzu. Bei dieser wird momentan rückblickend zu sehr nach Schuldigen für die aus dem Lockdown resultierenden (wirtschaftlichen) Folgen gesucht. Es muss aber darum gehen, aus den im März getroffenen politischen Entscheidungen entsprechende Lehren zu ziehen, sollte es zu einem neuen Ausbruchsgeschehen kommen. Mit dem Wissen vom Juni 2020 wäre man sicherlich in mancher Hinsicht einen eher regionalen Weg gegangen.

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In der täglichen Nachrichtenflut um COVID-19 gehen aber auch Themen unter, die zwar bekannt, aber jetzt eher leise per Pressemitteilung daherkommen. Beispiel Videosprechstunde: Die Techniker Krankenkasse hat Anfang Juni bekanntgegeben, dass ihre Versicherten sich nun sieben Tage die Woche rund um die Uhr telefonisch beraten und bei Bedarf auch in einer Onlinesprechstunde von Ärzten behandeln lassen können. Möglich macht dies das Digitale Versorgungsgesetz aus dem vergangenen Jahr. Hier muss man sich ernsthaft fragen, wie sinnvoll es ist, wenn Krankenkassen oder auch privatwirtschaftliche Anbieter in das Versorgungsgeschehen eingreifen und damit sogar steuern können. Ziel ist für diese die Kundenbindung und das heißt schlicht ein Geschäftsmodell. Gerade vor dem Hintergrund, dass sich die Anzahl der Videosprechstunden in der Coronakrise verzehnfacht hat, ist das eine bedenkliche Entwicklung. Es drohen Callcenter, die nicht die Zukunft der medizinischen Versorgung werden dürfen.

Untergegangen ist ebenso, dass im sogenannten Konjunktur- und Krisenbewältigungspaket der Bundesregierung die vertragsärztliche und psychotherapeutische Versorgung fehlt. Im Gegensatz zum stationären Bereich, der sich zu Recht auf ein „Zukunftsprogramm Krankenhäuser“ freuen darf. Mit diesem sollen regionale Versorgungsstrukturen, die Notfallkapazitäten sowie die digitale Infrastruktur gestärkt werden. Die Krankenhäuser, die ihren Job hervorragend gemacht haben, hätten dies aber ohne die Vertragsärzte so nicht umsetzen können. Daher sollte man nicht vergessen, dass die ambulante Versorgung den Löwenanteil der potenziell mit SARS-CoV-2 Infizierten behandelt hat und gleichzeitg enorme Einbußen wegen der Patientenrückgänge zu verzeichnen hatte. Darauf hat die Regierung zwar mit dem Rettungschirm reagiert. Ärzte und Psychotherapeuten haben zudem wie die Krankenhäuser Aufwände für die künftige Digitalisierung ihrer Praxen und die Einhaltung der Sicherheitsrichtlinien. Beides Anforderungen, die wegen der schnellen technischen Entwicklung laufend anfallen. Es gibt folglich einen Förderungsbedarf, der zu Recht, wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung es fordert (Seite 1233), in ein Konjunkturpaket gehört.

Michael Schmedt
Stellv. Chefredakteur

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