ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2020Elektronischer Heilberufsausweis: Rechtssicher agieren

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Elektronischer Heilberufsausweis: Rechtssicher agieren

Schmedt, Michael

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Michael Schmedt, Stellv. Chefredakteur
Michael Schmedt, Stellv. Chefredakteur

Die Coronapandemie sorgte für einen Boom in der digitalen Welt: mehr Videokonferenzen, weniger Geschäftsreisen, mehr Onlinebestellungen, verwaiste Kaufhäuser. Und im Gesundheitswesen? Die Zahl der Videosprechstunden hatte Steigerungsraten, von der jeder Aktienkurs träumen würde. Den Patienten ermöglichte diese digitale Kontaktaufnahme einen angstfreien Zugang zur ärztlichen Versorgung und verhinderte zudem eine unkontrollierte Ansteckung in Arztpraxen. Gleichzeitig fand eine ungeplante Testphase der bislang nur selten genutzten digitalen Anwendung statt. Und sie war erfolgreich. Grundlage dafür waren auch bereits vorhandene Vergütungsregelungen und von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zertifizierte Anbieter.

Die Akzeptanz dieser Form der Arzt-Patienten-Interaktion ist entsprechend gestiegen, wie eine Umfrage unter 2 240 Ärzten deutlich macht. Mehr als die Hälfte der befragten Ärzte und Psychotherapeuten bieten inzwischen Videosprechstunden in ihrer Praxis an. Dennoch ist dies nur ein kleiner Ausschnitt der digitalen Chancen im Gesundheitswesen und zudem einer, der den persönlichen Kontakt und erst recht die Anamnese auf Dauer nicht ersetzen kann.

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Ein Treiber des digitalen Fortschritts im Gesundheitswesen in einem viel breiteren Rahmen ist seit dem Beginn seiner Amtszeit Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU). Die mit Sanktionen und kurzen Fristen belegte Gesetzgebung des Ministers sorgt oftmals für Ärger unter Ärztinnen und Ärzten, die sich vom entschlossenen Vorgehen des Ministers überfahren und teils bevormundet fühlen.

Dennoch hat die Gesetzgebung auch sinnvolle Anwendungen im Gepäck, die Ärzte ab diesem Sommer nutzen können. Sie können künftig schnell und rechtssicher untereinander kommunizieren, der analoge Medikationsplan wird endlich digital und die Notfalldaten werden im Unglücksfall unmittelbar abrufbar sein (siehe Seite 1365). Dafür benötigen Ärzte und Psychotherapeuten den elektronischen Heilberufsausweis (eHBA). Auch hier sind Testphasen wichtig und diese sollten nicht ebenso ungeplant starten wie bei der Videosprechstunde. Daher sollten Ärzte und Psychotherapeuten möglichst schnell den eHBA bestellen. Zumal dieser auch für die weiteren Anwendungen im Rahmen der Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) Voraussetzung ist. Beispiele sind die elektronische Patientenakte, die zum 1. Januar 2021 Pflicht wird, das elektronische Rezept und auch die Arbeits­unfähigkeits­bescheinigung, die dann elektronisch ausgestellt werden muss.

Vergütungsregelungen sind für die ersten Anwendungen bereits verhandelt. Die Politik muss aber auch weiterhin dafür sorgen, dass die digitalen Anwendungen und die dafür benötigte Ausstattung ausreichend finanziert werden. Das schafft Akzeptanz. Ferner heißt dies, dass die technische Infrastruktur reibungslos laufen muss. Komplikationen mit den Konnektoren oder Probleme mit Software-Updates müssen der Vergangenheit angehören. Da ist auch die gematik in der Pflicht.

Die Anwendungen selbst werden aber die medizinische Versorgung verbessern – für den Patienten und den Arzt. Der elektronische Heilberufsausweis sorgt dafür, dass Ärzte rechtssicher agieren und schnell daran teilhaben können.

Michael Schmedt
Stellv. Chefredakteur

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