ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2020Ernährung und Klima: Fleischfrei gesund und klimafreundlich essen – die Evidenz fehlt

MEDIZINREPORT

Ernährung und Klima: Fleischfrei gesund und klimafreundlich essen – die Evidenz fehlt

Scholl, Johannes

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Die Debatte, ob Fleischkonsum gesund und noch zu rechtfertigen ist, fußt auf unsoliden Studien. Der wissenschaftliche Streit darum wird mit harten Bandagen geführt. Die Verteufelung der Fleischlobby ist hierbei ein beliebtes Vorgehen. Allerdings hat auch die Gegenseite Interessenkonflikte, die den meisten nahezu unbekannt sind.

Foto: Dr. Scholl/Gaby Bittner
Foto: Dr. Scholl/Gaby Bittner

Der aufgeklärte Patient isst heute pflanzenbasiert und klimabewusst. „Herr Doktor, ich habe mir vorgenommen, mich gesünder zu ernähren und vor allem weniger Fleisch zu essen“ – so oder ähnlich vermitteln Patienten, wie sehr sich das Negativimage von Fleisch verfestigt hat. Befördert wird dies durch Ernährungsmythen und Fake News.

Meldungen über Nachteile des Fleischkonsums nehmen zu und fügen sich zu einem scheinbar konsistenten Strauß von Argumenten für die fleischfreie Ernährung. Vor Kurzem ist zum Beispiel erneut eine Studie erschienen, die eine Assoziation zwischen einem erhöhten Verzehr von Fleisch und der kardiovaskulären Mortalität sowie der Gesamtmortalität verkündet (1). In 6 Kohorten (29 682 Patienten) fand man in 19 Jahren Beobachtungsdauer pro Verzehr von 2 Portionen unverarbeitetem roten Fleisch je Woche für beide Endpunkte eine Risikosteigerung – allerdings um lediglich 3 %.

Das ist ein „Pseudoresultat“ und leicht zu entkräften. Denn sowohl Ungenauigkeiten in der Datenerhebung als auch mögliche systematische Fehler in Beobachtungsstudien bedeuten, dass ein relatives Risiko von 1,03 (95-%-Konfidenz-Intervall: 1,01–1,06) schlicht nichts aussagt. Auch ein Blick in die Details macht diese Studie unglaubwürdig: Angeblich lag der durchschnittliche Alkoholkonsum in der Studie bei 1 g pro Tag. Das unterschätzt die realen Trinkmengen um mindestens das Zehnfache, wie es durch andere Untersuchungen zur Genüge belegt wurde.

Die fachliche Kritik kann zwar aufdecken, warum solche Analysen auf derart wackeligen Füßen stehen. Doch solche wissenschaftliche Fachkritik findet keinen Eingang in die öffentliche Debatte. Vielmehr bestärkt die Schlagzeile „Meat Increases Heart Risks!“, die die New York Times aus der Studie destillierte, unwidersprochen den Zeitgeist.

Mehr als nur Campusgeplänkel

Die Diskussion um Fleisch in der Ernährung wird nicht nur auf politischer, sondern auch auf akademischer Ebene zunehmend schärfer. Das zeigt ein aufsehenerregender Vorgang in der Welt der Wissenschaft: Der Kanzler der Texas Agricultural & Mechanical (A&M) University, John Sharp, hat einen offenen Brief an den Präsidenten der Harvard-University, Laurence Bacow, geschrieben und sich gegen diffamierende Angriffe verwahrt. Diese Angriffe kamen von der True Health Initiative (THI), die von Harvard-Ernährungsexperten unterstützt wird. Die THI hatte einem texanischen Forscher Bestechlichkeit unterstellt, nachdem er gemeinsam mit 18 Autoren anderer Universitäten in einer Artikelserie Zweifel an den Empfehlungen zur Reduktion des Fleischkonsums geäußert hatte.

Wissenschaftliches Diskutieren sei gefragt anstatt Polemik und Diffamierungen, fordert Sharp von Harvard (2, 3). Er betonte, dass nachweislich kein Sponsoring der Studien durch die Fleischindustrie stattgefunden habe. Richtig ist: Die Texas A&M University erhält als Institution für ihren Agrarsektor auch Spendengelder der Fleischindustrie in Höhe von circa 1,5 % ihres Gesamtbudgets.

Stein des Anstoßes für den heftigen Streit war eine 2019 in den Annals of Internal Medicine erschienene Artikelserie (4, 5, 6, 7, 8, 9, 10). Darin kamen die Autoren nach streng evidenzbasierten Kriterien zu der Schlussfolgerung, dass es keine qualitativ ausreichenden wissenschaftlichen Belege gebe, die eine Empfehlung zur Reduktion des Fleischverzehrs rechtfertigten. Einer der Hauptautoren der Publikation ist Dr. Gordon H. Guyatt von der kanadischen McMaster University in Hamilton/Ontario, einer der Väter der Evidenzbasierten Medizin.

Zum Thema Fleischverzehr gibt es kaum randomisiert-kontrollierte Ernährungsstudien mit harten Endpunkten. In der Womensʼ Health Initiative Study reduzierten die auf die fettarme Ernährung randomisierten Frauen ihren Fleischverzehr um rund 20 %. Dies ergab jedoch keinerlei Unterschied bei den verschiedenen Endpunkten wie Gesamtmortalität, Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen (11).

Guyatt und seine Kollegen sprechen sich dafür aus, dass Er­näh­rungs­emp­feh­lung­en für die Allgemeinbevölkerung nicht auf schwacher oder sehr schwacher Evidenz aus Beobachtungsstudien beruhen sollten. Und genau dies war und ist bisher regelhaft der Fall. Die Ernährungsepidemiologie hat über Jahrzehnte die Ernährungsleitlinien dominiert, obwohl es schon lange Kritik an der Qualität der Daten und ihrer Analysen gibt. Bereits die Erhebung von Ernährungsgewohnheiten über Fragebögen beinhaltet viele Ungenauigkeiten und korreliert nur sehr unzulänglich mit dem tatsächlichen Verzehr bestimmter Lebensmittel. Darüber hinaus sind Kohortenstudien, wie die für Hunderte Publikationen verwendeten Nursesʼ Health Study (NHS) und die Health Professionalsʼ Study (HPS) anfällig für systematische Fehler. Man beobachtet darin zwar eine freiwillig gewählte Ernährung.

Nährwerte* von Beyond Meat- vs. Rindfleisch-Burger
Tabelle
Nährwerte* von Beyond Meat- vs. Rindfleisch-Burger

Fleischlos, gebildet und schlank

Die kann indes mit einer Vielzahl anderer positiver Verhaltensweisen oder auch Risikofaktoren assoziiert sein. Das bedeutet, dass Menschen, die sich gesund ernähren, auch sonst gesund leben, und umgekehrt, weshalb die Resultate nur bedingt dem Essen zuzuschreiben sind.

Beispielsweise zeigt sich in Studien zum Verzehr von Fleisch, dass die Gruppen mit geringem Fleischverzehr im Durchschnitt gebildeter, schlanker, sportlich aktiver, seltener Raucher und insgesamt gesünder waren als die Gruppen der Fleischesser. Derart systematische Unterschiede versucht man zwar statistisch herauszurechnen – multivariat adjustiert heißt das. Dies ist aber oft intransparent, denn das Ausmaß der Adjustierung für einzelne, ungleich verteilte Risikofaktoren wird nicht bekannt gegeben. Eine Verzerrung der Resultate ist daher auch in Metaanalysen unvermeidbar. Ein weiteres Problem ist der sogenannte „Recall Bias“. Er bezeichnet die Unsicherheit in Bezug auf die korrekte Erinnerung an das Ernährungsverhalten. Die Autoren um Guyatt betonen daher, dass auch Metaanalysen allenfalls unzulängliche Evidenz für einen Einfluss von Fleisch auf Krankheitsrisiken liefern könnten. Die Beweiskraft sei insgesamt zu schwach, um daraus seriöse Empfehlungen für die Bevölkerung abzuleiten.

Das stellt Jahrzehnte epidemiologischer Forschung infrage, was die geradezu panikartige Reaktion der True Health Initiative erklärt. Wie sehr sich die auf pflanzenbasierte Ernährung eingeschworene Szene angegriffen fühlte, zeigt auch das Ausmaß der Gegenmaßnahmen. Denn noch vor Publikation der kritischen Artikelserie in den Annals und offensichtlich unter Bruch der üblichen Vertraulichkeitsvereinbarungen waren Informationen durchgesickert und hatten für erheblichen Wirbel gesorgt (12).

Die THI verlangte von der Zeitschrift, auf die Veröffentlichung der Studien zu verzichten, und drohte juristische Schritte wegen vermeintlich „gesundheitsschädlicher Desinformation der Bevölkerung“ an. Der E-Mail-Account der verantwortlichen Chefredakteurin der Annals of Internal Medicine, Christine Laine, wurde von Tausenden von Mails überflutet und musste stillgelegt werden.

Die Medizinjournalistin Rita Rubin hat unlängst den offenbar koordinierten Angriff der Fleischgegner in JAMA aufgedeckt (13). Zudem beleuchtet sie die oft übersehenen Interessenkonflikte der Gruppe um den THI-Gründer Dr. David Katz. Etliche der THI-Mitglieder erhielten Forschungsgelder und Sponsoring von Lebensmittelkonzernen, die vornehmlich pflanzliche Produkte herstellen. Was mithin der texanischen Universität vorgeworfen wurde, kommt so als Bumerang auf die THI-Mitglieder zurück.

Ähnlich verzerrt sind die Aussagen zur Klimaschädlichkeit des Fleischkonsums. Früher hieß es: „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“, heute eher: „Fleischkonsum ist der Klimakiller Nummer 1.“ Der Gehalt einer solchen Aussage ist indes ebenso fragwürdig wie die Aussagen über gesundheitsschädigenden Fleischkonsum. Nach den aktualisierten Daten der US-amerikanischen Umweltbehörde EPA trägt der gesamte Agrarsektor zu 9,3 % zu den Treibhausgas-Emissionen bei (13). Mehr als drei Viertel stammen indes aus Verkehr (27,9 %), Energieerzeugung (26,9 %) und Industrie (22,2 %) (14). Die Fermentation bei Wiederkäuern trägt 2,7 % zu den gesamten Emissionen bei. Fast 3-mal so viel Methan wird dagegen durch Fracking, Mülldeponien und die Kohle- und Benzinproduktion freigesetzt, ein Aspekt, der häufig übersehen wird.

Start-ups wie „Beyond Meat“ oder „Impossible Foods“ und fast alle großen Lebensmittelkonzerne fördern zwecks Klimaschutz den Trend zum Kunstfleisch. Dahinter stecken mächtige Investoren wie zum Beispiel Bill Gates, der am Impossible Burger beteiligt ist (15). Die Umsätze mit veganen Produkten haben sich innerhalb weniger Jahre vervielfacht. Auch hier gilt es, mögliche Interessenkonflikte zu erkennen. So hat der bekannte Regisseur David Cameron (Titanic, Avatar) mit „The Game Changers“ einen Netflix-Film über die vermeintlichen Vorteile der veganen Ernährung für Spitzensportler gedreht. Den Hintergrund, dass Cameron in großem Stil in eine Firma zur Herstellung von Pflanzenprotein aus Erbsen investiert hat, kennen die wenigsten (16). Eine fundierte Gegendarstellung bietet Brian Sanders demnächst mit der Filmdoku „FoodLies“ – konzentriert zusammengefasst im Internet unter http://daebl.de/FM43.

Rindfleisch- und Kalbfleischkonsum (Kilogramm pro Kopf 2018)
Grafik
Rindfleisch- und Kalbfleischkonsum (Kilogramm pro Kopf 2018)

Fleisch als Klimakiller?

Gemeinsam erzeugen mithin verschiedene Netzwerke die Vorstellung, dass Verzicht auf Fleisch das Klima rettet. Der Chef von Impossible Foods, Pat Brown, machte im Magazin „The New Yorker“ folgende Rechnung auf (17): „Stellen Sie sich vor, Sie verzichten eine Zeit lang auf 4 Pfund Fleisch und essen stattdessen unseren Impossible Burger, fliegen dann zum Shoppen von London nach New York und müssen trotzdem kein schlechtes Gewissen haben. Denn schließlich hat Ihr Fleischverzicht so viel CO2 eingespart wie ein Transatlantikflug. Sie fliegen also quasi klimaneutral.“

Der Klimaforscher Frank Mitloehner von der University of California in Davis stellt dies mittels Klimakalkulator richtig (18): Pro Passagier verursacht ein einfacher Flug von London nach New York City 898 kg CO2-Emissionen. Rindfleisch aus den USA produziert pro Kilogramm Fleisch 22 kg an CO2-Emissionen. 4 „Pounds” US-Rindfleisch bewirken also rund 40 kg CO2-Ausstoß. Das sind weniger als 5 % der Emissionen pro Passagier für die genannte Flugreise. Die Fake-News wurden mittlerweile von der Webseite von Impossible Foods entfernt.

