ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2020KBV-Versichertenbefragung: Ärzte genießen großes Vertrauen

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KBV-Versichertenbefragung: Ärzte genießen großes Vertrauen

Haserück, André

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Laut der Ende Juli veröffentlichten Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung betrachten 91 Prozent aller Befragten ihr Vertrauensverhältnis zum letztbesuchten Arzt als „gut“ (38 Prozent) oder sogar „sehr gut“ (53 Prozent).

Die Zufriedenheit der Bevölkerung mit den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten bleibt weiterhin hoch – die Versichertenbefragungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in den vergangenen Jahren hatten vergleichbare Werte ergeben. Genauso positiv wie das Vertrauensverhältnis wurde auch die Fachkompetenz der Ärzte bewertet. Zusammen 92 Prozent der Befragten sprachen dem zuletzt aufgesuchten Mediziner sehr gute (49 Prozent) oder gute (43 Prozent) fachliche Qualitäten aus.

„Die Befragung verdeutlicht die hohe Wertschätzung für die Arbeit der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte“, zog Dr. med. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, ein positives Fazit. Die Zufriedenheitswerte und die Kompetenzzuschreibungen der Befragung befänden sich erfreulicherweise auf konstant hohem Niveau. Zudem sei feststellbar, dass sich die Wartezeiten von gesetzlich und privat Versicherten – entgegen manch anderer Behauptungen – immer mehr anglichen, betonte der KBV-Chef. Der Topos stark unterschiedlicher Wartezeiten sei, dass zeige sich nun wieder, „ein Märchen“.

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Der Anteil der gesetzlich Versicherten, die ohne Wartezeit einen Termin bekamen, ist laut KBV-Befragung mit 31 Prozent – ein Plus von zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr – nahezu identisch mit dem entsprechenden Anteil der privat Versicherten mit 30 Prozent (± 0 Prozent). Acht von zehn Befragten (80 Prozent) gaben an, dass es in der subjektiven Wahrnehmung nicht zu lange gedauert habe, bis sie einen Termin bekamen (Vorjahr: 79 Prozent). Entscheidend ist bei der Wartezeit auf einen Termin nach wie vor, ob man eine Haus- oder Facharztpraxis aufsucht.

Bei der Konsultation eines Hausarztes wartete die Mehrheit aller Befragten (53 Prozent) maximal drei Tage auf einen Termin. Bei den Fachärzten mussten sich hingegen zwei Drittel (66 Prozent) länger als drei Tage gedulden, um einen Termin zu bekommen. Allerdings nahm sowohl bei gesetzlich wie auch privat Versicherten der Anteil derer zu, die mehr als drei Wochen auf einen Arzttermin warten mussten: Bei den GKV-Patienten gaben dies 16 Prozent an, bei PKV-Patienten 13 Prozent (jeweils plus ein Prozent). Aber: Auch bei den Patienten, die mehr als drei Wochen auf einen Termin warten mussten, äußerten sich nur gut ein Drittel (36 Prozent) unzufrieden.

Die bestehenden Probleme mit teils längeren Wartezeiten seien aber nicht, so Gassen, auf das duale Versicherungssystem mit gesetzlicher und privater Kran­ken­ver­siche­rung zurückzuführen. Vielmehr stünden andere Probleme dahinter, welche zu einer insgesamt sinkenden Arztzeit führen. Die Ärzte und Psychotherapeuten würden ihren Job so gut wie möglich machen – Aufgabe der Politik sei es, für die Niederlassung fördernde Rahmenbedingungen zu sorgen. Die Arbeitsbedingungen in den Praxen müssten so gestaltet werden, dass sich junge Ärztinnen und Ärzte wieder verstärkt niederlassen und die älteren nicht vorzeitig in den Ruhestand fliehen.

Digitalisierung im Gesundheitswesen: Hat für mich als Patient eher . . .
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Digitalisierung im Gesundheitswesen: Hat für mich als Patient eher . . .

Digitalisierung

Mehr als die Hälfte der Versicherten (51 Prozent) versprechen sich grundsätzlich Vorteile von der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Allerdings befürchten 39 Prozent auch, dass sich das Verhältnis von Ärzten und Patienten dadurch eher verschlechtert. „Der persönliche Kontakt sowie das persönliche Gespräch mit dem Arzt bleiben deshalb der Goldstandard und werden von Patienten auch so gewünscht“, sagte Dr. med. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV. Keine App, selbst wenn sie demnächst von den Krankenkassen bezahlt wird, könne den persönlichen Kontakt zum Arzt ersetzen. Empfehlungen zu Gesundheits-Apps möchten 58 Prozent der Smartphone-Nutzer unter den Patienten am liebsten von ihrem Arzt. KBV-Vize Hofmeister sieht hierin einen weiteren Vertrauensbeweis für die Ärzte.

Gassen betonte in diesem Zusammenhang nachdrücklich, eine vollumfängliche Beratung durch die Ärzte und Psychotherapeuten sei angesichts des großen und schnelllebigen Marktes „nicht leistbar“. Man werde sich im Versorgungsalltag wohl auf die durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) getesteten digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) konzentrieren – diese können von Ärzten und Psychotherapeuten verordnet werden. Inwieweit eine Einbindung digitaler Anwendungen in die jeweilige Behandlungssituation sinnvoll ist, müsse man dann individuell im Arzt-Patienten-Verhältnis klären.

Dass eine möglichst schnelle und unkomplizierte Informationsmöglichkeit zu digitalen Anwendungen nötig ist, zeigen die schon jetzt stetig steigenden Nutzerzahlen. Auch ohne GKV-weite Verordnungsmöglichkeit kletterte die Nutzerrate innerhalb von drei Jahren bei den von der KBV Befragten von 13 Prozent auf aktuell 18 Prozent – in der Altersgruppe bis 29 Jahre nutzt sogar fast ein Drittel bereits Gesundheits-Apps auf dem Smartphone.

Vertrauen in Impfungen

Die Vertragsärzteschaft ist laut der Versichertenbefragung für die Bürgerinnen und Bürger auch der erste Ansprechpartner, wenn es um das Thema Impfen geht. Die übergroße Mehrheit der Befragten erachtete Impfungen grundsätzlich als sinnvoll. Nur sieben Prozent gaben an, sich möglichst gar nicht impfen lassen zu wollen. Dies bilde, so Hofmeister, ein wohltuendes Gegenbild zum lautstarken Auftreten sogenannter Impfgegner. Um dieses Vertrauen nicht aufs Spiel zu setzen, sei es jedoch unerlässlich, dass diese wichtige präventive Aufgabe in ärztlicher Hand bleibe und nicht beispielsweise in Apotheken ausgelagert werde. Eine Impfung dürfe nur von Ärzten durchgeführt und begleitet werden. Dies gelte nach Einschätzung der KBV ganz besonders für eine Impfung, mit der es noch keine langjährigen Erfahrungen gibt – wie es bei einer Immunisierung gegen das SARS-CoV-2 der Fall sein wird. Die Vertragsärzte sind, so betonte die KBV, willig und fähig, im Rahmen einer nationalen Impfstrategie eine führende Rolle zu übernehmen.

116117 wird bekannter

Ein weiteres positives Ergebnis der Versichertenumfrage: Die Bekanntheit der Telefonnummer 116117 für den ärztlichen Bereitschaftsdienst hat erneut deutlich zugenommen. Nach 37 Prozent im Vorjahr meinen jetzt 45 Prozent aller Befragten, dass sie die Telefonnummer für den ärztlichen Bereitschaftsdienst kennen. Unter denjenigen Befragten, die angeben, diese Nummer zu kennen, antworteten auf Nachfrage nach der genauen Telefonnummer 71 Prozent korrekt – dies entspricht einem faktischen Bekanntheitsgrad von 32 Prozent. Im Jahr 2019 betrug dieser Wert noch 19 Prozent. Die seit Mitte August des vergangenen Jahres laufende, breit angelegte Informations- und Imagekampagne des KV-Systems scheint also zu greifen.

Für KBV-Chef Gassen ein gutes, aber durchaus noch ausbaufähiges Zwischenergebnis. Den „Härtetest als Coronahotline“ habe die Rufnummer aber bestanden und ihre Stabilität auch an Kapazitätsgrenzen unter Beweis gestellt. Wenn vom telefonischen Patientenservice der 116117 Gebrauch gemacht wurde, waren die Erfahrungen überwiegend positiv. Zusammengenommen 68 Prozent haben gute (37 Prozent) oder sehr gute (31 Prozent) Erfahrungen gemacht. Gefragt nach dem Grund für die Nutzung der 116117 nannten 17 Prozent Anliegen rund um das Coronavirus, bei 83 Prozent hatte der Anruf aber andere Ursachen.

Künftige Herausforderungen

Als eine der größten Herausforderungen für das deutsche Gesundheitssystem in den nächsten Jahren wurde von den Befragten die knapper werdende „Ressource Arzt“ genannt. Danach gefragt sahen 14 Prozent der Versicherten den Mangel an Ärzten als größtes Problem und zwölf Prozent den Mangel an Pflegekräften beziehungsweise sonstigem Personal im Gesundheitsbereich. Die Wartezeiten auf Termine nannten hingegen nur drei Prozent als Herausforderung für das deutsche Gesundheitswesen.

Die Sorgen bezüglich der personellen Kapazitäten des Versorgungssystems seien also bei den Versicherten längst angekommen, so Gassen. Diese sollten auch und insbesondere von der Politik endlich ernst genommen und angegangen werden. Die Arbeitsbedingungen in den Praxen müssten so gestaltet werden, dass sich junge Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten wieder verstärkt niederlassen – die „immer restriktiveren Eingriffe der Politik in die Praxen“, etwa bei der Digitalisierung, seien da kontraproduktiv. André Haserück

https://www.kbv.de/html/versichertenbefragung.php.

Die Versichertenbefragung

Für die Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hat die Forschungsgruppe Wahlen Telefonfeld GmbH vom 16. bis zum 25. März 2020 in Deutschland insgesamt 2 036 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger telefonisch befragt.

Nachdem in den vergangenen Jahren mit dem Ziel, belastbare Ergebnisse auf der Ebene der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) ausweisen zu können, mehr als 6 000 Interviews geführt wurden, wurde die Fallzahl für die aktuelle Befragung vor dem Hintergrund der beginnenden Hochphase der Coronapandemie reduziert.

Somit sind nur die bundesweiten Ergebnisse mit den Vorjahren vergleichbar. Zudem sind – darauf weist die KBV ausdrücklich hin – die Ergebnisse dieser Befragung immer auch vor dem Hintergrund dieses für Gesellschaft, Politik, Gesundheitswesen und Medien beherrschenden Themas zu interpretieren.

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