ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2020Inhalation und Inkorporation von Desinfektionsmittel als COVID-19-Mimic
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Initiale Computertomografie des Thorax in axialer Schichtung mit flächigen, perihilären Milchglasinfiltraten der apikalen Lungenabschnitte mit teils konsolidierten Arealen als Zeichen einer akuten Lungenschädigung („Acute Lung Injury“, [ALI]), im Gegensatz zu den für COVID-19 typischen, eher disseminierten, peripher subpleural und basal betonten Milchglasinfiltraten.
Abbildung
Initiale Computertomografie des Thorax in axialer Schichtung mit flächigen, perihilären Milchglasinfiltraten der apikalen Lungenabschnitte mit teils konsolidierten Arealen als Zeichen einer akuten Lungenschädigung („Acute Lung Injury“, [ALI]), im Gegensatz zu den für COVID-19 typischen, eher disseminierten, peripher subpleural und basal betonten Milchglasinfiltraten.

Die abgebildete Computertomografie des Thorax stammt von einem Patienten mit Wesensänderung, Agitation und Dyspnoe sowie febrilen Temperaturen, der rasch aufgrund einer respiratorischen Globalinsuffizienz reanimationspflichtig wurde. Initial wurde eine SARS-CoV-2 Infektion vermutet, bildgebend zeigt sich eine akute Lungenschädigung mit flächigen perihilären Milchglasinfiltraten der apikalen Lungenabschnitte mit teils konsolidierten Arealen, im Gegensatz zu den für COVID-19 typischen, eher disseminierten, peripher subpleural und basal betonten Milchglasinfiltraten (Abbildung). Im Verlauf entwickelte sich ein „Acute Respiratory Distress Syndrome“, die SARS-CoV-2-PCR-Diagnostik verblieb negativ. Retrospektiv war zu erheben, dass der Patient im Rahmen einer psychotischen Episode aus Angst an SARS-CoV-2 zu versterben, ein chlorhaltiges Aerosol-Spray inhaliert und Desinfektionsmittel getrunken hatte, um seinen Körper zu säubern. Letztlich muss somit von einem primär inhalativ-toxischen Lungenschaden ausgegangen werden. Nach Extubation zeigte sich lediglich ein leichter zentraler Tremor, welcher bei passendem bildgebendem Befund auf eine hypoxische Basalganglienschädigung zurückgeführt wurde. Der Fall unterstreicht den differenzialdiagnostischen Nutzen einer frühen Bildgebung des Thorax mithilfe der Computertomografie bei klinischem COVID-19-Verdacht.

Dr. med. Laurent Maximilian Willems MHBA, Klinikum der Goethe-Universität Frankfurt, Zentrum für Neurologie und Neurochirurgie, Klinik für Neurologie, Epilepsiezentrum Frankfurt Rhein-Main, Frankfurt am Main, laurent.willems@kgu.de

Patrick Felix Samp, Klinikum der Goethe-Universität Frankfurt, Zentrum der Radiologie, Institut für Neuroradiologie, Frankfurt am Main

Prof. Dr. med. Waltraud Pfeilschifter, Klinikum der Goethe-Universität Frankfurt, Zentrum für Neurologie und Neurochirurgie, Frankfurt am Main

Interessenkonflikt: Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Zitierweise: Willems LM, Samp PF, Pfeilschifter W: Inhalation and ingestion of disinfectant as a mimic of COVID-19 infection. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 499. DOI: 10.3238/arztebl.2020.0499

Dieser Beitrag erschien online am 2. 7. 2020 (online first) auf www.aerzteblatt.de

►Vergrößerte Abbildung und englische Übersetzung unter: www.aerzteblatt.de

Initiale Computertomografie des Thorax in axialer Schichtung mit flächigen, perihilären Milchglasinfiltraten der apikalen Lungenabschnitte mit teils konsolidierten Arealen als Zeichen einer akuten Lungenschädigung („Acute Lung Injury“, [ALI]), im Gegensatz zu den für COVID-19 typischen, eher disseminierten, peripher subpleural und basal betonten Milchglasinfiltraten.
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Initiale Computertomografie des Thorax in axialer Schichtung mit flächigen, perihilären Milchglasinfiltraten der apikalen Lungenabschnitte mit teils konsolidierten Arealen als Zeichen einer akuten Lungenschädigung („Acute Lung Injury“, [ALI]), im Gegensatz zu den für COVID-19 typischen, eher disseminierten, peripher subpleural und basal betonten Milchglasinfiltraten.

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