Eine Vielzahl von Fleischersatzprodukten und Burgern aus Pflanzenprotein ist in den letzten beiden Jahren auf den Markt gekommen und wird unberechtigt mit Behauptungen beworben, sie dienten gleichermaßen der Gesundheit und dem guten Klimagewissen. Vielen Verbrauchern dürfte indes nicht klar sein, welche umfangreiche chemische Zutatenliste in den Pflanzenfrikadellen steckt. Dazu zählt auch das Bindemittel Methylzellulose, die Grundsubstanz des Tapetenkleisters (19). Das Magazin Ökotest wies in jedem zweiten Fleischersatzprodukt Rückstände von Mineralölen nach (20).

Inzwischen wird unter dem Namen „Planetary Health Diet“ von einer Allianz aus Vegetariern, Veganern, Klimaschützern und Lebensmittelkonzernen eine pflanzenbasierte Kost weithin propagiert. Der suggestive Begriff führt die Gesundheit für den einzelnen und den Planeten zusammen. Er entstammt der viel diskutierten und von der Presse in aller Welt gehypten Publikation der EAT-Lancet Commission von 2019 (21).

Darin schlägt ein Autorenteam um Dr. Walter Willett vor, pro Tag nicht mehr als 15 g Ei, maximal 7 g Rindfleisch sowie nicht mehr als einen Viertelliter Milch oder aus dieser Milch hergestellte Milchprodukte zu verzehren – also ein kleines Stück Käse oder 100 ml Joghurt. Je weniger tierische Produkte, umso besser, lautete das Fazit. Dagegen sollen täglich 300 g Gemüse, 100 g Obst und gerne auch reichlich Reis, Mais, Kartoffeln, Weizen – Pasta und Brot – und bis zu 31 g Zucker auf dem Speiseplan stehen. Wie man diese präzisen Mengenangaben aus schwachen epidemiologischen Daten ableiten konnte, bleibt unverständlich.

Die statistischen Methoden dieser umstrittenen EAT-Publikation wurden unlängst im Journal of Nutrition insbesondere aufgrund mangelnder Transparenz massiv kritisiert (22). Der postulierte Benefit zur Senkung der Mortalität durch die „Planetary Health Diet“ halte strenger Überprüfung nicht stand, hieß es dort. Darüber wurde so gut wie nicht berichtet.

Aus Sicht der Ernährungsmedizin macht die Unterscheidung in tierische und pflanzliche Lebensmittel ohnehin keinen Sinn. Denn nicht nur Gemüse, Obst und Olivenöl, sondern auch Zucker, Softdrinks und sämtliche stärkereichen Weißmehlprodukte sind pflanzlich. Die „Planetary Health Diet“ würde bei einem angenommenen Grundumsatz von 2 000 kcal etwa einer Zufuhr von mehr als 330 g Kohlenhydraten pro Tag oder 55–60 % der gesamten Kalorien entsprechen. Die PURE-Studie hatte gezeigt, dass eine derart kohlenhydratreiche Kost für den überwiegenden Teil der Menschen schädlich ist und die Gesamtsterblichkeit erhöht (23, 24). Nicht umsonst gilt die Kohlenhydratreduktion – „low carb“ – vielen Experten als Meilenstein im Hinblick auf eine gesunde Ernährung. Die Resultate der PURE-Studie werden im EAT-Paper jedoch völlig übergangen. Außerdem ist die Finanzierbarkeit der Planetendiät ein unterschätztes Problem. Mehr als eineinhalb Milliarden Menschen weltweit könnten sie sich schlicht nicht leisten, lautet die Kritik (Kommentar) (25).

Wenn Organisationen über Publikationen in hochrangigen Journalen, mit dem Anstrich von vermeintlich offiziellen Er­näh­rungs­emp­feh­lung­en Millionen gesunder Bürger dazu bewegen möchten, ihre Ernährungsgewohnheiten einschneidend zu verändern, tragen sie eine hohe Verantwortung. Es sollte sicherstellt sein, dass die Umsetzung ihrer Empfehlungen auch mit eindeutigen gesundheitlichen Vorteilen einhergeht. Dies, so zeigt die Artikelserie in den Annals of Internal Medicine, ist jedoch nicht der Fall.

Fleischqualität ist entscheidend

Das Argument, der Fleischverzehr sei – nicht zuletzt auch in Deutschland – bereits ausreichend hoch und eine weitere Steigerung wäre definitiv nicht sinnvoll, mag stimmen. Aber selbst wenn ganz Deutschland vegan äße, so Klimaforscher Frank Mitloehner, wäre der Einfluss auf den weltweiten CO2-Ausstoß nicht einmal messbar (26).

Entscheidend ist nicht zuletzt, die Qualität von Fleisch zu berücksichtigen. Fleisch ist nicht dasselbe wie verarbeitetes Fleisch, zum Beispiel in Form von Wurstwaren. Wenn die Qualität und die Zubereitungsmethode beachtet werden, ist Fleisch ein gesundes Lebensmittel. Auch im Sinne des Tierwohls wäre es sinnvoll, wenn die Verbraucher bereit wären, für gutes Fleisch aus artgerechter Tierhaltung einen höheren Preis zu zahlen. Dass fleischfrei essen gesund ist und dem Klima nützt, müsste jedoch erst noch substanziiert werden.

Dr. med. Johannes Scholl

Facharzt für Innere Medizin,
Ernährungsmedizin, Sportmedizin

Interessenkonflikt: Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt vorliegt.

Dieser Artikel unterliegt nicht dem Peer-Review-Verfahren.

Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/lit2720
oder über QR-Code.

Kommentar

Dr. med. Johannes Scholl, Präsident der Deutschen Akademie für Präventivmedizin

Die führenden Advokaten der „Planetary Health Diet“ gehören nicht zu jenem 1,5 Milliarden Menschen umfassenden armen Teil der Weltbevölkerung, die sich diese nicht eben billige Kost überhaupt nicht leisten könnten. Das verwundert nicht, ist doch die Gründerin der EAT-Foundation, Gunhild Stordalen, eine norwegische Milliardärsgattin. Sie selbst trägt vermutlich mit einer noch so teuren veganen „Global Health Diet“ auch eher wenig zur Rettung des Planeten bei. Denn sie fliegt mit ihrem 20 Millionen US-Dollar teuren Privatjet jährlich etliche Male um die Welt. Die britische Boulevardpresse hat es sich nicht nehmen lassen, solche Scheinheiligkeit anzuprangern und genüsslich vorzurechnen, wie viele Steaks man für die Treibhausgas-Emissionen essen könnte, die Stordalens Privatjet verursacht (27).

Solche Widersprüche sahen auch Fachleute als Fingerzeig, die Authentizität der EAT-Foundation anzuzweifeln und die Hintergründe zu recherchieren: Die Foundation selbst ist zwar gemeinnützig, sie hat allerdings vor zwei Jahren eine weitere Institution namens „FReSH“ (Food Reform for Sustainability and Health) ins Leben gerufen, mit der sie eng zusammenarbeitet. FReSH wiederum hat eine Vielzahl einflussreicher Mitglieder. Dazu zählen beispielsweise Lebensmittelgiganten wie Cargill, ein Hersteller von Zuckersirup. Oder Firmen, die Ceralien herstellen, darunter Danone und Nestlé, schließlich Bayer und BASF als Saatgut- und Pflanzenschutzproduzenten.

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Rindfleisch- und Kalbfleischkonsum (Kilogramm pro Kopf 2018)
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Rindfleisch- und Kalbfleischkonsum (Kilogramm pro Kopf 2018)
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22.Zagmutt FJ, Pouzou JG, Costard S: The EAT-Lancet Commission‘s Dietary Composition May Not Prevent Noncommunicable Disease Mortality. J Nutr 2020; nxaa020. doi:10.1093/jn/nxaa020 CrossRef MEDLINE PubMed Central
23. Dehghan M, Mente A, Zhang X, et al.: Associations of fats and carbohydrate intake with cardiovascular disease and mortality in 18 countries from five continents (PURE): a prospective cohort study. Lancet 2017; 390 (10107): 2050–62 CrossRef MEDLINE
24.Ravichandran M, Grandl G, Ristow M: Dietary Carbohydrates Impair Healthspan and Promote Mortality. Cell Metab 2017; 26 (4): 585–7 CrossRef MEDLINE
25.Hirvonen K, Bai Y, Headey D, et al.: Affordability of the EAT-Lancet reference diet: a global analysis.Lancet Glob Health. 2020; 8 (1): e59–66 CrossRef MEDLINE PubMed Central
26.von Petersdorf W: Esst ruhig Fleisch! FAZ vom 20. Oktober 2019. FAZ 2019; 42: 22–3. https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/klima-energie-und-umwelt/klimawandel-verzicht-auf-fleisch-rettet-das-klima-nicht-16441733.html (last accessed on 12 March 2020).
27.Bagot M: ‚Meat free‘ environmentalist jets round globe in private jet while ‚saving planet‘. Daily Record vom 18. Januar 2019. https://www.dailyrecord.co.uk/news/uk-world-news/environmental-campaigner-
accused-hypocrisy-after-13872570 (last accessed on 12 March 2020).

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Avatar #837554
Dr Frederik Peters
am Freitag, 31. Juli 2020, 17:10

Welche Motivation treibt eine derart einseitige Darstellung?

Zunächst bleibt man nach Lesen diese Artikels peinlich berührt zurück, liest sich der Artikel doch wie ein reines Lobbypapier. Auch wenn der Autor sicher keinerlei derartige Verbindungen aufweist, werden nach Blick in Publikationsliste und Internet Auftritt Interessen und Motivationslagen durchaus deutlich. Verwundert hat mich letztlich, dass die Thematik der Dissertation von Herrn Dr. Scholl und dem damit gezeigten frühen Interesse an ethischen Fragestellungen keinerlei Niederschlag in dessen Polemik findet. Vor diesem Hintergrund und der jüngsten Stellungnahme des deutschen Ethikrates zum Thema, kann man von einem ethisch orientierten Berufsstand durchaus verlangen, derartige Überlegungen mit einzubeziehen.
Avatar #837554
Dr Frederik Peters
am Freitag, 31. Juli 2020, 16:31

Ich fordere die umgehende Zurückziehung des Artikels

Der Artikel weist eklatante Mängel im Bezug auf gute wissenschaftliche Praxis auf und sollte umgehend zurückgezogen werden.
Avatar #835887
Susanne Baum
am Freitag, 31. Juli 2020, 11:53

aus ernährungswissenschaftlicher Sicht...

Zur Frage der Evidenz hier eine kürzlich erschienene Studie:
Die Gruppenanalyse von Daten aus zwei prospektiven Studien mit Kohorten, die in den Vereinigten Staaten rekrutiert wurden (81.000 männliche und weibliche Teilnehmer, d. h. 1,2 Millionen Personenjahre Nachbeobachtung), ergab, dass das relative GM-Risiko nach 8 Jahren für jede zusätzliche halbe Portion Fleisch pro Tag im Durchschnitt 10 % höher ist – egal, ob das Fleisch verarbeitet (13 % höheres Risiko) oder unverarbeitet (9 % höheres Risiko) ist. Umgekehrt ist das Ersetzen von rotem Fleisch durch andere Proteinquellen (Fisch, Nüsse, Vollkornprodukte usw.) mit einem verringerten Risiko assoziiert.

Quelle: Association of changes in red meat consumption with total and cause specific mortality among US women and men: two prospective cohort studies
https://www.bmj.com/content/365/bmj.l2110

Avatar #40726
kertai
am Donnerstag, 30. Juli 2020, 08:08

Furchtbar einseitig und falsch

Zunächst liest sich Herr Scholls Analyse wie ein gut recherchierter, evidenzliebender und einen Komplott der veganen Lobby aufdeckender Artikel.
Wer sich mit dem Thema jedoch seriös und seit einiger Zeit beschäftigt, den überfällt eine Mischung aus Langweile und Wut.

