ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2020Reform der Krankenhauslandschaft: Corona setzt neue Akzente

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Reform der Krankenhauslandschaft: Corona setzt neue Akzente

Osterloh, Falk

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Schon vor der Coronapandemie war klar, dass der stationäre Sektor umstrukturiert werden muss. Im Lichte der aktuellen Ereignisse verschiebt sich jedoch der Fokus: Der Vorhaltung von Kapazitäten wird nun eine größere Bedeutung beigemessen.

Die hohe Zahl der Intensivbetten in Deutschland ist in der Pandemie ein Vorteil. Foto: picture alliance/dpa/MAXPPP Pierre Destrade
Die hohe Zahl der Intensivbetten in Deutschland ist in der Pandemie ein Vorteil. Foto: picture alliance/dpa/MAXPPP Pierre Destrade

Eigentlich stand das Jahr 2020 für die Akteure des stationären Sektors ganz im Zeichen des neuen Pflegebudgets – also der Herausnahme der Pflegekosten aus den Fallpauschalen. Auch auf weitere Krankenhausinsolvenzen und einen – weitgehend ungeordneten – Strukturwandel der Krankenhauslandschaft hatte man sich eingestellt. Doch die Zeichen haben sich schlagartig geändert. Eine Neuordnung der Krankenhauslandschaft ist nun nur noch unter dem Eindruck der Coronapandemie denkbar.

Lauter werden vor diesem Hintergrund die Stimmen, die eine
Modifizierung des DRG-Systems fordern. „Wir müssen immer einen gewissen Überhang an Kapazitäten vorhalten und natürlich auch finanzieren, um auf Krisen angemessen reagieren zu können“, betonte zum Beispiel der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Dr. med. (I) Klaus Reinhardt, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Es sei wie bei der Feuerwehr: „Sie kostet Geld, auch wenn sie nicht im Einsatz ist. Aber wenn es brennt, ist sie schnell da.“ Einem Abbau von Kapazitäten oder Personal erteilte er dabei eine Absage.

Richtige Balance finden

Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) forderte, dass die Erkenntnisse der vergangenen Monate in die Strukturdebatte einfließen müssten. „Der Abbau von nachweisbar nicht bedarfsnotwendigen Kapazitäten, Standortzusammenführungen und im konkreten Einzelfall auch Standortschließungen ist ebenso Teil dieser Strukturentwicklungen wie der Erhalt, die Stärkung und die sektorenübergreifende Weiterentwicklung von Standorten in Regionen mit Versorgungsdefiziten“, erklärte DKG-Präsident Dr. rer. pol. Gerald Gaß. „Wir müssen die richtige Balance bei den Zielen Qualität, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit finden.“ Der Aspekt der Versorgungssicherheit sei nach der Pandemie sicher neu zu gewichten. „Die dezentralen, nach Versorgungsaufgaben gestuften Kran­ken­haus­struk­tu­ren haben sich in der Krise als flexibel und leistungsfähig erwiesen“, so Gaß. „Darauf wollen wir aufbauen.“ Das Leitbild seien regionale, sektorenübergreifende Versorgungsnetzwerke mit den Krankenhäusern als Fixpunkten.

In diese Richtung denkt auch Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU). „Es muss Maximalversorger geben mit klar definierten Aufgaben, auch für den Fall einer Pandemie, und drumherum in der Fläche ein aufeinander abgestimmtes Angebot. Es kann nicht mehr jedes Krankenhaus alles machen“, sagte Spahn der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft.

„Mehr Geld ausgeben“

Als eines der Hauptprobleme benennt die Deutsche Krankenhausgesellschaft die Investitionsfinanzierung durch die Bundesländer. Auch Reinhardt betonte, dass die Investitionsfinanzierung in den vergangenen Jahren völlig unzureichend gewesen sei. Als ein Vertreter der Bundesländer hatte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bereits im Mai gefordert: „Wir müssen generell bereit sein, mehr Geld auszugeben für Gesundheit.“ Dabei stelle sich allerdings die Frage, welche Betten wie finanziert werden sollten.

Klar ist, dass die Umstrukturierung des stationären Sektors unter dem Eindruck der Pandemie weiter voranschreiten wird – in welche Richtung ist derzeit noch unklar. Das Deutsche Ärzteblatt hat vier Gesundheitsökonominnen und -ökonomen danach gefragt, wie die stationäre Versorgung in Deutschland ihrer Ansicht nach neu geordnet werden sollte. Auf der folgenden Doppelseite sind die Antworten zusammengefasst. Falk Osterloh

Die vollständigen Interviews im Internet: http://daebl.de/LE31
oder über QR-Code.

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