ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinReisemagazin 1/2000Südtürkei: Bazare, Berge und ein „blaues Auge“

Supplement: Reisemagazin

Südtürkei: Bazare, Berge und ein „blaues Auge“

Dtsch Arztebl 2000; 97(10): [4]

Amann, Erika

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LNSLNS Ohne "blaues Auge" geht es bei einem Türkei-Urlaub nicht ab. Dazu ist kein Streit nötig - im Gegenteil: Es handelt sich immer um ein Geschenk der Sympathie. Das "nzar boncugü" - so heißt das blaue Auge auf türkisch - ist seit Jahrhunderten ein Glücksbringer für die Türken, der auch alle bösen Geister abwehrt.
Typisch Tourist im Kauffieber, heimste ich meinen goldgerahmten Beschützer aus Glas als Dankeschön für das Einkaufsschnäppchen auf dem eleganten Atatürk-Boulevard ein. Auf Antalyas nobelster Einkaufsmeile, dort, wo sich Schaufenster an Schaufenster reiht, mit feinsten türkischen Strick- und Leder-Ensembles, eleganten Schuhen und Maßgeschneidertem, warten die Verkäufer auf Kundschaft.
Bei einem Glas süßem Cay (schwarzem Tee) wird von den ohnehin niedrigen Preisen noch ein Rabatt ausgehandelt. In der schnell wachsenden Halbmillionenstadt gehen die Uhren anders als an der rund 500 Kilometer langen Südküste und im ländlichen Hinterland. Wild schießen in den Vororten
immer neue Riesenblocks mit Eigentumswohnungen in die Höhe. Die Infrastruktur hinkt oft hinterher. Kopftuch und Pluderhose sieht man in der City nur noch selten. Im Mini, die schwarze Lockenpracht fast genauso lang wie der Rock, stöckeln die jungen Suleikas und Aishes zum Einkaufen. Einen Katzensprung vom Atatürk-Boulevard entfernt faszinieren die Götter-Statuen aus hellenistischer und römischer Zeit im Museum. Hinter Kaiser Hadrians eindrucksvollem Triumphbogen ist der Pflasterweg mit den eingekerbten Rinnen römischer Lieferwagen noch gut erhalten, der durch die Gassen der Altstadt bis hinunter ins dichte Gedränge am Hafen führt. Viele der alten anatolischen Herrenhäuser sind restauriert und zu Teppich- und Souvenirläden, EinfachPensionen und Restaurants mit Gartenbetrieb umgebaut. Vom Kral Sofrasi aus, Antalyas bester RestaurantAdresse, blickt man auf den alten Hafen. Auch vom Drehrestaurant auf dem Gipfel des Hausberges von Antalya, dem Top-Tepe, genießt man das Panorama der Strände und des Taurus-Gebirges, das hinter dem Feriendorf Kemer ansteigt, sanft gewellt wie das Meer. Mit seinen Gulet-Seglern ist das lebhafte Kemer ein vielseitiger Ferienplatz und ein idealer Ausgangspunkt zum Bergwandern im Taurus und zu den antiken Stätten Phaselis und Olympos.
Bananen-Plantagen
Wo man sich auch einlogiert, die Verbindungen mit Dolmus-Sammel-Taxis oder Linienbus sind ausgezeichnet. Ob nach Antalya, Side, Alanya oder Kemer, für ein paar Mark kommt man schnell überall hin. Kenner etablieren sich daher gern etwas abseits von der City.
Reiseveranstalter können sich vergnügt die Hände reiben, denn auch das Rundreisegeschäft boomt: Rund 60 Prozent der Gäste nehmen an Rundfahrprogrammen teil. Kein Wunder, sie haben längst selbst ausgerechnet, dass sie für einen Sieben-Tage-Bustrip samt HP und Führung (ab 800 DM) nicht mehr ausgeben müssen als für ein Einwochen-Leihwagen-Paket.
Bis zum Kap Anamur mit der meerumrauschten Seldschuken-Festung legt der Rundfahrtbus von Antalya aus 419 Kilometer durch die liebliche Pamphylische Ebene zurück. Auf der einen Seite der breiten Küstenstraße dehnen sich Sesam-, Erdnuss- und Baumwoll-Plantagen, auf der anderen liegen zwischen den paar bekannten Ferienorten noch schier unendlich scheinende Strände. Hinter dem Kap rücken die Berge ans Meer. Hier wachsen die Bananenstauden fast bis an den Meeressaum.
Langes Leben aus dem Apostel-Brunnen
Ab Silifke, wo Kilikien beginnt, werden die Berge noch wilder und das Klima rauher. Feldherren stampften mit ihren Heeren über die jahrtausendealten Karawanenwege: Alexander der Große und sein großer
Widersacher, Perserkönig Darius, die Römer Pompejus und Marc Anton sowie Kaiser Friedrich Barbarossa. Fast am Weg liegt das wuselig-bunte, biblisch anmutende Bazarstädtchen Tarsus. Mit Antonius und Kleopatra beherbergte es eines der berühmtesten Liebespaare. Der Triumphbogen für die Königin vom Nil wirkt allerdings schon ziemlich altersschwach. Dagegen ist das Geburtshaus des Apostels Paulus zu einem Schmuckkästchen aufgemotzt worden. Wer einen Schluck Wasser aus dem Ziehbrunnen trinkt, dem ist ein gesundes, langes Leben gewiss - gegen Bakschisch, versteht sich. Maigrüne Pappelalleen und dahinter die Gipfel der "Bolkar Daglari", der Schneeberge, flankieren die zu einer richtigen Autobahn ausgebaute Straße nach Kappadokien. Im Land der Feenkamine ragen Höhlenwohnungen, die wie riesige Ku-Klux-Klan-Mützen aussehen, in den blauen Himmel. Vulkanausbrüche in grauer Vorzeit haben die Märchenlandschaft geprägt. Der weiche, von Wind und Wetter erodierte Tuffstein verwandelte sich in surrealistisch-bizarre Gebilde in Farben von Ockergelb bis Dunkelbraun und Violett. Dazwischen winzige Felder und Weinberge. Die ersten verfolgten Christen gruben ihre Höhlenkirchen in den weichen Stein. In Kaymakli zum Beispiel flüchtete man vor dem Feind in eine unterirdische Stadt. Angelegt in acht Etagen unter der Erde für Tausende, die mit Kind und Kegel monatelang hier hausten. Küchen und Vorratslager, Wohnräume und Viehställe, gut belüftet mit einem raffinierten Schachtsystem, lassen sich heute bequem besichtigen. Für die neugierigen Touristen wurde eigens elektrisches Licht verlegt.
Auch in den Höhlenhäuschen läuft inzwischen das Fernseh-Gerät. Manchmal ist die Antenne allerdings fast höher als die ganze Behausung. Erika Amann