Langeweile, weil es stets die gleichen Argumente sind. Nämlich in Wesentlichen, dass es keine Evidenz gäbe, dass Fleischkonsum schädlich sei.
Dies liegt nicht etwa daran, dass es nicht genügend Kohorten- und Interventionsstudien dazu gäbe, die eine klare Korrelation zwischen Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, Adipositas und inzwischen auch malignen Erkrankungen und Fleischkonsum aufzeigen.
Nein, das Argument lautet: Es gibt keine prospektiven, randomisierten Studien.
Das Argument ist uralt und wurde in den Fünfzigern von der Tabakindustrie erfunden. Würden wir heute noch immer nach der prospektiven, randomisierten Studie zu Tabakrauch rufen, dann könnten wir bis zum heutigen Tag nicht behaupten, dass Rauchen schädlich sei.
Genauso ist es mit dem Fleisch. Es wird niemals die Studie geben, bei der Menschen nach Zufallsprizip, idealerweise ohne es selbst zu wissen, über Jahrzehnte entweder Fleisch essen oder nicht.
Aber es gibt extrem gute, jahrzehntelange Kohortenstudien, deren Ergebnisse alle zeigen, dass eine pflanzenbasierte Ernährung gesünder ist.
Diese Studien werden entweder diskreditiert, weil nicht randomisiert oder es werden stattdessen Studien zitiert, die nur viel Fleischkonsum mit wenig Fleischkonsum vergleichen, nicht aber Fleisch ja oder nein, und (aus meiner Sicht gewollt) zu keinem signifikanten Unterschied kommen.

Wut, weil in den Artikel auf solch unsachliche Weise auch noch der, angeblich geringe, Einfluss der Fleischindustrie auf den Ausstoß von Treibhausgasen offen zur Schau getragen werden darf. Was hat der Autor hier für Sachkenntnis? Das ist pures Leugnen der Ursachen des Klimawandels.
Nur ganz kurz: die zitierte amerikanisches Agrarbehörde ignoriert bei ihrer Berechnung der Treibhausgasemissionen u.a. die Futtermittelproduktion und die dafür notwendige Abholzung von Primärwald, alle Verarbeitungsprozesse nach der Schlachtung, etc.

Am Ende verrät sich der Autor dann selbst:
Er schreibt, es käme auf "die Qualität des Fleisches an".
Wenn er in seinem Artikel irgendetwas klar aufgezeigt hat, dann dass es genau dafür gar keine Evidenz gibt!
Avatar #834998
BavariaBlue
am Sonntag, 26. Juli 2020, 12:29

RE an User "3107"

"„Bavaria Blue“ meint, Low-Carb sei der größte Marketing-Schwindel im Gesundheitsbereich – und hat wohl die aktuellen „STANDARDS OF CARE“ der American Diabetes Association verpasst, die sich im Januar 2020 wie folgt äußern: „Reducing overall carbohydrate intake for individuals with diabetes has demonstrated the most evidence for improving glycemia and may be applied in a variety of eating patterns that meet individual needs and preferences… reducing overall carbohydrate intake with a low- or very-low-carbohydrate eating pattern is a viable option.” Schwindel? Doch wohl eher mangelndes Fachwissen bei Bavaria Blue? (Diabetes Care 2020;43(Suppl. 1):S48–S65 | https://doi.org/10.2337/dc20-S005)"


Es ist hier vorerst in zwei Gruppen zu unterteilen. Gesunde Menschen (ohne Diabetes II, etc.) und kranke Menschen (mit eben genannten Erkrankungsbildern)
Ihr zitiertes Paper handelt ausschließlich von Gruppe 2. Später dazu mehr.
Gruppe 1 wird nach meinem Kenntnisstand durch groß angelegtes Marketing auf die Low Carb Schiene gedrängt. Dies ist aufgrund der möglichen Langzeitschäden - - siehe Fazit in Gruppe 2 - absolut zu vermeiden!


Gruppe 2
Ja, es gibt peer-reviewed Artikel, die nachweisen können, dass eine Low Carb Ernährung den Blutdruck senken kann, wie in Ihrem verlinkten Paper zu sehen ist, oder auch hier:
https://doi.org/10.1016/j.nut.2012.01.016
Zusammenfassung:
Symptom: High blood pressure
Krankheit: Kohlenhydrat-Intoleranz / Diabetes Typ II

Wie wird mittels Low Carb eigentlich reagiert? Auf die Symptome wird reagiert! Wo keine externen Carbs hinzugefügt werden, da kein high blood pressure möglich! Dies löst aber nicht das Krankheitsbild an sich. Es verschlechtert womöglich das Krankheitsbild, wie hier angedeutet wird:
Testreihe: gesunde(sic!) Menschen ernähren sich low carb, high carb, high protein --> danach Zucker-Intake, was passiert: fat-diet lässt blood sugar levels bei Zuckereinnahme nahezu explodiert:
doi:10.1001/archinte.1927.00130120077005
oder hier: doi:10.1113/jphysiol.1934.sp003113
oder hier: https://www.jci.org/articles/view/89444

Wir lernen: high fat intake can worsen carbohyrdate intolerance.
Was wird uns gelehrt: high fat intake wird als Wunder angepriesen, um z.B. Insulinspritzen zu entgehen (solange keine Glucose hinzugefügt wird) == Schwindel!

Was hilft dagegen?
Krankheitsbekämpfung, nicht Symptombekämpfung! Wie high carb intake, hier zu sehen:
doi:10.1093/ajcn/32.11.2312
Zu Beginn mit Insulingabe, nach wenigen Wochen keine Insulingabe mehr nötig!

Dazu muss man aber wissen, wie es zu Diabetes Typ II kommen kann. Diese Thematik würde den Rahmen des Kommentars aber sprengen.
Hinweise hierzu: Ketone --> Acetone --> Acetol --> Methylgyloxal --> AGEs --> reduced longevity:

doi:10.1196/annals.1333.025
doi:10.1097/MJT.0b013e318235f1df

Bitte schreiben Sie nicht von mangelndem Fachwissen in Bezug auf BavariaBlue. Bitte unterlassen Sie die Unterstellung von "Fake News" == Totschlagargument.

-----------------------------------
Andere sekundäre Kritikpunkte:

"Da ich selbst auf ResearchGate unterwegs bin, dem Netzwerk von Wissenschaftlern, habe ich einmal nachgeschaut und bin auf 24 Artikel von Dr. Scholl gestoßen: https://www.researchgate.net/profile/Johannes_Scholl/publications. "


--> Ein klassisches appeal to authority Argument, bekannt als logischer Fehlschluss, nichts weiter.

 ResearchGate ist in diesem Forum wohlbekannt.

"“Canuto” bezieht sich auf die kanadischen Ernährungsempfehlungen 2019, die angeblich vom Fleisch abraten und pflanzenbasiert seien. Wer es nachschaut, wird sehen, dass in diesen Leitlinien als gesunde Proteinquellen mageres Fleisch, Wild, Fisch, Eier und Milchprodukte empfohlen werden. Planzenbasiert und fleischarm also? https://food-guide.canada.ca/en/healthy-eating-recommendations/make-it-a-habit-to-eat-vegetables-fruit-whole-grains-and-protein-foods/eat-protein-foods/ "

--> richtig, pflanzenbasiert (die BASIS!) und wenig Fleisch - dies unterscheidet sich erheblich von den derzeitigen Ernährungsgewohnheiten. Ein kleiner Fauxpas in einem sonst sehr gut recherchierten Kommentar von User "Canuto". Warum gehen Sie nicht auf die anderen Aspekte ein?


Übrigens verwenden Sie das Wort "offensichtlich" wohl nur inflationär, um ihren Meinungen ein vermeintlich öffentliches Gewicht zu verleihen.
Avatar #836042
MFaust
am Montag, 20. Juli 2020, 21:40

Unerwartet einseitig

Kommentar zum Artikel des Herrn Doktor Scholl
Erschienen im Ärzteblatt 27-28/2020

Beim ersten Blick in das aktuelle Ärzteblatt habe ich mich auf eine konstruktiv kritische Auseinandersetzung zum Thema Veganismus gefreut.
Bei der Lektüre des Artikels ist mir die Freude leider vergangen. Den Ansatz zum konstruktiven Diskurs scheint der Autor nicht zu befürworten.

Neben der im Anschluss folgenden Kritik am Inhalt fallen zwei Dinge direkt zu Beginn auf. Der Autor beginnt seine Meinungsäußerung, indem er die mündige PatientIn erst einmal diffamiert. Die PatientInnen würden jetzt selber entscheiden, was sie essen und dann auch noch weniger Fleisch. Und nicht etwas das, was ihnen die Schulmedizin so empfiehlt. Sich schon zu Beginn darüber lustig zu machen, dass PatientInnen selbst entscheiden, ist aus meiner Sicht nicht förderlich. Des Weiteren macht der Autor Gebrauch vom generischen Maskulinum, was natürlich noch üblich und trotzdem nicht mehr angebracht ist.

Zum Inhalt.
Wir starten in den Artikel mit einem Bild von veganen Burgern, die scheinbar für die vegane Ernährung an sich stehen. Dann beklagt der Autor die fehlende Evidenz für den Gesundheitswert der veganen oder gar vegetarischen Ernährung. Dabei werden alle VeganerInnen über den einen sprichwörtlichen Kamm geschert und es entsteht der Eindruck, wer sich pflanzenbasiert ernährt, ernährt sich von Convenience und Zucker. Es wirkt leider so, als ob sich der Autor mit der veganen Idee nicht wirklich beschäftigt hat. Es wird also die, aus seiner Sicht fehlende Evidenz für den positiven Gesundheitswert, mit einer für unsere Gesundheit ungünstigen Ernährung gleichgesetzt, was aus meiner Sicht ein zu schneller Schluss ist. Jeder informierten VeganerIn ist bekannt, dass es Forschungsbedarf in diesem, wie in allen anderen Bereichen der Ernährung des Menschen, gibt. Denn wie handfest die Evidenz zu der vom Autor propagierten Mischkost ist, lässt auch er offen. Er wünscht sich im weiteren Verlauf randomisierte Kontrollstudien mit harten Endpunkten und verliert dabei aus dem Blick, dass nicht umsonst Kohortenstudien mit großen Fallzahlen in der Ernährungswissenschaft Stand der Dinge sind. Weil RCTs aufwendig, teuer, ethisch kompliziert und durch kleine Fallzahlen ungeeignet sind, wenn man zur Auswirkung von Ernährungsweisen auf ganze Bevölkerungen forscht.
Die zwei aussagekräftigsten Studien zur pflanzenbasierten Ernährung (Adventist Health Study II und EPIC Oxford Studie) fallen in dem Artikel gleich unter den Tisch. Stattdessen tritt der Autor mit einem ebenso schwammigen Gegenbeweis zur gesunden pflanzenbasierten Ernährung an. Eine Studie will festgestellt haben, dass Frauen, die ihren Fleischkonsum um 20% reduziert haben, kein geringeres Risiko für Herzerkrankungen hatten. Frauen sind ja, das dürfte bekannt sein, nicht die Nummer eins Risikogruppe, was diese Erkrankungen angeht. Darüber hinaus ist in den letzten 50 Jahren der pro Kopf Fleischkonsum um 70% gestiegen. Da ist eine Reduktion um 20% auch nicht im aussagekräftigen Bereich. Dann wird mit Zahlen jongliert und aufgeführt, welche VeganerIn zu viel fliegt, um mit anderen weiteren Argumenten zu beweisen, dass diese Form der Ernährung keine positiven Auswirkungen für unseren Planeten hat. Dabei wird völlige außer Acht gelassen, dass Tropenwälder für den Anbau von Futterpflanzen gerodet werden, und der aus Sicht des Autors viel schlimmere Transportsektor nicht von unserem Fleischkonsum zu trennen ist. Unsere Erde ist darüber hinaus schlicht zu klein, um die gesamte Bevölkerung mit Fleisch zu versorgen, ob das nun gesund ist oder nicht.
Er beklagt sich im weiteren Verlauf, dass eine pflanzenbasierte Ernährung für die Ärmeren nicht finanzierbar sei. So lange Äpfel aus Deutschland teurer sind als Fleisch aus Argentinien, mag das sein. Doch kann das nicht der Ausgangspunkt für diese Diskussion sein. Denn dabei fällt auf, dass der Autor keinen Wert auf ethisch korrekte Bedingungen in der Fleischproduktion legt. Denn nur unter prekären Bedingungen ist es möglich, Fleisch zu produzieren, was günstiger ist, als pflanzliche Alternativen. Dass die derzeit herrschenden Zustände in der Tierhaltung und Schlachtung nicht haltbar sind, darüber sind sich mitfühlende MischköstlerInnen und VeganerInnen einig.
Mit Recht werden in dem Artikel Konzerne kritisiert, die mit veganen Produkten Millionen verdienen. Doch eine gut geplante gesundheitsfördernde pflanzliche Ernährung verzichtet ganz bewusst auf Produkte dieser Konzerne. Und es ist mehr veganen Kunden als mischköstlichen SchulmedizinerInnen klar, dass Convenience ungesund ist, egal ob vegan oder nicht. Im Übrigen ist die Methylzellulose, die der Autor als Inhaltsstoff von veganen Fertigprodukten kritisiert, auch in dem einen oder anderen Dönerspieß zu finden. Diese sind ja meist nicht vegan.
Ein Punkt in diesem Artikel ist aus meiner Sicht so irreführend, dass ich mich wundere, diesen überhaupt im Ärzteblatt abgedruckt zu finden. Der Autor kritisiert den Film „Game Changers“ der sicherlich kritisch zu hinterfragen ist. Dann wird allerdings ein Film verlinkt, der die große Bitte des Autors nach wissenschaftlicher Evidenz mehr als in Frage stellt. In „The Food Lies“ wird mehr Fleischkonsum propagiert und dafür gleich mal die Evolution als Beweisführer herangezogen. Dabei ist bekannt, dass die Evolution kein guter Berater ist, wenn es um eine Ernährung geht, die Langlebigkeit, Gesundheit und Wohlbefinden fördert. In Zeiten von Massentierhaltung, miserablen Arbeitsbedingungen für Menschen in fleischverarbeitenden Betrieben und den sich verdichtenden Hinweisen, welche Auswirkungen unser Fleischkonsum auf uns und unseren Planeten hat, ist es, aus meiner Sicht, schockierend, dass ein wichtiger deutscher Mediziner auf diesen Film hinweist und ihn als interessante Gegendarstellung postuliert.
Es macht deutlich, wie lang der Weg zu einer Ernährung, die für uns und unseren Planeten verträglich ist, ist, beziehungsweise, wie lang der Weg zu einer konstruktiven Diskussion zu so einer Ernährung noch ist.
Wer dazu beitragen will, sollte also beachten,

°dass unser Ernährungsverhalten nicht von den Auswirkungen auf unseren Planeten, auf unsere Mitmenschen und Mitgeschöpfe zu trennen ist.

