ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2020Krebsrisiko bei Diabetes: Diabetes erhöht das Risiko für Darmkrebs so stark wie eine familiäre Disposition

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Krebsrisiko bei Diabetes: Diabetes erhöht das Risiko für Darmkrebs so stark wie eine familiäre Disposition

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: SciePro/stock.adobe.com
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Darmkrebs ist in Deutschland und weltweit die dritthäufigste Tumor- entität und die zweithäufigste Krebstodesursache. Vor allem in der Altersgruppe bis zu 50 Jahren steigt die Inzidenz kolorektaler Karzinome (KRK). Ein potenzieller Risikofaktor ist Diabetes mellitus. Die Erkrankung hat mit KRK einige Risikofaktoren gemeinsam wie Adipositas, Bewegungsmangel und Stoffwechselstörungen. Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und des Nationalen Centers für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg haben in Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen der Universität Lund Registerdaten von schwedischen Bürgern inklusive deren Eltern ausgewertet. Es waren 12 614 256 nach 1931 geborene Personen und deren Eltern, darunter 559 375 mit Diabetes und 162 226 Patienten mit KRK. Von jenen mit Diabetes – 4,43 % aller ausgewerteten Personen – hatten 101 135 die Diagnose vor dem 50. Lebensjahr erhalten.

Die Analyse der Datenbank belegte, dass sich bei Diabetes das Risiko für Darmkrebs in allen Altersgruppen erhöhte. Die Diagnose „Diabetes“ vor dem 50. Lebensjahr war mit einem 1,9-fachen Risiko für KRK vor dem 50. Lebensjahr assoziiert verglichen mit der Allgemeinbevölkerung und mit einem 1,3-fach erhöhten Darmkrebsrisiko ab dem 50. Lebensjahr. Hatte sich die Stoffwechselerkrankung bis zum 50. Lebensjahr manifestiert und hatten diese Patienten zusätzlich einen Verwandten 1. Grades mit KRK, so war ihr Risiko, selbst vor dem 50. Lebensjahr an einem KRK zu erkranken, um den Faktor 6,9 erhöht.

Bei Diabetes betrug das kumulative KRK-Risiko mit Diagnose vor dem 50. Lebensjahr 0,4 %. Es war damit vergleichbar dem von Personen, die Verwandte 1. Grades mit Darmkrebs hatten (kumulatives Risiko: 0,5 % im selben Altersabschnitt). In der Allgemeinbevölkerung lag das KRK-Risiko vor dem 50. Lebensjahr bei 0,2 %.

Fazit: Bei Diabetes mellitus erhöht sich das Risiko für die Entwicklung eines kolorektalen Karzinoms in allen Altersgruppen, besonders aber bei Menschen bis zum 50. Lebensjahr. Damit habe eine Auswertung der weltweit größten Datenbank, die eine Analyse auf diese Fragestellung hin ermöglicht, eine Zuckerstoffwechselstörung als Risikofaktor für KRK belegt, so die Autoren. Die Information sei wichtig für Risikopatienten, um ihnen frühzeitig ein Darmkrebsscreening anzubieten.

Patienten mit Diabetes sollten die vorhandenen Möglichkeiten zur Früherkennung konsequent wahrnehmen, spätestens, wenn sie 50 Jahre alt sind, so das Team um Dr. (PhD) Mahdi Fallah, Leiter der Gruppe Risikoadaptierte Prävention in der Abteilung Präventive Onkologie des DKFZ und am NCT Heidelberg.

In Deutschland haben gesetzlich versicherte Frauen und Männer ab 50 Jahren Anspruch auf Darm­krebs­früh­erken­nungsuntersuchungen.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Khan UA, Fallah M, Tian Y, et al.: Personal history of diabetes as important as family history of colorectal cancer for risk of colorectal cancer: a nationwide cohort study. Am J Gastroenterol 2020; 00: 1–7. https://doi.org/10.14309/ajg.0000000000000669.

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