Reise-tipPs
Anreise: Nonstop von zehn deutschen Flughäfen nach Antalya. Fast täglich LTU-Flüge Düsseldorf-Antalya ab 550 DM. Hotel Bilkent am Kemer Beach: HP-Tag 63 bis 100 DM; Kind bis zu 12 Jahren: gratis. Hotel Falez am Strand von Antalya: HP-Tag 86 bis 116 DM.
Clubanlage Ali Bey (vor Side): HP-Tag 77 bis 147 DM (THR Tours). Sieben Tage Flug mit HP-Rundreise "Berge der Götter und Kappadokien": ab 1 399 DM; eine Woche, von Antalya bis Istanbul, Troya und Pergamon: ab 1 250 DM (Jahn Reisen).
Mietautos, alles inklusive, außer Benzin: ab 90 DM pro Tag. - Bei Teppichkauf schon zu Hause Preise erfragen. Wichtig ist auch, ob der Händler in Deutschland eine Filiale unterhält. Kauft man in solchen Geschäften, kann Zoll gespart werden.
Geld: 1 DM entspricht etwa 250 000 Türkischen Lira; auch Kreditkarten/Eurocheques.
Informationen: Türkisches Generalkonsulat, Raci Karaca, Geschäftsführer, Baseler Straße 37, 60329 Frankfurt/Main. N

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