°dass der aktuelle wissenschaftliche Stand zu allen Ernährungsformen unbefriedigend ist und es auf Grund der sich weiter entwickelnden Wissenschaft keine harten Endpunkte geben wird.

°dass die vollwertige pflanzliche (vegane) Ernährung nicht aus Convenience und High Carb besteht und somit auch keinen Gegensatz zum Low Carb Ansatz darstellt.

°dass Lebensmittelkonzerne meistens hauptsächlich auf Gewinn aus sind, egal was sie produzieren.

°dass informierte PatientInnen sehr wohl in der Lage sein können, der ein oder anderen SchulmedizinerIn in Fragen der Ernährung voraus zu sein.


°dass alte Weisheiten, wie „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“, eben alt sind.

Was die optimale Ernährung ist, ist nicht geklärt. Doch destruktive Artikel helfen nicht dabei, Antworten zu finden, sondern provozieren im Höchstfall. Darum kann dieser Artikel nicht unkommentiert bleiben.

M.Faust
Avatar #835887
Susanne Baum
am Freitag, 17. Juli 2020, 12:00

aus ernährungswissenschaftlicher Sicht...

Sehr überrascht hat mich die Aussage, dass Fleisch als eine Quelle gesunder Fettsäuren bezeichnet wird, da doch allgemein bekannt ist, dass hier maßgeblich die Herkunft / Aufzucht des Tieres über die Fettsäuren Zusammensetzung bestimmt (Alpenparadox, Hauswirth 2003). Sicherlich weisen Sie vorangehend auf biologische Haltungsform hin – allerdings, ist ein biologisch gehaltenes Schwein lediglich in der Lage 30 cm mehr Platz in seinem Käfig zu haben, und dies, nach der neuesten Beurteilung durch den Bundestag, noch weitere 8 Jahre. Biologisch hat nichts mit grasgeführter Weidehaltung zu tun. Nur unter grasgeführter Weidehaltung, so von Frau Hauswirth beschrieben, kommt es zu einem guten Omega3 zu Omega 6 Fettsäuren Verhältnis.
Fleisch gehört zu den geschätzten Nahrungsmitteln in Deutschland. Auch ich erlebe in meiner Arbeit „die Lust am täglich Fleisch“. Aber in Zeiten in denen selbst die Landwirtschaftsministerin Frau Klöckner im FAS Interview sagt „man hat kein Recht auf täglich Billigfleisch“ finde ich es unverantwortlich diese alte Gewohnheit zu unterstützten. In meiner Jugend galt es zum guten Ton zu Rauchen. Mein Vater hatte bestimmt nichts Schlechtes im Sinn, als er während langer Autofahrten einige Zigaretten rauchte obwohl wir Kinder im Rücksitz (unangeschnallt) saßen. Ist es daher Recht, wenn ein Kinderarzt dies nicht als verwerflich hält? Nur weil wir es schon immer so gemacht haben?
Der Mensch zeichnet sich aus durch sein hohes Maß an Lernfähigkeit. Ich stelle in meinen Ernährungstherapien immer wieder fest, dass auch Menschen mit einem hohen Fleischkonsum gerne dazu bereit sind ihre Ernährungsgewohnheiten zu ändern. Die Forderung von max. 300 g Fleisch / Woche mit einem Verzicht auf Wurstwaren ist nicht eine lebensbedrohliche. Ich erinnere mich an meine Kindheit, in der dies normal war – und wir dennoch eine gesunde, vollwertige Ernährung hatten. Fleisch war damals schlicht weg zu teuer um dies täglich zu essen. Aufgrund der milliardenschweren Subventionen verkommt Fleisch – auch Bio – zur Ramschware! In meinen Beratungen möchte ich Menschen dazu auffordern weniger aber qualitativ hochwertiges gesundes Fleisch zu kaufen. Da dies seinen Preis hat (zum Wohle der Bauern und der Tiere) ist hier weniger mehr!

Zum Thema Klimawandel möchte ich nur kurz die milliardenschweren Bußgelder der EU aufgrund der schlechten Trinkwasserqualität in Deutschland (Überdüngung durch Gülle) sowie der Abholzung im Amazonasgebiet in noch nie dagewesenem Umfang für den Anbau von Soja für Tierfutter (nicht zum menschlichen Verzehr!) hinweisen. Hier könnte man sicherlich noch viele weitere Argumente liefern, welche allerdings bereits als Kommentare veröffentlicht wurden.
Als erste Maßnahme zur gesundheitlichen Prävention gilt die Gesunderhaltung unseres Planeten. Mit dem im Artikel empfohlenen hohen Fleischkonsum werden wir unserer folgenden Generation keinen Gefallen dbzgl. tun.
Avatar #704363
cabrera
am Donnerstag, 16. Juli 2020, 22:15

Schade!

Mit Verwunderung habe ich den Artikel im DÄ zu Kenntnis genommen. Hinsichtlich der aktuellen Skandale in der deutschen Fleischindustrie kommt er für mich zu einer absoluten Unzeit. Hinsichtlich der inhaltlichen Kritikpunkte kann ich mich den anderen Kommentatoren nur anschließen. Auf sachliche Argumente mit Plattitüden wie „Fleischgegner“ zu kontern, trägt nicht zur sachlichen Diskussion bei. Richtig ist, dass viele Konsumenten in Deutschland unter „Fleischkonsum“ eben nicht das Steak, sondern verarbeitete Wurstwaren verstehen, welche sich neben einem hohen Fettgehalt auch durch einen hohen Salzanteil auszeichnen. Diese hat der Autor vermutlich mit seinen Ausführen nicht gemeint, dennoch werden sich nach der Lektüre dieses Artikels viele in der Ernährungsberatung Tätige nun diesen Diskussionen mit Patienten aussetzen müssen. Schade, dass ein solcher Artikel im DÄ eine Plattform gefunden hat.
Avatar #704363
cabrera
am Donnerstag, 16. Juli 2020, 22:13

Schade!

Mit Verwunderung habe ich den Artikel im DÄ zu Kenntnis genommen. Hinsichtlich der aktuellen Skandale in der deutschen Fleischindustrie kommt er für mich zu einer absoluten Unzeit. Hinsichtlich der inhaltlichen Kritikpunkte kann ich mich den anderen Kommentatoren nur anschließen. Auf sachliche Argumente mit Plattitüden wie „Fleischgegner“ zu kontern, trägt nicht zur sachlichen Diskussion bei. Richtig ist, dass viele Konsumenten in Deutschland unter „Fleischkonsum“ eben nicht das Steak, sondern verarbeitete Wurstwaren verstehen, welche sich neben einem hohen Fettgehalt auch durch einen hohen Salzanteil auszeichnen. Diese hat der Autor vermutlich mit seinen Ausführen nicht gemeint, dennoch werden sich nach der Lektüre dieses Artikels viele in der Ernährungsberatung Tätige nun diesen Diskussionen mit Patienten aussetzen müssen. Schade, das dieser Artikel so im DÄ eine Plattform gefunden hat.
Avatar #565293
beyermeppen
am Donnerstag, 16. Juli 2020, 17:33

Der Ton macht die Musik

Kollege Scholl schreibt in den Eingangsworten von harten Bandagen, Verteufelung, zunehmend scharfer Diskussion auf politischer und akademischer Ebene. Die Reaktionen, nicht alle zum Glück, geben ihm recht: Bewertung als "unverantwortbar, völlig daneben, tendenziös". Es ist vermessen, den einzig richtigen Weg in globalen Themen aber auch in einzelnen Entitäten zu benennen. Medizin ist Lernen aus Fehlern. Nur sollten persönlich diskreditierende Aussagen an Autor und Redaktion unterbleiben. Ich freue mich daher, dass nicht einzelne Kommentare zensiert wurden- das wäre ja eine Konsequenz-, sondern zum Meinungsbild beitragen. Auch solche ohnehin als vermeintliche Minderheitsmeinungen gekennzeichnete Beiträge müssen ihren Platz im Ärzteblatt haben. Mehrheitsmeinung war auch, dass ASS gut zur Thromboseprophylaxe (1970) und Schlaganfallprophylaxe ist (2010), dass Beta-Blocker kontraindiziert sind bei KHK und Herzinsuffizienz (1975); kräftig pharmaindustriegelenkte Meinungsbilder zB Aggrenox bei Schlaganfall (2007)- gegen pharmakologisches Grundwissen- u.v.a. wurden nicht so intensiv kritisiert.
Ich hatte die Gelegenheit, die Qualifikation in einem Kurs der Akademie für Präventivmedizin zu absolvieren und habe ihn als -unabhängig von Sponsorengeldern (!)- differenzierten abwägenden Ausbildungsgang in guter Erinnerung.
Avatar #539456
Reinhardt Solbrig
am Donnerstag, 16. Juli 2020, 17:25

Mehr Gelassenheit

Mich verwundert etwas die Art der Kommentare auf ein sicher brisantes Thema! Mehr Gelassenheit in der Diskussion sollte zumindest unter Akademikern erwartet werden. Der Artikel wurde sicher auch nicht ohne Grund unter der Rubrik "Medizinreport" aufgeführt und als solcher nicht einem Peer-review unterzogen. Der Autor erhebt daher auch nicht den Anspruch irgendein Dogma brechen zu wollen. Denkanstöße liefert er allemal. Mir zumindest war es nicht so bewußt, dass die Datenlage doch wohl recht dünn sein dürfte! Diejenigen die hier Voreingenommenheit und Einseitigkeit unterstellen, sind interessanterweise ja auch auf ihre Weise irgendwie voreingenommen! Somit drehen sich alle im Kreis! Die Sachlage an sich bleibt aber außen vor und ein wichter Aspekt leider fast unkommentiert: Die Qualität bei tierischer wie pflanzlicher Kost ist entscheidend!
Avatar #762833
Dr. med. Sebastian Göbel
am Donnerstag, 16. Juli 2020, 08:22

Tendenziös, Einseitig, völlig daneben

Was hält Covid -19 am Laufen? Was wird weitere Pandemien auslösen?

Der UN-Report: "Preventing the next pandemic - Zoonotic diseases and how to break the chain of transmission" nennt:

DISEASE DRIVERS
Seven human-mediated factors are most likely driving the emergence of zoonotic diseases:

1) increasing human demand for animal protein;
2) unsustainable agricultural intensification;
3) increased use and exploitation of wildlife;
4) unsustainable utilization of natural resources accelerated by urbanization, land use change and extractive industries;
5) increased travel and transportation;
6) changes in food supply; and
7) climate change.

https://www.unenvironment.org/resources/report/preventing-future-zoonotic-disease-outbreaks-protecting-environment-animals-and


Unsere Landwirtschaft und unsere Ernährungsweise ist also Motor Nummer 1 für
Umwelt-Erosion (https://www.ecologyandsociety.org/vol22/iss4/art8/),

Pandemie-Treiber (UN-Report s.o.)

und Entstehen unserer Zivilistations-Krankheiten (https://www.aerzteblatt.de/archiv/161704/Entwicklung-der-Krankheitslast-in-Deutschland)

und nimmt eine wichtige Rolle in der Entwicklung von Antuibiotika-Resistenzen bei Bakterien ein... (weitere Quellen folgen...)

Ich würde mir eine saubere Selektion von gut recherchierten Artikeln wünschen...

mit freundlichen Grüßen
Sebastian Göbel
Avatar #835716
Carsten Krinke
am Mittwoch, 15. Juli 2020, 15:11

Beitrag der Landwirtschaft/Fleischproduktion an den Treibhausgasen

Ich kann mich der Kritik an dem Artikel nur anschließen. Es werden Studien referenziert, die wenig bekannt sind. Ganz konkret: Vor allem zum Aspekt des Einflusses der Fleischproduktion auf den Klimawandel gibt es gute nationale und internationale seriöse Quellen wie IPCC oder das Umweltbundesamt. Eine einfache und schnelle Recherche hätte bei einzelen Aussagen ein gänzlich anderes Bild zum Einfluss der Fleischproduktion, nicht nur in Deutschland, vor allem auch in Südamerika gezeichnet. Daher sei u.a. der Link zum UBA ergänzt: https://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/beitrag-der-landwirtschaft-zu-den-treibhausgas#treibhausgas-emissionen-aus-der-landwirtschaft. Sowie zum Fleischkonsum: https://www.umweltbundesamt.de/themen/warum-fleisch-zu-billig-ist.
Gerade die Entwaldung in Südamerika wird in zahlreichen Berichten deutlich als Problem herausgearbeitet. Der IPCC-Bericht (der ebenfalls hier schon erwähnt wird), weist die Evidenz der Entwaldung zur Fleischproduktion als Treiber des Klimawandels aus. Bedauerlich daher die Veröffentlichung im DÄ. Hier sei künftig bei tendenziösen Artikeln ein unabhängiges Review empfohlen.
Avatar #687320
Nicolai Worm
am Dienstag, 14. Juli 2020, 11:20

Herdentrieb bei Tierischem

Endlich erscheint auch einmal – ganz gegen den Zeitgeist – ein Bericht über die marktpolitisch und ideologisch geprägten Hintergründe der Diskussion um Fleischkonsum, Fleischersatz und Veganismus, wie auch über die dürftige wissenschaftlichen Evidenz bezüglich der gesundheitlichen Auswirkungen eines reduzierten Fleischkonsums. Statt die pointierte Darstellung der sicherlich weithin unbekannten Hintergründe willkommen zu heißen und sich mit den genannten Fakten auseinander zu setzen, erfolgt ein Identitätsaufschrei empörter Fleischgegner und persönliche, wütende Angriffe auf den Autor. Wie könne man nur daran zweifeln, dass Fleischverzicht die Gesundheit fördern und das Weltklima retten würde?

Wenn es um Ernährung geht, verliert sich die Rationalität schnell und wenn es um „tierische“ handelt erst recht. Aber Fakt ist: Für den Gesundheitsaspekt des Fleischverzichts gibt es nur ein ganz schwache und überdies widersprüchliche und damit angreifbare Datenlage.

In der Ernährungsmedizin sollte eigentlich ein Grundsatz immer noch gelten: Wenn man von Verbrauchern fordert, ein traditionelles, beliebtes Nahrungsmittel einzuschränken, dann muss man eindeutige und starke Beweise vorlegen, dass damit auch die versprochenen Vorteile erreicht werden.

Und? Fehlanzeige – es wir dafür um so heftiger in der Evidenz-freien Zone pauschaliert. Prototypisch dafür die Einteilung in „pflanzlich“ = „gut“ und „tierisch“ = „schlecht“. Ernährungsphysiologisch ist das zwar frei von jeglichem Sinn und dennoch hat es sich über die Medien im Bewusstsein der Verbraucher festgesetzt.
Avatar #599717
Peter Schweiger
am Montag, 13. Juli 2020, 23:24

Zum Artikel: Fleischfrei, gesund und klimafreundlich essen - die Evidenz fehlt. Deutsch. Aerztblatt 117(27-28) von Johannes Scholl

Ich bedauere es sehr, dass sich das DÄ nicht zu schade ist, einen derartigen Artikel ohne Peer Review an prominenter Stelle zu veröffentlichen. Das Thema Klimaschutz und Reduktion von Treibhausgasen ist für uns alle zu relevant, als dass es an solcher Stelle unwissenschaftlich und unreflektiert behandelt werden sollte.
Die Berufsordnung der Bundesärztekammer bezieht eindeutig Stellung zur Verantwortung von Ärzten und Ärztinnen in Bezug auf die Umwelt: „ Aufgabe der Ärztinnen und Ärzte ist es, an der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen im Hinblick auf ihre Bedeutung für die Gesundheit der Menschen mitzuwirken.“
Die Klimakrise ist die grösste Bedrohung und Herausforderung für die Gesundheit der Menschheit. Sie bedroht die Lebensgrundlage aller Menschen. Nach unserer Berufsordnung ist es also unsere Pflicht als Ärztinnen und Ärzte, alles zu tun, um den Klimawandel aufzuhalten und zum Klimaschutz beizutragen.

Der Autor verkennt in diesem Zusammenhang völlig, dass die Landwirtschaft und damit auch insbesondere die industrielle Tierhaltung, einen erheblichen Einfluss auf den Treibhausgasausstoss hat, sie wird daher zu Recht im Klimaschutzplan der Bundesregierung 2050 als klimarelevanter Sektor aufgeführt. Dass andere Sektoren noch erheblich schlechter dastehen, ist in diesem Zusammenhang nicht relevant und enthebt uns nicht der Pflicht, über Klimaneutralität in der Nahrungsmittelproduktion und damit vorrangig über eine Reduktion der Nutztierbestände zu sprechen.
Dass der Präsident der dt. Akademie für Präventivmedizin in diesem Zusammenhang die Empfehlung der DGEM nicht einmal ansatzweise erwähnt, die auch unter gesundheitlichen Aspekten einen deutlich geringeren Fleischkonsum als den aktuellen Pro-Kopf-Verbrauch favorisiert, ist traurig.
Es ist bedauerlich, dass suggeriert wird, dass der durchschnittliche Veganer seinen CO2 Umsatz nur reduziert, um danach zum Shoppen nach New York zu jetten.
Der Autor lässt die unwürdigen Bedingungen für Mensch und Tier ausser acht, unter denen Fleisch aktuell produziert wird, ebenso die Einstufung von verarbeiteten Fleischprodukten als krebserregend durch die WHO 2015, die Verschmutzung des Grundwassers, die exzessive Landnutzung und natürlich auch die Resistenzprobleme, die uns die Massentierhaltung mit ihrem katastrophalem Antibiotikaverbrauch in der alltäglichen Medizin bereitet.

Die Reduktion des Fleischkonsums ist Klimaschutz, und Klimaschutz ist Prävention im besten Sinne und sollte dem Präsidenten der dt. Akademie für Prävention ein Herzensanliegen sein. Dies scheint nicht der Fall zu sein.

Ich wünsche mir eine breite Diskussion im Ärzteblatt zu diesem Thema, nicht zuletzt auch da die Klimakrise ein Schwerpunktthema auf dem nächsten Ärztetag sein wird, aber nicht auf diesem bedauerlichen Niveau.

Mit freundlichen Grüssen

Dr. med. P. Schweiger
Avatar #549282
Gudrun von der Ohe
am Montag, 13. Juli 2020, 15:39

Ernährungsmedizin mit fehlendem Wissen - nein Danke!

Schon das Foto ist ein Klischee, die Denkweise, fleischfrei heißt Fleischersatz ist ebenso ein Klischee. Wer in seinem Titel Ernährungsmedizin stehen hat, sollte wirklich besser Bescheid wissen.
Der Artikel ist einer den man eher in "Bild" erwartet hätte - nicht im Deutschen Ärzteblatt.
Dem Autor sollte seien die unten angegebenen Studien zum Lesen angeraten. Und als Ernährunggsmediziner sollte er sich das Buch "Vganklischees ade" zulegen und lesen.
Dabei ist schon eine vegetarische Ernährung fleischlos, es muss somit noch nicht einmal vegan sein.
Peinlich für das Redaktionsteamm, so einen Artikel zu veröffentlichen, Da nutzt auch der kleingedruckte Hinweis "unterliegt nicht dem Peer-Review-Verfahren" nichts.
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Heike Lemberger
am Montag, 13. Juli 2020, 09:55

aus ernährungswissenschaftlicher Sicht...

Ich möchte mich bei dem Autor für den Bericht bedanken. Das Thema Fleisch und Klimawandel wird bei den Ernährungsberatern intensiv und häufig auf eine zu emotionale Art und Weise diskutiert.
In der Beratung habe ich viele Patienten, die glauben, dass sie durch den Fleischverzicht gesünder leben und das Klima schützen. Da eindeutige Belege, für mehr Gesundheit durch eine vegetarische Ernährung fehlen, weise ich meine Patienten auf einen maßvollen Genuss von Fleisch aus biologischer Haltung hin. Fleisch hat eine hohe Nährstoffdichte (Eiweiß, gesunde Fettsäuren, Zink, Eisen etc.) und einen tollen Sättigungseffekt. Die meisten Patienten sind übergewichtig, bewegen sich kaum und bekommen von mir hypokalorische eiweißreichere und kohlenhydratreduzierte Pläne. Ich kenne keine randomisierte Studie, die zeigte, dass eine Fleischreduktion einen gesundheitlichen Vorteil bringt. Falls doch, dann freue ich mich über die Studiennennung und auf eine sachliche Diskussion.
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Meinolf.ebbers@googlemail.com
am Montag, 13. Juli 2020, 08:31

unglaublich wenig wissenschaftlich!

Auch ich komme nicht umher, mein Unverständnis und auch ein Stück Entsetzen zum Ausdruck zu bringen! Ich kann meinen Vorkommentatoren nur zustimmen - der Artikel beinhaltet keine konstruktive wissenschaftliche Diskussion, sondern ist eher populärwissenschaftlich formuliert: Es findet sich wenig kritische Auseinandersetzung mit harter Evidenz, als Stimmungsmache in so gut wie jedem Absatz. Es ist mir ein Rätsel, wie es ein solch schlechter Artikel das Peer-Review Verfahren durchlaufen konnte!
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Messer2
am Sonntag, 12. Juli 2020, 22:55

Schuster bleib bei deinen Leisten

Auch ich möchte hier mein Unverständnis zum Ausdruck bringen wie eine solcher Artikel seinen Weg in in das DÄ gefunden hat.
Die kritische Auseinandersetzung mit dem Inhalt hat schon in vorangegangenen Kommentaren stattgefunden und muss durch mich nicht ergänzt werden.
Vom Autor möchte ich mir wünschen zum Zwecke einer besseren wissenschaftlichen Auseinandersetzung das Themenfeld eines ca. 4 Seiten langen Artikels stärker einzugrenzen. Insbesondere der ökologische als auch der Tierwohlaspekt erscheinen mir sprunghaft in die Erzählung einzufließen und mehr als unvollständig gewürdigt zu sein. Quellenangaben die hinter der Paywall großer Tageszeitungen versteckt sind und Zitationen aus Sekundärquellen erschweren das Nachvollziehen der Argumente. Der Wechsel zwischen episodischen Ereignissen und fachlichen Untersuchungen/Argumenten tragen das Thema inhaltlich leider wenig voran.
Nachdem nun also das Herzkreislaufsystem einiger Kollegen ordentlich in Schwung gebracht wurde hoffe ich wenigstens der Autor profitiert im Rahmen einer handfesten Veröffentlichung die er seinem researchgate Profil und der Internetpräsenz der Deutschen Akademie für Präventivmedizin e.V. hinzufügen kann.
Dr. med. Messer
Avatar #835347
Louis_Schäfer
am Sonntag, 12. Juli 2020, 16:03

Enthält irreführende Aussagen

Zum Klimaaspekt: Die Evidenz, dass Fleischkonsum große Mengen an CO2-Äquivalent verursacht, eine enorme Fläche und große Mengen an Wasser verbraucht kann man nicht wirklich leugnen.
Somit ist die Überschrift bereits irreführend.
Der Autor bezieht sich im Artikel kaum auf den in der Überschrift angeführten Klimaaspekt und wenn dann nur um die Aussagen einzelner Personen zu widerlegen oder wegen ihres Reiseverhaltens zu diskreditieren (Wie bereits andere kommentiert haben kann man es durchaus anprangern, mit einem Privatjet zu fliegen, aber das hat mit dem Thema des Artikels einfach nichts zu tun.)

