ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinReisemagazin 1/2000Spanien - Valencia: Mediterrane Lichtgestalt

Supplement: Reisemagazin

Spanien - Valencia: Mediterrane Lichtgestalt

Dtsch Arztebl 2000; 97(10): [10]

Junker, Uwe

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Valencia wird häufig "La Clara", "die Helle", genannt. Die nach Madrid und Barcelona drittgrößte Stadt Spaniens besticht durch ihren reizvollen Kontrast zwischen mittelalterlichem Altstadtkern und futuristisch anmutenden Stadtvierteln wie der "Ciudad de las Artes y las Ciencias". Sie verdient einen Zwischenstopp auf dem Weg zu den weitläufigen Stränden der Costa Blanca.
Die meisten Besucher beginnen ihren Spaziergang durch die Altstadt an der Plaza de la Reina, dem Vorplatz der Kathedrale Santa Maria, die, auf dem Fundament einer maurischen Moschee erbaut, verschiedene Baustile in sich vereint. Im Innern beeindrucken besonders die Bildtafeln über dem Hochaltar mit Szenen aus dem Leben der Jungfrau Maria, gemalt von zwei ortsansässigen Schülern Leonardo da Vincis.
Nach schweißtreibendem Aufstieg erreichen wir die Aussichtsplattform des freistehenden Glockenturms El Micalet und können den wohl schönsten Panoramablick über Valencia genießen. Die mächtigen Zwillingstürme Torres de Serranos, Reste eines früheren Stadttores, lassen die Grenzen des mittelalterlichen Valencia erkennen. Wie ein Ring umschließt weiter außen das in eine weitläufige Parkanlage verwandelte Flussbett des Riu Turia das Stadtzentrum. Nach einer katastrophalen Überschwemmung im Jahr 1957 mit mehr als 500 Toten wurde der Flusslauf weit nach Süden verlegt. Das begrünte Areal des ursprünglichen Flusses nutzen heute Jogger, Skater und Liebespaare für ihre Zwecke. Auch das nächste Ziel des Stadtrundgangs ist aus der Vogelperspektive rasch ausgemacht: die Plaza de la Virgen, die mit ihren zahlreichen Cafés zu einer Verschnaufpause einlädt. Wir kosten erst zögerlich und dann mit Begeisterung eine horcheta de chufas (Erdmandelmilch) und blikken dabei auf das Westportal der Kathedrale. Dort, unter der gotischen Fensterrose der Puerta de los Apostoles, tritt seit 1 000 Jahren pünktlich donnerstags um zwölf Uhr mittags das Wassergericht zusammen, um Streitigkeiten zwischen den Anliegern der acht Bewässerungskanäle Valencias zu schlichten. Früher wurden Sünder mit Geldbußen oder Wasserentzug bestraft, heute hat das Tribunal nur noch folkloristischen Charakter: Der Richter ruft die Namen der Bewässerungszonen auf; kurz darauf wird die Sitzung auch schon wieder geschlossen, weil keine Beschwerden vorliegen.
16 Kilometer südlich des Stadtzentrums, vom Meer durch einen Dünenstreifen getrennt, liegt der Süßwassersee L’Albufera. Seit Jahrhunderten wird in dessen sumpfigen Uferbereichen Reisanbau betrieben. Eine Bootsfahrt in diesem seit 1986 unter Naturschutz stehenden Vogelparadies mit Kolonien von Reihern, Rallen und Enten vermittelt besonders im Zauber der Abenddämmerung eine Atmosphäre natürlicher Schönheit und Ruhe.
Am nächsten Morgen: Verschiedenste Gerüche, munteres Palaver und Gedränge füllen die Hallen, die das durch zwei große Glaskuppeln einfallende Sonnenlicht wie ein Sakralbau erhellt. Hier wird alles gehandelt, was das Meer und die Ackerlandebene der Huerta im Hinterland hergeben. Am stärksten beeindruckt das nahezu unüberschaubare Angebot an Fisch und Meeresfrüchten. Gegenüber dem Zentralmarkt weckt ein gotischer Prachtbau Neugier, die Seidenbörse. Im großen Handelssaal, dessen Gewölbestruktur an Kronen von Dattelpalmen erinnert, wurde früher mit Seide gehandelt. Vom Ehrgeiz der Stadtväter, Valencia neben Madrid und Barcelona zur dritten Metropole Spaniens zu machen, zeugen hochmoderne Bauten wie beispielsweise das Institut für zeitgenössische Kunst im nördlichen Teil des Stadtviertels El Carme. Noch futuristischer wirken das brandneue Kongresszentrum oder der erst zum Teil fertig gestellte "Millennium-Stadtteil" Ciudad de las Artes y las Ciencias mit dem 3-D-Kino L’Hemisferico, Kunstpalast, Museum der Wissenschaften und dem Ozeaneum. Die Gebäude sind Schiffsrümpfen nachempfunden, dazu passend lassen sich die großzügigen Glasflächen wie Segel verschieben.
Ohne Frage ist Valencia auf dem besten Weg, eine europäische Wirtschafts-, Kultur- und Kongressmetropole zu werden - ohne jahrhundertealte Traditionen zu leugnen. So werden auch heute noch jedes Jahr in der Nacht vom 19. auf den 20. März während der Fallas 370 Pappmascheefiguren verbrannt, Puppen mit karikaturhaften Zügen, für die zum Beispiel korrupte Politiker oder auch Touristen mit ihren landestypischen Eigenarten Pate stehen. Jedes Jahr wird durch Volksabstimmung im Börsensaal die gelungenste Puppe ausgewählt. Nur sie wird der Feuersbrunst entgehen und später von Besuchern des Museo Faller bewundert werden können.
Wer nach Wissenschaft oder Kultur einfach einmal abschalten will, wird zu schätzen wissen, dass die beiden weitläufigen und feinsandigen Hausstrände Valencias La Malvarossa und El Saler vom Stadtzentrum aus in Kürze zu erreichen sind. La Malvarossa in der Nähe des Hafens wartet mit einer Strandpromenade und zahlreichen Restaurants auf, die auch die regionale Spezialität Paella anbieten. El Saler mit pinienbestandenen Dünen und der sich unmittelbar im Hinterland anschließenden Albufera-Lagune ist ein Paradies für Naturfreunde. Uwe Junker


Reise-tipps
Beste Reisezeit: März bis Juni und September/Oktober. Flug: Direktflüge mit Lufthansa und Iberia sowie mit diversen Chartergesellschaften wie Condor oder Viva Air.
Stadtverkehr: In Valencia gibt es ein dichtesLinienbusnetz, Taxis sind preiswert.
Infos: Gutes Informationsmaterial erhält
man von der Tourist Info Valencia, Paz 48, 46003 Valencia, Tel 00 34-6-3 98 64 22, Fax 00 34-6-3 98 64 21, EMail: touristinfo.
valencia@turisse.m400.gva.es N

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema