ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2020Interview mit Priv.-Doz. Dr. med. Peter Bobbert, Mitglied des Vorstands der Bundes­ärzte­kammer: „Klimawandel ist Thema der Ärzteschaft“

THEMEN DER ZEIT: Interview

Interview mit Priv.-Doz. Dr. med. Peter Bobbert, Mitglied des Vorstands der Bundes­ärzte­kammer: „Klimawandel ist Thema der Ärzteschaft“

Schmedt, Michael

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Klimawandel und Gesundheit war als ein Schwerpunktthema des diesjährigen Deutschen Ärztetages (DÄT) vorgesehen, der coronabedingt ausgefallen ist. Priv.-Doz. Dr. med. Peter Bobbert, der Vorsitzende der Arbeitsgruppe zur Vorbereitung des Themas auf dem DÄT, über die Rolle der Ärzteschaft in diesem Themenfeld.

Warum ist es wichtig, dass sich die Ärzteschaft mit dem Klimawandel befasst?

Peter Bobbert: Der Facharzt für Innere Medizin ist Mitglied im Vorstand der Bundesärztekammer und des Marburger Bundes. Foto: Bundesärztekammer
Peter Bobbert: Der Facharzt für Innere Medizin ist Mitglied im Vorstand der Bundes­ärzte­kammer und des Marburger Bundes. Foto: Bundes­ärzte­kammer

Der Klimawandel war bislang kein zentrales Thema innerhalb der Ärzteschaft. Das hat sich in letzter Zeit erheblich gewandelt. Denn er hat direkten Einfluss auf die Gesundheit des Menschen; es ist damit ein medizinisches Thema und damit auch eines der Ärzteschaft. Daher wäre es auch ein Schwerpunkt auf dem diesjährigen Deutschen Ärztetag gewesen, der coronabedingt nicht stattgefunden hat.

Das Thema Klimawandel gehört in die medizinische Ausbildung?

Definitiv. Denn es ist klar, dass der Klimawandel andere Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung mit sich bringt. Und dazu braucht es spezielle Kenntnisse, die in die Aus-, Weiter- und Fortbildung integriert werden müssen. Zugleich muss auch die Forschung über die Auswirkungen des Klimawandels intensiviert werden. Dazu sind auch mehr Lehrstühle an den Universitätskliniken in diesem Bereich notwendig.

Wie kann sich die Ärzteschaft praktisch einbringen?

Auf unterschiedliche Weise. Wir haben zunächst die Aufgabe der Aufklärung, dass der Klimawandel einen schädlichen Einfluss auf die Gesundheit hat. Dann haben wir praktisch die Aufgabe, diesem vorzubeugen. Das heißt, wir müssen die gesundheitliche Versorgung der Zukunft auch im Rahmen des Klimawandels in guter Qualität gewährleisten können. Das bedeutet auch, dass Ärztinnen Ärzte und weitere Gesundheitsberufe ihr medizinisches Wissen dem anpassen müssen. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass das deutsche Gesundheitswesen selbst mehr als fünf Prozent des CO2-Ausstoßes verursacht. Daher ist es auch eine ärztliche Aufgabe, an einem klimafreundlichen Gesundheitswesen mitzuarbeiten. Zum Beispiel merkt man insbesondere in den Hitzeperioden der letzten Jahre, dass die Krankenhäuser bautechnisch diesen Anforderungen überhaupt nicht gewachsen sind.

Das bedeutet aber auch Investitionen?

Ja, eine finanzielle Unterstützung ist in dieser Hinsicht unabdingbar. Wir sehen allerdings auch, wie zum Beispiel bei der Initiative der energiesparenden Krankenhäuser, dass solche Kosten, die oftmals nur einmalig anfallen, sich wegen der energiesparenden Effekte teilweise neutralisieren.

Dabei ist Politik in der Pflicht?

Die Politik muss vor allem als Ziel definieren, dass wir ein klimafreundliches Gesundheitssystem aufbauen müssen – mit entsprechender finanzieller Ausstattung. So wie wir es jetzt auch im Zuge der Coronapandemie sehen, wo ein großes Investitionsprogramm für die Digitalisierung der Krankenhäuser aufgelegt worden ist. Zudem muss es mehr Anreize geben, damit sich die Akteure des Gesundheitswesens mehr im Sinne des Klimawandels engagieren.

Welche Herausforderungen beobachten Sie in Ihrem Berufsalltag?

Viele merken erst in den Hitzeperioden, vor welchen Herausforderungen sie stehen. Wenn zum Beispiel im Krankenhaus vermehrt ältere Patienten mit entsprechenden Krankheitssymptomen eingeliefert werden. Hinzu kommen die Arzneimittelinteraktionen und die Interaktionen mit anderen Krankheiten bei sehr hohen Temperaturen. Das wiederum macht deutlich, warum das Wissen um den Klimawandel in die Ausbildung gehört.

Das Thema Klimawandel und Gesundheit wird auf dem Deutschen Ärztetag 2021 wieder ein Schwerpunkt sein?

Ja. Der Auftrag der Arbeitsgruppe, die sich in der Bundes­ärzte­kammer damit beschäftigt, wurde verlängert. Das macht auch deutlich, dass es kein einmaliges Thema ist, sondern eines, mit dem wir uns in den nächsten Jahren fundamental aus-einandersetzen werden.

Das Interview führte Michael Schmedt.

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