ArchivDeutsches Ärzteblatt27/1996Mercedes-Sicherheitsforschung: Tempomat und Abstandsmesser

VARIA: Auto und Verkehr

Mercedes-Sicherheitsforschung: Tempomat und Abstandsmesser

Seidel, Marc

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LNSLNS Dichter Kolonnenverkehr rund um das Frankfurter Kreuz. Ständig schwankt der Tacho zwischen 80 und 120 Kilometern. Nahezu alle Autofahrer sitzen höchst angespannt hinter dem Lenkrad, denn wer in einer solchen Situation nur einen Moment die Konzentration verliert, verursacht – ehe er sich versieht – einen Auffahrunfall. Täglich kracht es auf diese Weise auf den deutschen Autobahnen, und längst nicht immer bleibt es nur bei Blechschäden. Bereits seit Jahren bemüht sich die Automobilindustrie um Sicherheitssysteme, die solche kritischen Situationen entschärfen und Auffahrunfälle aufgrund zu geringen Abstands vermeiden helfen. Mit einer Kombination aus Tempomaten und radargestützter Abstandsmessung antwortet Mercedes-Benz auf die sicherheitstechnische Herausforderung. Zugleich soll auch noch der Fahrkomfort verbessert werden.
Der Tempomat – schon seit vielen Jahren auf dem Markt – kann die Anspannung des Fahrers auf langen Strecken deutlich reduzieren: Das Fahrzeug behält die einmal eingestellte Geschwindigkeit konstant bei, bis die Automatik durch Abschalten oder Betätigung des Bremspedals außer Funktion gesetzt wird. Der Fahrer muß nicht mehr eingreifen – das Gasgeben übernimmt die Elektronik. Das funktioniert gut, allerdings nur auf ruhigen Strecken. Sowie das Verkehrsaufkommen größer wird, muß der Tempomat meist abgeschaltet werden. Das soll nun anders werden: Ein Radarsensor im Kühlergrill mißt pausenlos den Abstand zum vorausfahrenden Auto und veranlaßt den Tempomaten beim Unterschreiten des Mindestabstands dazu, die Geschwindigkeit des Pkw herabzusetzen und bei Bedarf sogar die Bremse zu betätigen. Hat sich die Distanz zum Vordermann wieder vergrößert, beschleunigt der eigene Wagen wieder auf die eingestellte Geschwindigkeit.
Selbst plötzlich einscherende Autos sollen nach Angaben des Herstellers dem neuen System keine Probleme bereiten. Nur in ganz kritischen Situationen ertönt ein Warnsignal im Cockpit und "bittet" den Fahrer eindringlich, selber "Fuß anzulegen". Natürlich kann der Fahrer des Wagens auch ohne Aufforderung des Tempomaten jederzeit selbst in das Geschehen eingreifen, ist also der Elektronik nicht auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Diverse Testfahrten hat dieser "Abstandsregel-Tempomat" bereits absolviert. Mercedes hofft deshalb, dieses zusätzliche Sicherheitssystem in wenigen Jahren bis zur Serienreife entwickeln zu können. Marc Seidel
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