ArchivDeutsches Ärzteblatt27/1996Deutsche Apotheker- und Ärztebank: Stärkung der eigenen Mittel

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Deutsche Apotheker- und Ärztebank: Stärkung der eigenen Mittel

Jachertz, Norbert

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LNSLNS Wiederum kann die Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG, kurz Apobank, auf ein gu-
tes Geschäftsjahr zurückblicken. Vorstandsvorsitzender Richard Deutsch meinte bei der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Genossenschaftsbank anläßlich der Erläuterung des Jahresabschlusses 1995, die Bank zeige sich "in einer guten, man könnte fast sagen exzellenten Verfassung".
Die Bilanzsumme 1995 erreichte 22,2 Milliarden DM (+ 8,8 Prozent). Sie hat sich innerhalb von fünf Jahren mehr als verdoppelt. Die Bank legt deshalb nach wie vor großen Wert darauf, Eigenkapital und Rücklagen zu stärken, damit die eigenen Mittel mit dem steigendem Geschäftsvolumen mithalten. Das haftende Eigenkapital lag Ende 1995 bei 1,6 Milliarden DM, das sind 7,2 Prozent der Bilanzsumme. Das ist nicht schlecht, verglichen mit anderen Banken, darf aber noch besser werden, zumal ein Teil des haftenden Kapitals aus dem genossenschaftstypischen Haftsummenzuschlag besteht.
Von dem Bilanzgewinn 1995 wird der größte Teil in die Rücklagen gesteckt, nämlich 50 Millionen. 21 Millionen DM werden ausgeschüttet, das reicht für eine Dividende von 6 Prozent (einschließlich Körperschaftssteuer 8,57 Prozent). Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung hat dieser Gewinnverteilung einstimmig zugestimmt.


Geschäftsumfang steigt stark
1995 zeichnete sich durch drei Entwicklungen aus: Das Kreditgeschäft wuchs "wie nie zuvor" (um 18,7 Prozent) und erreichte 14,6 Milliarden DM. Zum zweiten: Die Einlagen stiegen um 15,5 Prozent auf 17,6 Milliarden DM, und zum dritten: Es gab einen starken Zugang neuer Mitglieder (netto 2 100). Auch bei der Apobank sank die Zinsmarge, nämlich von 2,17 auf 2,12. Dank des stark steigenden Geschäftsvolumens wuchs der Zinsüberschuß gleichwohl von 418 Millionen DM im Jahr 1994 auf 511 Millionen DM in 1995. Allerdings – dieser Zuwachs von 93 Millionen DM ist lediglich mit knapp 45 Millionen DM auf das Kundengeschäft zurückzuführen; weitere 48 Millionen DM entstammen der "sehr erfolgreichen Handhabung derivater Fi-nanzinnovationen" (Deutsch). Dem ertragsstabilisierenden Derivategeschäft galt eine kritische Anfrage in der Vertreterverversammlung. Seitens der Bank wurde versichert, daß man höchst vorsichtig agiere und das Risiko "derzeit null" sei. Der Prüfbericht der Wirtschaftsprüfer des Genossenschaftsverbandes Rheinland bestätigt, wie schon im Vorjahr, daß die Apobank außerbilanzielle Geschäfte im großen Umfang getätigt habe und sich die Risiken "in einem vertretbaren Rahmen" halten. Die Bank beobachtete im abgelaufenen Jahr keine nennenswerten Risiken im Kreditgeschäft. Sie befürchtet aber für 1996 eine Zunahme der Risiken, bedingt durch die bedrängtere Lage der Heilberufe im Gefolge der Gesundheitsreform. Man habe für erkennbare Risiken ausreichend Vorsorge getroffen. Die Wirtschaftsprüfer bestätigen diese Einschätzung. In der Kreditstruktur habe es zudem keine größeren Veränderungen gegeben; 68 Prozent der Kredite seien langfristig.
Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung legte die Kredithöchstgrenzen der Apobank neu fest und blieb dabei durchweg unter der vom Kreditwesengesetz vorgeschriebenen Limitierung. Die Kredit-höchstgrenze liegt bei 40 Prozent des haftenden Eigenkapitals oder zur Zeit 543 Millionen DM. Diese Höchstgrenze kann – und das ist neu für die Apobank – bei Krediten an Kreditinstitute voll ausgeschöpft werden. Bei anderen Kreditnehmern gilt nach wie vor eine Staffelung: Sie beginnt bei 10 Prozent (also 54,3 Millionen DM) für die Normalkunden und reicht über 30 Prozent bei Firmenkrediten bis 75 Prozent bei Krediten zur Vorfinanzierung von Honorar- und Rezeptabrechnungen.
Die 100-Prozent-Obergrenze für Kredite im Interbankgeschäft wurde in der Ver­tre­ter­ver­samm­lung kritisch hinterfragt. Nach Auskunft der Bank braucht man diese Größenordnung, um mit ersten Adressen ins Geschäft zu kommen.

Personelle Veränderungen
Insgesamt zeigte sich bei dieser Ver­tre­ter­ver­samm­lung, daß die Apobank durch ihr eindrucksvolles Wachstum in den letzten Jahren in Größenordnungen hineingekommen ist, die für manchen Genossen gewöhnungsbedürftig ist. Für die Bank ergibt sich daraus, daß sie den Vertretern mit guten Argumenten mehr denn je Rechenschaft ablegen und sich auf kritische Nachfragen besser einstellen muß.
Trotz einiger kritischer Stimmen – die Beschlüsse der Ver­tre­ter­ver­samm­lung fielen durchweg einstimmig. Lediglich bei der Entlastung des Aufsichtsrates gab es neun Enthaltungen, bei den neuen Kreditgrenzen eine Enthaltung und gar zwei Gegenstimmen. Insgesamt waren 161 Vertreter anwesend (von 266).
Nachwahlen zum Aufsichtsrat ergaben: Dr. med. Klaus-Dieter Kossow, Apotheker Gerhard Reichert (jeweils Wiederwahl), Dr. med. Klaus Penndorf, Apotheker Dr. Hartmut Schmall (jeweils neu). Mitte 1997 wird Richard Deutsch als Vorstandsvorsitzender in Pension gehen. Als Nachfolger wurde vom Aufsichtsrat (Vorsitz: Prof. Dr. med. Horst Bourmer) Dr. jur. Michael Rosenfeld, der von außen kommt, gewählt. Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung hätte es gern gesehen, wenn sich der Neue vorgestellt hätte. Er war aber nicht da. Norbert Jachertz

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