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Zu Recht bemerken Gahr und Connemann, dass die Evidenzlage für Haloperidol begrenzt ist. Die Behandlung von Übelkeit und Erbrechen in der Palliativsituation verfügt insgesamt über wenig Evidenz. Zudem ist die Auswahl von Substanzklassen beziehungsweise Wirkmechanismen beschränkt. Diese Problematik wird ausführlicher in der Langversion der Leitlinie diskutiert. Zur Frage des Off-Label-Use verweisen wir ebenso auf die Leitlinie.

Wir halten die Diskussion über das Risiko für kardiale Repolarisationsstörungen und extrapyramidalmotorische Störungen (EPMS) insbesondere von Haloperidol für notwendig. Wichtige Nebenwirkungen der Substanzen werden in der Leitlinie beschrieben. In der Nutzen-Risiko-Abwägung ist zu bedenken, dass die in der Leitlinie genannten Dosierungen für Haloperidol und Levomepromazin im Vergleich zu den in der Psychiatrie empfohlenen Dosierungen gering sind (2). So nennt die Leitlinie für Haloperidol eine orale Einzeldosis von 0,5–1 mg und als übliche maximale subkutane Dosierung 5 mg/24 h. In der Psychiatrie liegen die empfohlenen Dosierungen in Abhängigkeit von der Indikation bei beispielsweise 2–10 mg/d (bis 20 mg/d) zur Behandlung von Schizophrenie und schizoaffektiven Störungen und 5–20 mg/d intramuskulär bei akuten Erregungszuständen (2). Die von Gahr und Connemann zitierte Studie zur erhöhten Mortalität unter Antipsychotika, insbesondere Haloperidol, bezieht sich auf die Langzeitanwendung. Patienten mit einer lebenslimitierenden Erkrankung wurden aus der Analyse ausgeschlossen (3). Aufgrund der begrenzten Anwendungsdauer und niedrigen Dosierungen bei der Behandlung von Übelkeit und Erbrechen ist das Risiko für EPMS deutlich geringer als in der Anwendung mit antipsychotischer Wirkung. Auch scheint die Gabe geringer Haloperidol-Dosierungen intravenös keinen Effekt auf die QT-Zeit zu haben (4).

DOI: 10.3238/arztebl.2020.0462b

Für die Autoren

Dr. med. Anne Pralong

Zentrum für Palliativmedizin, Uniklinik Köln

anne.pralong@uk-koeln.de

Interessenkonflikt

Die Autoren aller Beiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Simon ST, Pralong A, Radbruch L, Bausewein C, Voltz R: Clinical practice guideline: The palliative care of patients with incurable cancers. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 108–15 VOLLTEXT
2.
Müller MJ, Benkert O: Antipsychotika. In Benkert O, Hippius H, (eds.): Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie. Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg 2019: 284–504 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.
Lao K, Wong A, Wong I, et al.: Mortality risk associated with haloperidol use compared with other antipsychotics: An 11-year population-based propensity-score-matched cohort study. CNS Drugs 2020; 34: 197–206 CrossRef MEDLINE
4.
Duprey MS, Al-Qadheeb N, Roberts R, Skrobik Y, Schumaker G, Devlin JW: The use of low-dose IV haloperidol is not associated with QTc prolongation: post hoc analysis of a randomized, placebo-controlled trial. Intensive Care Med 2016; 42: 1818–9 CrossRef MEDLINE PubMed Central
1.Simon ST, Pralong A, Radbruch L, Bausewein C, Voltz R: Clinical practice guideline: The palliative care of patients with incurable cancers. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 108–15 VOLLTEXT
2.Müller MJ, Benkert O: Antipsychotika. In Benkert O, Hippius H, (eds.): Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie. Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg 2019: 284–504 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.Lao K, Wong A, Wong I, et al.: Mortality risk associated with haloperidol use compared with other antipsychotics: An 11-year population-based propensity-score-matched cohort study. CNS Drugs 2020; 34: 197–206 CrossRef MEDLINE
4.Duprey MS, Al-Qadheeb N, Roberts R, Skrobik Y, Schumaker G, Devlin JW: The use of low-dose IV haloperidol is not associated with QTc prolongation: post hoc analysis of a randomized, placebo-controlled trial. Intensive Care Med 2016; 42: 1818–9 CrossRef MEDLINE PubMed Central

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