ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2000Börsebius zu Aktien: Strategien für Gewiefte (II)

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zu Aktien: Strategien für Gewiefte (II)

Dtsch Arztebl 2000; 97(9): [64]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Letzte Woche habe ich Möglichkeiten erörtert, selbst bei fallenden Kursen noch Geld zu verdienen. Das setzt logischerweise voraus, dass die Börsennotierungen auch fallen, zumindest bei ausgesuchten Werten. Ich will gerne noch nachtragen, welche das aus meiner Sicht sein könnten. SAP, Deutsche Telekom und nach wie vor die Autoaktien sind da sehr gefährdet, Siemens auf dem derzeit hohen Niveau aber auch.
Aber wie verhält sich der Anleger, wenn er etwa gleich bleibende oder nur leicht fallende Kurse erwartet?
Eine Variante, die bekanntere, wäre die, einfach nichts zu tun und brav die Dividenden abzusitzen. Mit dieser Sparstrumpfmentalität lassen sich freilich keine vernünftigen Renditen erzielen. Die weitaus bessere Alternative, sicher vielen Lesern überhaupt nicht geläufig, sind so genannte "Stillhaltegeschäfte". Das klingt geheimnisvoll, ist es aber bei genauem Hinsehen gar nicht, wie ich in folgendem realen Beispiel darstellen möchte: Ich besitze 100 Schering und erwarte, dass sich in dem Wert nicht allzu viel tut in der nächsten Zeit. Weiß aber, dass an der Börse die Stimmung eher "pro" Schering ist, also manche Spekulanten ganz gerne eine Kaufoption (einen Call) auf Schering kaufen würden.
Nun gut, den Gefallen tue ich den Zockern gerne, ich verkaufe also einen Call auf Schering, Basispreis 130 Euro, fällig in zwei Monaten. Dafür bekomme ich pro Aktie 4,30 Euro, also 430 Euro. Wenn also in einem Monat Schering über 130 stehen, wird sich der Spekulant freuen und meine Schering abrufen. Mein Gewinn ist dann halt eben die Stillhalteprämie von 430 Euro, und ich bin die Aktien los.
Da ich aber gleich bleibende Kurse erwarte, kann es indes gut sein, dass nach acht Wochen die Schering bei 129 Euro steht. Dann aber wird die Kaufoption von der Gegenseite nicht ausgeübt, wie sich leicht verstehen lässt. Mein Gewinn ist nach wie vor die Stillhalteprämie von 430 Euro, und ich habe die Aktien aber immer noch! Ein Tag später kann ich demnach eine neues Stillhaltegeschäft mit einer Laufzeit zwischen einem und drei Monaten abschließen. Möglicherweise lassen sich wieder um 400 Euro als Prämie einstreichen. Wenn es gut läuft, lässt sich dieser Deal mehrmals wiederholen. Wieso Sie bisher von dieser Anlagemöglichkeit nichts gehört haben? Das hat schlicht damit zu tun, dass die Mehrzahl der Stillhaltegeschäfte von den Banken selbst abgeschlossen wird. Konkurrenz ist bei solch lukrativen Chancen offenbar nicht erwünscht. Börsebius
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