ArchivDeutsches Ärzteblatt27/1996Saccharomyces boulardii: Schnellere Heilung bei Diarrhoe

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

Saccharomyces boulardii: Schnellere Heilung bei Diarrhoe

Stoschek, Jürgen

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Stimulierung des mikrobiellen Stoffwechsels im Dickdarm durch Saccharomyces boulardii könnte aus pharmakologischer Sicht die Wirksamkeit der Hefe bei Antibiotika-assoziierten Diarrhoen erklären. Als eine Ursache der Antibiotika-assoziierten Diarrhoe kommt eine Störung bei der Bildung kurzkettiger Fettsäuren (SCFA) im Kolon in Frage, erläuterte Dr. Hasso Holst (Lüdinghausen) bei der "7. Expertenrunde Darm­er­krank­ungen" in Garmisch-Partenkirchen, die von Thiemann Arzneimittel unterstützt wurde. Kurzkettige Fettsäuren entstehen im Dickdarm, wenn Ballaststoffe von der Mikroflora metabolisiert werden. Kommt es zu einer Störung der mikrobiellen SCFA-Produktion, wird die Elektrolyt- und Wasseraufnahme im Kolon reduziert. Der Wasserverlust tritt in Form einer Diarrhoe auf.

Pathogenes Keimwachstum
In einem Simulationsverfahren des Stoffwechsels der Kolonflora, bei dem der Dickdarminhalt von Schweinen verwendet wurde, hatte Holst durch den Zusatz von Clindamycin die SCFA-Produktion um 25 bis 80 Prozent vermindert. Nach der Gabe von Saccharomyces boulardii erhöhte sich die SCFA-Bildung um 50 bis 100 Prozent und erreicht wieder den Ausgangswert, berichtete Holst.
Antibiotika-assoziierte Diarrhoen treten etwa bei jedem fünften der betreffenden Patienten entweder als osmotische oder als sekretorische Diarrhoe auf, berichtete Prof. Bernhard Lembcke (Frankfurt). Die Antibiotika zerstören Teile der normalen Darmflora. Dadurch könne es zu einem Wachstum pathogener Keime kommen, wozu auch Clostridium difficile gehört. Die Clostridium-difficile-Toxin-induzierte Kolitis sei zwar selten, im Vollbild als pseudomembranöse Kolitis jedoch praktisch unverwechselbar. Einerseits sei die pseudomembranöse Kolitis zwar eine typische nosokomiale Infektion, trete andererseits häufig aber auch im ambulanten Bereich auf.
Prinzipiell ist jedes Antibiotikum in der Lage, eine pseudomembranöse Kolitis hervorzurufen. Die wichtigsten sind Ampicillin/Amoxicillin, Clindamycin und Cefalosporine. Eine Clostridium-difficile-Toxin-induzierte Kolitis werde endoskopisch oder durch Toxin- und Erregernachweis eindeutig klassifiziert, so Lembcke. Die Therapie bestehe im Absetzen der auslösenden Medikation und oraler, gegebenenfalls zusätzlich rektaler Gabe von Vancomycin oder alternativ Metronidazol. Durch die Gabe von Saccharomyces boulardii (Perenterol®) könne die Zahl der Rezidive oder Reinfektionen deutlich vermindert werden.
Laut Dr. Guy Damm (Paris) hat eine Doppelblindstudie in Mexiko bei Kindern von drei bis acht Monaten mit schweren Diarrhoen unter der Gabe von Saccharomyces boulardii im Vergleich zur alleinigen oralen Rehydratation eine signifikant höhere Heilungsquote gezeigt. In Brasilien seien 70 Prozent von 3 500 befragten Ärzten der Meinung, bei Durchfall werde die schnellste Heilung durch die Therapie mit Saccharomyces boulardii neben der oralen Rehydratation erzielt. Jürgen Stoschek

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote