Supplement: Reisemagazin

Lassa-Fieber

Dtsch Arztebl 2000; 97(10): [30]

Rohreit, Corinna

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Hunderttausende Menschen erkranken jedes Jahr in Westafrika an Lassa-Fieber, etwa 5 000 sterben.


Der Tod einer deutschen Studentin (23), die sich auf einer Reise nach Ghana und zur Elfenbeinküste mit Lassa-Fieber infiziert hat, brachte diese bis dahin weitgehend unbekannte Krankheit ins Rampenlicht der Medien. Tatsächlich ist das Risiko für Touristen, sich mit Lassa-Fieber zu infizieren, extrem gering. Seitdem die Krankheit 1969 zum ersten Mal in dem nigerianischen Dorf Lassa festgestellt wurde, sind erst drei Fälle in Deutschland bekannt geworden. Der jüngste Fall war der erste, der tödlich verlief. Das Robert Koch-Institut, Berlin, weist darauf hin, dass sich das Risiko erhöht "beim Aufenthalt in Siedlungen der einheimischen Bevölkerung oder unter eingeschränkten hygienischen Bedingungen, die Kontakte zu wildlebenden Nagetieren möglich machen".
Diese Aussage spiegelt das Risiko der einheimischen Bevölkerung wider: Mehrere Hunderttausend Menschen erkranken jedes Jahr in Westafrika an Lassa-Fieber, etwa 5 000 sterben. Das Virus, das zu den Arenaviren gehört, wird durch den Urin und die Exkremente der Vielzitzenratte (Mastomys natalensis) übertragen. Besonders in der Trockenzeit zwischen Januar und April
steigt die Zahl der Erkrankten. Wie viele andere Infektionskrankheiten tritt auch das Lassa-Fieber vor allem unter Kriegsflüchtlingen auf, die unter schlechten hygienischen Bedingungen leben und teilweise sogar die Nagetiere aus Hunger essen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch durch infektiöse Körperflüssigkeiten (Urin, Speichel, Blut, Erbrochenes usw.) ist möglich - vor allem in der Krankenpflege. In Westafrika kam es gelegentlich zu verheerenden Krankenhausepidemien mit hoher Letalität. Die meisten Infektionen (rund 70 Prozent) verlaufen milde oder inapparent. Nach einer Inkubationszeit von ein bis drei Wochen beginnt die Krankheit eher schleichend mit Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen, Pharyngitis, Husten und gastrointestinalen Beschwerden. Kommt es jedoch zur Ausbildung schwerer Symptome mit hämorrhagischem Fieber und Enzephalopathie, sterben bis zu 20 Prozent der Erkrankten. Frühzeitig auftretende faziale Ödeme deuten dabei auf eine ernste Prognose hin. Besonders schwer verläuft das
Lassa-Fieber bei Säuglingen, Kleinkindern und Schwangeren. Bei prä- oder perinataler Infektion sterben mehr als 80 Prozent der Kinder.
Differenzialdiagnostisch müssen alle virusbedingten hämorrhagischen Fieber und vor allem Malaria, Gelbfieber und Filovirus-Infektionen sowie Sepsis und Intoxikationen ausgeschlossen werden. Neben symptomatischer Therapie hat sich das Virostatikum Ribavirin als wirksam erwiesen, besonders wenn die Behandlung bereits innerhalb der ersten Tage der Erkrankung begonnen wird. Einen Impfstoff gibt es zur Zeit nicht. Ein Impfstoff, der die zelluläre Immunität hervorrufen soll, ist zur Zeit in der Entwicklung und wird im Tierversuch getestet. Dr. Corinna Rohreit

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