Den bereits veröffentlichten Kommentaren kann ich mich nur anschließen.
Hier noch ein paar Zahlen zum ökologischen Impact des einzelnen Nahrungsmittels:
1kg Rindfleisch verursacht durchschnittlich 13kg CO2-Äquivalente.
(Zum Vergleich: 1kg Brot: 0,7kgCO2, 1kg Kartoffeln: 0,2kgCO2, 1kg Tomaten 0,3kgCO2, 1l Benzin verbrennen: 2,35kgCO2).
Vergleicht man das ganze mit dem Nährwert (zB. gCO2/gProtein) ergibt sich kaum ein anderes Bild, auch Fisch schneidet nicht allzu gut ab. (Tilman et al. DOI:10.1038/nature13959)

Bei der Produktion eines Kilograms Rindfleisch werden ca. 16000 l Wasser verbraucht (zum Vgl. 1kg Weizen ca. 1500 l, 1 kg Kartoffeln 130 l) (Virtual Water Trade Report 2015, http://www.waterfootprint.org/Reports/Report12.pdf)

Insbesondere ist auch die Landnutzung zu nennen: Der Weltweite Bedarf an Nährstoffen wird zu ca.18% aus tierischen Nahrungsmitteln gedeckt, während die Produktion dieser 81% der genutzten Agrarfläche ausmachen. Diese intensive Landnutzung geht mit einer Verunreinigung von Wasser durch Nitrat, Übersäuerung von Böden und auch der Abholzung von Wäldern (man schaue mal nach Brasilien) einher. (Poore et al., DOI: 10.1126/science.aaq0216)

Und das sind nur einige Punkte, die lediglich den Umweltaspekt des Artikels betreffen.

Ich frage mich wie ein solcher Artikel, insbesondere in Zeiten in denen der Klimawandel ein Schwerpunktthema auf dem nächsten deutschen Ärztetag darstellen soll und der Lancet Countdown on climate change and health darlegt, wie gravierend die Auswirkungen eines weiterhin ungebremst voranschreitenden Klimawandels auf die Gesundheit sein können, offenbar ohne wirkliche Faktenprüfung im Ärzteblatt veröffentlicht werden konnte. Denn die Evidenz ist da: Der Konsum von Fleisch und den meisten anderen Tierprodukten ist schlecht für das Klima. (Godfray et al., DOI: 10.1126/science.aam5324)
Avatar #835347
Louis_Schäfer
am Sonntag, 12. Juli 2020, 15:48

Irreführender Artikel

Zum Klimaaspekt: Die Evidenz, dass Fleischkonsum große Mengen an CO2-Äquivalent verursacht, eine enorme Fläche und große Mengen an Wasser verbraucht kann man nicht leugnen.
Somit ist die Überschrift bereits irreführend.
Der Autor bezieht sich im Artikel kaum auf den in der Überschrift angeführten Klimaaspekt und wenn dann nur um die Aussagen einzelner Personen zu widerlegen oder wegen ihres Reiseverhaltens zu diskreditieren (Wie bereits andere kommentiert haben kann man es durchaus anprangern, mit einem Privatjet zu fliegen, aber das hat mit dem Thema des Artikels einfach nichts zu tun.)

Den bereits veröffentlichten Kommentaren kann ich mich nur anschließen.
Hier noch ein paar Zahlen zum ökologischen Impact des einzelnen Nahrungsmittels:
1kg Rindfleisch verursacht durchschnittlich ca. 13kg CO2-Äquivalente.
(Zum Vergleich: 1kg Brot: 0,7kgCO2, 1kg Kartoffeln: 0,2kgCO2, 1kg Tomaten 0,3kgCO2, 1l Benzin verbrennen: 2,35kgCO2).
Vergleicht man das ganze mit dem Nährwert (zB. gCO2/gProtein) ergibt sich kaum ein anderes Bild, auch Fisch schneidet nicht allzu gut ab. (Tilman et al. DOI:10.1038/nature13959)

Bei der Produktion eines Kilograms Rindfleisch werden ca. 16000 l Wasser verbraucht (zum Vgl. 1kg Weizen ca. 1500 l, 1 kg Kartoffeln 130 l) (Virtual Water Trade Report 2015, http://www.waterfootprint.org/Reports/Report12.pdf)

Insbesondere ist auch die Landnutzung zu nennen: Der Weltweite Bedarf an Nährstoffen wird zu ca.18% aus tierischen Nahrungsmitteln gedeckt, während die Produktion dieser 81% der genutzten Agrarfläche ausmachen. Diese intensive Landnutzung geht mit einer Verunreinigung von Wasser durch Nitrat, Übersäuerung von Böden und auch der Abholzung von Wäldern (man schaue mal nach Brasilien) einher. (Poore et al., DOI: 10.1126/science.aaq0216)

Und das sind nur einige Aspekte, die lediglich den Umweltaspekt des Artikels betreffen.

Ich frage mich wie ein solcher Artikel, insbesondere in Zeiten in denen der Klimawandel ein Schwerpunktthema auf dem nächsten deutschen Ärztetag darstellen soll und der Lancet Countdown on climate change and health darlegt, wie gravierend die Auswirkungen eines weiterhin ungebremst voranschreitenden Klimawandels auf die Gesundheut sein können, offenbar ohne wirkliche Faktenprüfung im Ärzteblatt veröffentlicht werden konnte. Denn die Evidenz ist da: Der Konsum von Fleisch und den meisten anderen Tierprodukten ist schlecht für das Klima. (Godfray et al.: 10.1126/science.aam5324)
Avatar #835436
Bora04
am Sonntag, 12. Juli 2020, 12:12

Ernährung und Klima

Erfreulich viele Kommentare mit sachlich-wissenschaftlichen Argumenten, die beim Autor leider Fehlanzeige sind. Wie kann ein solcher Artikel, der nicht dem Peer-Review Verfahren unterliegt, im DÄ veröffentlicht werden? Eine sehr gute Zusammenfassung bietet: Scherer er al. ,2019,One Earth 1, 349-360
Avatar #631867
Wildrose
am Samstag, 11. Juli 2020, 18:37

Unverantwortbarer Artikel

Den zahlreichen Kommentaren kann ich mich nur anschließen: Schade, dass es im Jahr 2020 ein derart offensichtlich voreingenommener Artikel noch ins Ärzteblatt schafft.
In der Absicht, pflanzenbasierte Ernährungsstile zu diskreditieren, nutzt der Autor zum Teil substanzlose Belege und Ad-Hominem-Argumente:

„Der E-Mail-Account der verantwortlichen Chefredakteurin [...] wurde von Tausenden von Mails überflutet und musste stillgelegt werden.“
Was hat diese Feststellung in einem wissenschaftlichen Artikel über die gesundheitlichen und klimatischen Auswirkungen von Fleischkonsum zu suchen? Hier handelt es sich um reine Stimmungsmache.

„Der Chef von Impossible Foods machte [...] folgende Rechnung auf [...]. Dies stellt der Klimaforscher Frank Mitloehner von der University of California in Davis mittels Klimakalkulator richtig [...]. Die Fake-News wurden mittlerweile von der Website von Impossible Foods entfernt.“
O-Ton: Weil der Chef eines Produzenten für Fleischersatzprodukte eine falsche Emissionsbilanzierung veröffentlicht hat, kann eine pflanzenbasierte Ernährung nicht klimafreundlich sein. Der Autor setzt dadurch eine pflanzenbasierte Ernährung mit dem Konsum von Ersatzprodukten gleich und kritisiert diese in der Folge als „chemisch“ und für einen erheblichen Teil der Weltbevölkerung nicht finanzierbar. Nun sind derartige Ersatzprodukte sicherlich in einigen Fällen ebensowenig gesundheitsförderlich wie das Original, der Verweis auf „chemische“ Inhaltsstoffe wie Methylcellulose als „Grundsubstanz des Tapenkleisters“ ist nichtsdestotrotz grob unsachlich angesichts der Tatsache, dass diese auch in zahllosen anderen Lebensmitteln wie Backwaren, Soßen, Fleischwaren sowie bei der Arzneimittelherstellung als Trägerstoff verwendet wird und gesundheitlich unbedenklich ist.

Am Ende des Artikels findet sich dann noch ein Kommentar über die Gründerin der EAT-Foundation, die „vermutlich mit einer noch so teuren veganen ‚Global Health Diet‘ auch eher wenig zur Rettung des Planeten [beiträgt]. Denn sie fliegt mit ihrem 20 Millionen US-Dollar teuren Privatjet jährlich etliche Male um die Welt.“
Auch wenn ein solches Flugverhalten zweifellos angeprangert werden sollte, so handelt es sich beim hämischen Kommentar des Autors dennoch um ein Ad-Hominem-Argument mit der Absicht, die von der Gründerin vertretene Ernährungsweise in ein schlechtes Licht zu rücken.

Unbestritten handelt es sich um ein kontroverses Thema mit schwer durchschaubarer Datenlage. Der Autor erweckt aber mit seinem Artikel leider den Eindruck, als habe er sich auf einem Auge blind gestellt und zielgerichtet solche Studien herangezogen, die ihn in seiner vorgefertigten Meinung bestätigen. Sicherlich lässt sich über die genauen Prozentangaben hinsichtlich der Auswirkungen des Fleischkonsums auf Klima und Gesundheit diskutieren - die karzinogene Wirkung sowie die mit Fleischkonsum einhergehenden Emissionen und der enorme Flächen- und Wasserverbrauch sind jedoch breiter wissenschaftlicher Konsens.
Angesichts dessen halte ich es für verantwortungslos, in einem Ärzteblattartikel auf ein YouTube-Video mit dem Titel „Why We Should Be Eating MORE Meat, Not Less“ zu verweisen.

Cand. med. Johannes Gaßner
Avatar #67450
luedcke
am Samstag, 11. Juli 2020, 16:40

Wer liest ist im Vorteil

Ich bin eigentlich nicht verwundert über den "Aufschrei der Ideologen" der hier einschlägt. Wenn man den Artikel unvoreingenommen liest, bleibt nur ein Credo: Die meisten Ernährungsempfehlungen basieren auf Glauben und nicht auf Evidenz. Das ist sicherlich richtig. Vielen Dank für diesen Artikel.
Avatar #65680
3107
am Freitag, 10. Juli 2020, 14:38

Verwunderliche Kommentare und Fake-News

Über manche aufgeregten Kommentare zum Fleisch-Artikel kann man sich nur sehr wundern. Man hat den Eindruck, etliche Kommentatoren wollen Aussagen lesen, die gar nicht im Artikel stehen. Beispielsweise findet sich nirgendwo, dass der Autor eine fleischarme Ernährung ablehne – dennoch wird das in den Kommentaren behauptet.
Offensichtlich fehlt es auch an Fachwissen bezüglich der Aussagekraft von Studien: Um diese Frage drehte sich ja die Debatte in den Annals of Internal Medicine und um das EAT Lancet Paper.
„Bavaria Blue“ meint, Low-Carb sei der größte Marketing-Schwindel im Gesundheitsbereich – und hat wohl die aktuellen „STANDARDS OF CARE“ der American Diabetes Association verpasst, die sich im Januar 2020 wie folgt äußern: „Reducing overall carbohydrate intake for individuals with diabetes has demonstrated the most evidence for improving glycemia and may be applied in a variety of eating patterns that meet individual needs and preferences… reducing overall carbohydrate intake with a low- or very-low-carbohydrate eating pattern is a viable option.” Schwindel? Doch wohl eher mangelndes Fachwissen bei Bavaria Blue? (Diabetes Care 2020;43(Suppl. 1):S48–S65 | https://doi.org/10.2337/dc20-S005)
“Canuto” bezieht sich auf die kanadischen Ernährungsempfehlungen 2019, die angeblich vom Fleisch abraten und pflanzenbasiert seien. Wer es nachschaut, wird sehen, dass in diesen Leitlinien als gesunde Proteinquellen mageres Fleisch, Wild, Fisch, Eier und Milchprodukte empfohlen werden. Planzenbasiert und fleischarm also? https://food-guide.canada.ca/en/healthy-eating-recommendations/make-it-a-habit-to-eat-vegetables-fruit-whole-grains-and-protein-foods/eat-protein-foods/
Und schließlich versucht Dr. J. Hein – wohl gemerkt unter der Überschrift „Polemik“ – offensichtlich ganz unpolemisch dem Autor zu unterstellen, er habe keine eigenen wissenschaftlichen Publikation vorzuweisen. Da ich selbst auf ResearchGate unterwegs bin, dem Netzwerk von Wissenschaftlern, habe ich einmal nachgeschaut und bin auf 24 Artikel von Dr. Scholl gestoßen: https://www.researchgate.net/profile/Johannes_Scholl/publications.
Offensichtlich verleitet der Eifer der Fleischgegner zu manchen Falschbehauptungen.

