ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2020PSA-Test: Stadienverschiebung fraglich
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

In dem Artikel wird gemutmaßt, dass die zunehmende Skepsis vieler Männer gegenüber dem PSA-Screening dazu beigetragen habe, dass das Prostatakarzinom in Deutschland in immer fortgeschrittenerem Stadium diagnostiziert werde (sogenannte inverse Stadien-Verschiebung). Dies hätte schlechtere Behandlungsergebnisse zur Folge. Um die Stadien-Verschiebung zu belegen, wurde eine Studie von Saar et al., 2019, zitiert.

Diese Studie ist jedoch kaum geeignet, eine Stadien-Verschiebung nachzuweisen, da sie allein die laparoskopisch roboterassistierten Prostatektomien in einem einzelnen Zentrum analysiert. Wie Saar et al. selbst diskutierten, lässt sich die Veränderung ihres Patientenkollektivs dadurch erklären, dass sich zunehmend mehr Männer mit einem lokalisierten Prostatakarzinom für eine aktive Überwachung entschieden. Auch können die vermehrte Anwendung der multiparametrischen Magnetresonanztomografie und die „größere Sorgfalt bei der Durchführung der Lymphknotenausräumung“ dazu führen, dass mehr fortgeschrittene Prostatakarzinome diagnostiziert wurden. Zudem legen der Jahresbericht der zertifizierten Prostatakrebszentren der deutschen Krebsgesellschaft von 2019 sowie eine Auswertung aller Prostatakarzinompatienten aus 24 deutschen Krebsregistern (die zwischen 2000 und 2018 diagnostiziert und auf dem Krebskongress im Februar 2020 präsentiert wurden) nahe, dass die Stadien in diesem Zeitraum in etwa konstant blieben (also keine Stadien-Verschiebung auftrat).

Zusammenfassend ist festzustellen, dass für die Gesamtheit der Männer mit einem Prostatakarzinom eine Stadien-Verschiebung nicht belegt ist und somit auch kein Beleg für eine Assoziation zwischen einer geringeren Teilnahme am PSA-Screening in der Bevölkerung und einer Stadien-Verschiebung vorliegt.

Anzeige

Dr. med. Ulrike Paschen, Dr. med. Stefan Lange, 50670 Köln

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote