ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2020Typ-2-Diabetes: GLP1-Rezeptor-Agonist senkt anhaltend das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Typ-2-Diabetes: GLP1-Rezeptor-Agonist senkt anhaltend das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Vetter, Christine

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Foto: SciePro/stock.adobe.com
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Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes besteht nach einem ersten nicht tödlichen Herzinfarkt oder Schlaganfall ein hohes Risiko für ein weiteres schweres kardiovaskuläres Ereignis (Major Adverse Cardiovascular Event, MACE). Ob sich die Wahrscheinlichkeit eines ersten oder folgenden MACE bei Hochrisikopatienten durch den GLP-1-Rezeptor-Agonisten (GLP1-RA) Liraglutid senken lässt, hat eine Post-hoc-Analyse der randomisierten, doppelblinden LEADER-Studie untersucht.

An der kardiovaskulären Endpunktstudie haben 9 340 Patienten (64,3 % männlich) teilgenommen und wurden 3,5–5 Jahre lang (median: 3,8 Jahre) zusätzlich zu einer Standardtherapie placebokontrolliert mit Liraglutid behandelt. In der Analyse wurde der Effekt auf das Auftreten von MACE (kardiovaskulärer Tod, nicht tödlicher Schlaganfall, nicht tödlicher Herzinfarkt) sowie erweiterter MACE (zusätzlich koronare Revaskularisierung und Hospitalisierung aufgrund von Herzinsuffizienz oder instabiler Angina) analysiert. Dabei wurde eine erweiterte Cox-Regressions-Modellrechnung der Zeit bis zum Ereignis mit zusätzlichen Sensitivitätsauswertungen angewendet. Es traten 1 302 erste und 303 erneute MACE auf. Davon ereigneten sich 608 erste und 127 erneute MACE unter Liraglutid (n = 4 668) und 694 erste sowie 176 erneute MACE unter Placebo (n = 4 672). Der GLP1-RA reduzierte damit das relative MACE-Risiko um 15,7 % (Hazard Ratio [HR]: 0,84; [95-%-Konfidenzintervall] [0,76; 0,93]) und das Risiko für erweiterte MACE um 13,4 % (HR: 0,87; [0,81; 0,93]) vs. Placebo.

Fazit: „Die Daten weisen auf einen langanhaltenden positiven Effekt von Liraglutid hinsichtlich der Reduktion weiterer MACE-Ereignisse nach einem ersten Ereignis hin“, kommentiert Prof. Dr. med. Baptist Gallwitz von der Medizinischen Klinik IV des Universitätsklinikums Tübingen und Pressesprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Dies drücke sich in der errechneten kleineren „Number-Needed-to-Treat“ für Liraglutid in dieser Post-hoc-Analyse der LEADER-Studie aus. In kardiovaskulären Langzeitstudien würden zunehmend nicht mehr nur Erstereignisse von Endpunkten ausgewertet, sondern auch Folgeereignisse, da dies zusätzliche Daten zur Kosteneffektivität einer Therapie liefern könne. „Die Ergebnisse der vorgestellten Studie sind insofern hilfreich und interessant“, so Gallwitz. Dabei müsse jedoch beachtet werden, dass die aktuelle Auswertung nicht im primären Studienprotokoll vorgesehen war und dass es möglicherweise im Studienverlauf Änderungen in der Adhärenz der Diabetestherapie gegeben habe, die nicht komplett erfasst wurden. Auch sei denkbar, dass die spezifische kardiale Medikation möglicherweise nach einem Erstereignis angepasst worden sei. Dies könnte ebenfalls die Inzidenz weiterer MACE-Ereignisse beeinflusst haben. „Zukünftige kardiovaskuläre Endpunktstudien sollten idealerweise ein Design haben, das prospektiv Folgeereignisse mit erfasst und die erwähnten Unsicherheiten möglichst gering hält“, empfiehlt Gallwitz. Christine Vetter

Verma S, Bain SC, Buse JB et al.: Occurrence of first and recurrent major adverse cardiovascular events with liraglutide treatment among patients with type 2 diabetes and high risk of cardiovascular events – a post hoc analysis of a randomized clinical trial. JAMA Cardiology 2019; 4: 1214–20.

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