Avatar #835313
Christian_Schulz
am Freitag, 10. Juli 2020, 11:11

Ärztliche Ethik im Anthropozän

Lieber Herr Kollege Dr. Scholl,

vielen herzlichen Dank für den Einblick in die Gemengelage der Vertreter verschiedener Interessen in Bezug auf die Vor- bzw. Nachteile fleischfreier Ernährung. Aus unserer Sicht greift die Argumentation besonders an einer Stelle viel zu kurz und wir möchten gern einen weiteren, gerade aus präventivmedizinischer Sicht wesentlichen Aspekt ergänzen:

Entscheidend ist, dass wir global die Emissionen möglichst schnell auf Null (sic!) senken müssen, um die globale Temperaturerwärmung zu begrenzen und so den daraus resultierenden direkten und indirekten (Hunger!) gesundheitlichen Folgen vorzubeugen. Die Berufsordnung der Bundesärztekammer bezieht dazu eindeutig Stellung: "Ärzte haben eine besondere Verantwortung, an der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen im Hinblick auf ihre Bedeutung für die Gesundheit der Menschen mitzuwirken.“ Das bedeutet, dass insbesondere wir Ärzte alle unseren Beitrag leisten müssen, denn nur durch die Summe der Einzelmaßnahmen (Kleinvieh macht auch Mist) bleibt das 2°-Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens, die wahrscheinlich beste Präventionsmaßnahme des 21. Jahrhunderts, überhaupt erreichbar.

Ziel der präventiven Arbeit des Ernährungsmediziners muss es also sein, auf uns alle einzuwirken, uns gesund zu ernähren bei gleichzeitig möglichst geringem CO2-Fußabdruck. Der zurzeit immer noch leider häufig anzutreffende Reflex, die Relevanz einzelner Maßnahmen durch Vergleiche mit anderen, evtl. CO2-intensiveren Bereichen zu relativieren, ist eine verständliche Abwehrhaltung. In Bezug aber auf die Prävention und die daher aus medizinscher Sicht zu fordernde Transformation hin zu einer fossil free economy ist dieser Reflex absolut kontraproduktiv. Ob fleischfreie, vegetarische, vegane, low-carb oder proteinbasierte Ernährung am Ende ein paar Prozente Gesundheit schenken, ist in diesem Kontext vergleichsweise unerheblich.

Dr. Charlotte Lingg, PD Dr. med. Christian Schulz
________________________________________
Oberärzte
AG Klimawandel
Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin
Klinikum rechts der Isar
Technische Universität München
Avatar #672293
pantke_mathias
am Donnerstag, 9. Juli 2020, 22:25

Eine kurze Frage an den Autor

Eine kurze Frage an den Autor:
wie genau müsste eine Studie designt sein, damit sie Ihren Anforderungen an Evidenz in diesem Setting genügt?
Avatar #633180
Dr. J. Hein
am Donnerstag, 9. Juli 2020, 17:02

Pure Polemik

Es mag an Evidenz fehlen - aber mir fehlt das Verständnis, wie der Artikel von Herrn Dr. Scholl seinen Weg durch die Redaktion finden konnte. Offensichtlich lehnt der Autor eine fleischarme Ernährung ab und gibt damit die Meinung der überwiegenden Bevölkerungsmehrheit wieder, die 2019 durchschnittlich 60 kg Fleisch pro Kopf verzehrte. Er greift Studien an, die eine Risikosteigerung für kardiovaskuläre Erkrankungen durch einen höheren Verzehr von rotem Fleisch nahelegen. Dazu führt er jedoch keine Argumente an, sondern schreibt einfach, "dass ein relatives Risko von 1,03 [...] schlicht nichts bedeutet". Das ist eine gewagte Aussage für eine Studie, in die insgesamt fast 30.000 Patientinnen und Patienten eingeschlossen werden konnte.

Wiederholt lehnt er wissenschaftlicher Ergebnisse mit Floskeln ab, etwas sei "zur Genüge belegt", ohne dass Dr. Scholl hierfür auch nur eine Literaturstelle anführen würde. Merkwürdig sind auch Aussagen wie "Die Ernährungsepidemiologie hat über Jahrzehnte die Ernährungsleitlinien dominiert, obwohl es schon lange Kritik an der Qualität der Daten und ihrer Analysen gibt." Warum belegt der Autor solche starken Aussagen nicht mit Quellen, was wären seine Verbesserungsvorschläge? Oder war es wissenschaftlicher Konsens verschiedener Forscher, epidemiologische Daten stark zu berücksichtigen? Angesichts der vehementen Kritik an wissenschaftlichen Studien verwundert es, dass Herr Dr. Scholl keine eigenen Publikationen vorzuweisen hat.

Um die angeblich verzerrten Angaben zur Klimaschädlichkeit des Fleisches zu widerlegen, zitiert der Autor einen Werbespruch der Fleischindustrie von 1967 - selbst die Agentur, die diesen Slogan in die Welt gesetzt hat, ist seit mehr als 10 Jahren aufgrund eines Gerichtsurteils aufgelöst. Um nachfolgend zu belegen, wie wenig schädlich der Fleischkonsum ist, vergleicht Dr. Scholl die daraus resultierenden Treibhausgas-Emissionen mit dem Verkehr und der Industrie. Doch auch in diesen Gebieten wird intensiv an einer Reduktion des CO2-Ausstoßes geforscht, für die Ernährung bestünde ein solcher Schritt sicher in einer Reduktion des Fleischkonsums.

Dr. Scholl ist offensichtlich begeisterter Fleischesser und engagiert in seiner Ablehnung einer pflanzenbasierten Ernährung. Dies steht ihm frei. Dass eine solch haltlose und unwissenschaftliche Polemik seitenweise im Deutschen Ärzteblatt abgedruckt wird, ist bedenklich.
Avatar #667004
C. Schröder
am Mittwoch, 8. Juli 2020, 21:55

Immer die alten Klischees

Schade, dass auch hier die vegane Ernährung wieder auf das Essen von teuren Fleischersatzprodukten reduziert wird. Das ist nicht dass, was eine pflanzenbasierte Ernährung ausmacht. Es ist mit etwas Hintergrundwissen (ja, Vit B12 z. B.) ohne weiteres möglich, sich ohne diese Produkte vegan und preisgünstig zu ernähren. Es ist doch vielmehr so, dass der Mensch Fleisch essen kann aber nicht muss.
Da im Artikel die sog. artgerechte Tierhaltung angesprochen wurde, ein paar Worte dazu: Die "artgerechte" Haltung ist leider oftmals eine Illusion. Selbst die ca. 3 Prozent der in ökologischer Landwirtschaft gehaltenen Tiere in Deutschland kann ihren natürlichen Bedürfnissen nur bedingt nachgehen. Auch hier werden z. B. männliche Küken nach dem Schlüpfen "entsorgt", um nur einen Aspekt zu nennen.
Wie die Schlachmethoden sind, haben wir in den letzten Tagen zur Genüge in den Medien gesehen. Das alles ist schon lange bekannt.
Wenn es um Themen wie das Klima geht, sollten doch auch Aspekte wie der immense Ressourcenverbrauch an z. B. Wasser (je nach Quelle etwa das Vierzehnfache im Vergleich zu Soja) und an Ackerland in der "Fleischproduktion" im Vergleich zu pflanzlicher Kost erwähnt werden. Vor allem ist die rein pflanzliche Ernährung eine ethische Frage. Auch das Biotier wird nach einem kurzen Leben geschlachtet. Ja auch der Löwe tötet die Gazelle. Aber der Löwe kann nicht anders. Und der wirft auch nicht ein Drittel seiner Nahrung auf den Müll.
Unser Ernährungsverhalten wird weitestgehend von der Werbung und den Lobbyisten der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelindustrie bestimmt, kaum von wissenschaftlichen Erkenntnissen oder ethischen Überlegungen.
Und nicht zuletzt führt eine Fleischreduktion auch zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen und dadurch auch der Gesundheit von Menschen, sei es in den Ländern, wo Land und Wasser wegen der intensivierten Landwirtschaft knapp werden oder sei es in deutschen Schlachtbetrieben mit den menschenverachtenden Arbeitsbedingungen.
Avatar #101624
canuto
am Mittwoch, 8. Juli 2020, 21:34

Grundbehauptungen des Autors nicht haltbar gegenüber der international konsentierten Evidenz und der notwendigen konsequenzen zu einer Ernährungswende

Die Behauptungen des Autors zum scheinbar unwesentlichen Anteil der Treibhausgasemissionen durch Agrarproduktion sind abenteuerlich und nicht haltbar . Die von ihm zugrundeliegende Quelle der US-Umweltbehörde EPA zitiert er nur nur zu dem relativen Anteil (9,3%) in den USA in einem hoch-industrialisierten Land bei gleichzeitig sehr hohem ökologischen Pro-Kopf-Abdruck. Allein die in dem EPA-Bericht aufgeführten absoluten Werte für die Agrarindustrie in den USA 2018 betragen 618,5 Mt CO2-Equivalent pro Jahr (zum Vergleich: Deutschland insgesamt 805 Mt). Global gesehen hat der Weltklimarat als von der UN und allen Vertragsparteien der Weltklimaverhandlungen autorisiertes Expertenteam aus mehr als 90 Ländern, welches die wissenschaftliche Evidenz sichtet , konsentiert und in Reports darstellt , in seinem kürzlichen Special Report "Climate Change and Land" festgestellt, dass bei Betrachtung aller Prä- und Post-Produktionsaktivitäten das globale Food-System für 21-37% aller Netto-Treibhausgasemissionen verantwortlich ist, (12,0 +/-2,9 Gt jährlich) und davon 5,3 Gt +/-1,6Gt und dabei wieder die Rinderhaltung entfallen.
Da eine weltweite Klimaneutralität erst erreicht ist bei einer Reduktion der globalen Emissionen auf ein CO2-Äquivalent von 1,5 Gt pro Jahr und das CO2-Budget bis zu einem Überschreiten einer Erderwärmung von 1,5 Grad Celsius ca. 2035 aufgebraucht ist, kann jede/r ersehen, dass ohne Ernährungswende und Agrarwende dieses Ziel nicht erreicht werden kann. Aus diesem Grunde sind umfangreiche staatliche und wirtschaftliche Initiativen und Investitionen erforderlich, die ebenfalls die Ernährungsgerechtigkeit weltweit verfolgen und die Unterernährung von fast 900 Mio. Menschen beseitigen sowie der Überernährung begegnen. Wer meint, andere Zahlen und Interpretationen zur Begründung seiner Thesen anführen zu können, steht gegen die geballte globale wissenschaftliche konsentierte Expertise. Der Autor weist ebenfalls auf die EpiX-Studie hin, die der EAT-Lancet-Commission statistische Fehler und Intransparenz vorhielt, und verschweigt, dass die Leit-Autoren Walter Willet und Johan Rockström von EAT diese Vorhaltungen begründet zurückgewiesen haben unter Verweis auf die Veröffentlichungen aller 3 statistischen Methoden, der Grundlagen und der Berechnungsmodelle. Auch zu den Veröffentlichungen in den "Annals of Internal Medicine" zu Fleischkonsum und Gesundheit , auf die der Autor sich bezieht ,gab es ausführliche Repliken . Die kanadische Regierung hat ihre offiziellen Ernährungsempfehlungen 2019 auf eine pflanzenbasierte vielfältige Ernährung umgestellt aufgrund der vorliegenden Evidenz u.a. aufgrund eines Reports des American Institute for Cancer Research.
Ein Bündnis von Millionenstädten weltweit (C40: 40 Cities) hat im September 2019 in Kopenhagen eine "Good Food Declaration" verabschiedet, die u.a. Paris, London,Kopenhagen,Amsterdam,Stockholm, Mailand und Barcelona in Europa durch ihre Bürgermeister*innen gezeichnet haben. Dieses Bündnis von Megastädten strebt in aktiven Maßnahmen zur Verkehrs-,Energie- und Ernährungswende ein erreichen des 1,5-Grad-Zieles nach dem Paris-Abkommen an. In der "Good Food Declaration" heißt es: "
Städte, die sich zu dieser Erklärung verpflichten, werden mit den Bürgern zusammenarbeiten, um bis 2030 eine „Planetary HealthDiet“ für alle zu erreichen, mit ausgewogenem und nahrhaftem Essen, das die Kultur, Geographie und Demographie ihrer Bürger widerspiegelt." Zu den Maßnahmen gehören ebenfalls eine Zusammenarbeit mit der Gastronomie, mit allen Bildungseinrichtungen , Meinungsführern und Maßnahmen zur Minimierung von Lebensmittelabfällen, die einen hohen Anteil an klimaschädlichen Wirkungen haben. Ebenfalls werden die Lebensmittelproduktion und die Transportwege im Umland bewertet und herangezogen. Das Food-System dieser Metropolen wird umgebaut aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse hinsichtlich der Bedeutung und in der Verknüpfung von aktiven Maßnahmen gegen den Klimawandel und Gesundheit.
Avatar #815203
John Dorian
am Mittwoch, 8. Juli 2020, 19:13

Eindimensionale Betrachtung eines komplexen Sachverhalts

Ernährung sollte als Komplettpaket beleuchtet werden und nicht nur die einzelnen Bauteile. Wer Fleisch ist, konsumiert mit Sicherheit auch weitere Nahrungsmittel tierischen Ursprungs. Unterm Strich ist ja die Frage ob eine fleischhaltige, vegetarische oder vegane Ernährung Vorteile bietet.

Zum Thema Gesundheit:
- Warum wurde der Aspekt der Krebserkrankungen überhaupt nicht beleuchtet? Die WHO stuft rotes Fleisch als Klasse 2a-Karzinogen (wie auch Acrylamid und Glyphosphat) und prozessiertes Fleisch sogar als Klasse 1-Karzinogen (wie auch Tabakrauch!) ein.
- Das Framing "Methylzellulose, die Grundsubstanz von Tapetenkleister" ist völlig unsachlich und für mich Ausdruck einer unprofessionellen Ausdrucksweise. Methylzellulose kommt auch in vielen tierischen Lebensmitteln vor wie z.B. Wurst, Mayonnaise, Süßwaren, Gebäck etc. Sie ist also keineswegs ein Stoff, der nur in veganen Ersatzprodukten vorkommt. Außerdem ist bisher keine gesundheitsschädliche Wirkung bekannt. Die "umfangreiche chemische Zutatenliste" (von der der Autor aber nur Methylzellulose nennt) ist ein Vorurteil, welches vielleicht für vereinzelte Ersatzprodukte zutrifft, so wie sie auch für tierische Nahrungsprodukte zutrifft, keineswegs ist das aber bei allen Produkten so, wie die Aussage vermuten lässt. Ein Blick im Supermarkt auf die Zutatenliste würde hier schon ausreichen. Bitte besser recherchieren! Was ist zudem mit den Dioxin, Schwermetalle und Antibiotika, die in Tierprodukten vorhanden sind? Kein Wort darüber.
- Das Thema der Antibiotikaresistenzen fehlt komplett im Zusammenhang mit Tierhaltung.
- Eine rein pflanzliche Ernährung ist problemlos ohne Ersatzprodukte möglich und empfehlenswert.
- Gibt es einen Zusammenhang zwischen Schwein-, Vogelgrippe und SARS COV 2, der möglicherweise mit der Haltung von Tieren assoziiert ist?

Zum Thema Umwelt:
- Hier wurde wieder nur der Blick auf rotes Fleisch gerichtet. Butter z.B. ist wesentlich klimaschädlicher, als Fleisch.
- Die Tierproduktion verbraucht enorme Mengen an Wasser.
- Die größte Ackerfläche/Regenwaldfläche (=Regenwaldrodung) geht aufs Konto der Tierproduktion. Würden wir die Pflanzen direkt selbst essen, ohne Umweg übers Tier, ließen sich hier große Flächen einsparen, die wiederum der Aufforstung etc. dienen könnte.
- Fleischersatzprodukte haben eine deutlich bessere Umweltbilanz: https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/fleischersatz-auf-pflanzenbasis-bester-umweltbilanz

Diskussion mit dem Autor:
- "Wenn die Qualität und die Zubereitungsmethode beachtet werden, ist Fleisch ein gesundes Lebensmittel." Gibts dazu eine Quelle? Woher wissen Sie, dass es "gesund" ist Fleisch zu essen? Anscheinend ist es ja laut Ihnen kaum möglich derartige Studien durchzuführen.
- "Dass fleischfrei essen gesund ist und dem Klima nützt, müsste jedoch erst noch substanziiert werden." Sie unterstellen aber "dass Menschen, die sich gesund ernähren, auch sonst gesund leben" bezogen auf die Studien mit veganer Essgewohnheit. Also ist das unterm Strich doch irgendwie gesund, oder wie jetzt? Bezogen aufs Klima würde es auch nützen, wenn man nicht nur das Fleisch betrachtet und alles andere darum herum auch mit einbezieht.
- Würden Sie einen Artkiel über kardiovaskuläre Erkrankungen schreiben könnten Sie auch nicht nur auf den Risikofaktor Diabetes eingehen und alles andere ausblenden. Bitte mehr Weitsicht!


Avatar #835131
Dr.Raffauf
am Mittwoch, 8. Juli 2020, 13:33

Ernährung als Kreislaufwirtschaft statt Privatjets fürs Klima

Der Aufsatz des FAO-Direktors Henning Steinfeld "Lifestock's long shadow" von 2006 wird bis heute allerorts, auch von EAT-Lancet als zentrales Argument der Klimaschädlichkeit der Fleischproduktion herangezogen. (s.a. Kommentar von BavariaBlue)
Dabei hat sich Steinfeld längst selbst korrigiert: "The pitfalls of simplification when looking at greenhouse gas emissions from livestock" https://news.trust.org/item/20180918083629-d2wf0
Das Interesse der Lebensmittelindustrie am Ersatz von Tier- durch Pflanzenprodukte, sehr schön aufgezeigt am Beispiel der FReSH-Initiative scheint jedenfalls nachvollziehbar. Sind diese - jedenfalls im industriellen Maßstab - doch eindeutig kostengünstiger zu produzieren. Wenn die Menschheit erfolgreich in Pflanzen- und Tierverzehrer dividiert werden kann, leidet die lokale Kreislaufwirtschaft als Grundlage für nachhaltige Pflanzen- und Tierproduktion, nicht nur, aber besonders in Entwicklungsländern.
Avatar #815203
John Dorian
am Mittwoch, 8. Juli 2020, 11:56

undifferenziert und kurzsichtig

Ernährung sollte als Komplettpaket beleuchtet werden und nicht nur die einzelnen Bauteile. Wer Fleisch ist, konsumiert mit sicherheit auch weitere Nahrungsmittel tierischen Ursprungs. Unterm Strich ist ja die Frage ob eine fleischhaltige, vegetarische oder vegane Ernährung Vorteile bietet.

Zum Thema Gesundheit:
- Warum wurde der Aspekt der Krebserkrankungen überhaupt nicht beleuchtet? Die WHO stuft rotes Fleisch als Klasse 2a-Karzinogen (wie auch Acrylamid und Glyphosphat) und prozessiertes Fleisch sogar als Klasse 1-Karzinogen (wie auch Tabakrauch!) ein.
- Das Framing "Methylzellulose, die Grundsubstanz von Tapetenkleister" ist völlig unsachlich und für mich Ausdruck einer unprofessionellen Ausdrucksweise. Methylzellulose kommt auch in vielen tierischen Lebensmitteln vor wie z.B. Wurst, Mayonnaise, Süßwaren, Gebäck etc. Sie ist also keineswegs ein Stoff, der nur in veganen Ersatzprodukten vorkommt. Außerdem ist bisher keine gesundheitschädliche Wirkung bekannt. Die "umfangreichen chemischen Zutatenliste" (von der der Autor aber nur Methylzellulose nennt) ist ein Vorurteil, welches vielleicht für vereinzelte Ersatzprodukte zutrifft, so wie sie auch für tierische Nahrungsprodukte zutrifft, keineswegs ist das aber bei allen Produkten so, wie die Aussage vermuten lässt. Ein Blick im Supermarkt auf die Zutatenliste würde hier schon ausreichen. Bitte besser recherchieren! Was ist zudem mit den Dioxin, Schwermetalle und Antibiotika, die in Tierprodukten vorhanden sind. Kein Wort darüber.
- Das Thema der Antibiotikaresistenzen fehlt komplett.
- Eine rein pflanzliche Ernährung ist problemlos ohne Ersatzprodukte möglich und empfehlenswert.
- Gibt es einen Zusammenhang zwischen Schwein-, Vogelgrippe und SARS COV 2?

Zum Thema Umwelt:
- Hier wurde wieder nur der Blick auf rotes Fleisch gerichtet. Butter z.B. ist wesentlich klimaschädlicher, als Fleisch.
- Die Tierproduktion verbraucht enorme Mengen an Wasser.
- Die größte Ackerfläche/Regenwaldfläche (=Regenwaldrodung) geht aufs Konto der Tierproduktion. Würden wir die Pflanzen direkt selbst essen, ohne Umweg übers Tier, liesen sich hier große Mengen an Fläche einsparen, die wiederum der Aufforstung etc. dienen könnte.
- Felischersatzprodukte haben eine deutlich bessere Umweltbilanz: https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/fleischersatz-auf-pflanzenbasis-bester-umweltbilanz

Diskussion mit dem Autor:
- "Wenn die Qualität und die Zubereitungsmethode beachtet werden, ist Fleisch ein gesundes Lebensmittel." Gibts dazu eine Quelle? Woher wissen Sie, dass es "gesund" ist Fleisch zu essen?
- "Dass fleischfrei essen gesund ist und dem Klima nützt, müsste jedoch erst noch substanziiert werden."
Sie unterstellen aber "dass Menschen, die sich gesund ernähren, auch sonst gesund leben" bezogen auf die Studien mit veganer Essgewohnheit. Also ist das unterm Strich doch irgendwie gesund, oder wie jetzt? Bezogen aufs Klima würde es auch nützen, wenn man nicht nur das Fleisch betrachtet und alles andere darum herum auch mit einbezieht.
- Würden Sie einen Artkiel über kardiovaskuläre Erkrankungen schreiben könnten Sie auch nicht nur auf den Risikofaktor Diabetes eingehen und alles andere ausblenden. Bitte mehr Weitsicht!


Avatar #834998
BavariaBlue
am Dienstag, 7. Juli 2020, 10:14

Zu einseitig!

"Nicht umsonst gilt die Kohlenhydratreduktion – „low carb“ – vielen Experten als Meilenstein im Hinblick auf eine gesunde Ernährung."

Low-Carb Werbung ohne Kennzeichnung etwaiger evidenzbasierter Quellen - eines Ärzteblattes unwürdig.

Imho ist low-carb der größte Marketing-Schwindel im Gesundheitsbereich der 2010er (und 2020er) Jahre.

Weitere fatale Fehler im Artikel:
- (unbewusste) Annahme, dass Vegetarier/Veganer auf Ersatzprodukte angewiesen sind ("Milliarden-Investitionen"; "Chemikalien-Rückstände" "Zucker, Softdrinks und sämtliche stärkereichen Weißmehlprodukte" etc.) --> nahezu jeder Non-Omni (und Omni) weiß, dass Fertigprodukte nur an der Spitze der Ernährungspyramide stehen.
- Annahme, dass ausschließlich "pro-vegetarische" Studien methodische / statistische Schwächen aufweisen, während wohl von einer Gleichverteilung auszugehen ist (Bsp.: genannte Studie mit 20% Fleischreduktion, imho methodisch fragwürdig).
- Interessenskonflikt der "pro-omni" Studien wird genannt, aber als irrelevant abgestempelt
- ausweichende Argumentation bei der Bemessung v. CO2-Asstoß (Trugschluss 1: "weniger Fleisch, als Ausgleich öfters Fliegen"; Trugschluss 2: Deutschland hat "keine/mindere Verantwortung")

Am Ende gibt es noch eine Quelle zur Analyse der CO2 Emissionen v. Livestock (spoiler: reduce meat consumption!):
Steinfeld, Henning, et al. Livestock's long shadow: environmental issues and options. Food & Agriculture Org., 2006.
Avatar #762833
Dr. med. Sebastian Göbel
am Montag, 6. Juli 2020, 20:43

Sehr einseitige Darstellung

Das Thema wurde auf diese Weise bereits vor Monaten bedient und ähnelt in der Berichterstattung einer gewissen Dramaturgie... schade, dass das Ärzteblatt nicht etwas mehr auswählt, inwiefern ein Artikel fundiert und mit Hintergrund berichtet.

Bitte für weitere Hintergründe und zur Ergänzung des Berichteten ebenfalls die Artikel von Prof. Smollich in der Zeit:
https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2019-10/gesunde-ernaehrung-rotes-fleisch-krebs-gesundheit-studie

und vom Blogger graslutscher
https://graslutscher.de/wie-die-frankfurter-allgemeine-sonntagszeitung-im-jahr-2019-zu-mehr-fleischkonsum-aufruft/

lesen. Danke.
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