ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2020Schuppenflechte: Kein höheres Risiko von COVID-19 durch systemische Therapie bei Psoriasis

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Schuppenflechte: Kein höheres Risiko von COVID-19 durch systemische Therapie bei Psoriasis

Lenzen-Schulte, Martina

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Foto: picture-alliance/OKAPIA KG/Dr.med.J.P.Müller
Foto: picture-alliance/OKAPIA KG/Dr.med.J.P.Müller

Eine systemische Therapie ist bei Patienten mit Psoriasis nicht mit einem ungünstigeren Verlauf der COVID-19-Erkrankung verbunden. Dieser hängt vielmehr von den Komorbiditäten der Infizierten ab.

Patienten mit Schuppenflechte erhalten als systemische Therapie traditionelle immunsuppressive Therapeutika wie Methotrexat oder neuere Biologika, die den COVID-19-Verlauf negativ beeinflussen könnten. Maria B. Alora vom Massachusetts General Hospital in Boston und ihr Team untersuchten daher bei 104 Patienten, ob bestimmte Therapeutika eher zur Verlegung auf die Intensivstation, zur Intubation oder zum Tod führen (kombinierter Endpunkt).

Bei 8,3 % der Patienten unter Biologika, 20 % derer, die Methotrexat erhielten, und 16,4 % derer ohne jegliche systemische Therapie deutete das Erreichen des kombinierten Endpunkts auf einen schweren Verlauf hin (1). Auch nachdem die Autoren die Ergebnisse im Hinblick auf Diabetes und Alter – anerkannte Risikofaktoren für eine Aggravation der COVID-19-Erkrankung – adjustiert hatten, zeigten sich keine signifikanten Einflüsse der systemischen Therapie.

Eine italienische Arbeitsgruppe um Luigi Naldi von der Dermatologischen Klinik am San Bortolo Hospital in Vicenza gibt nach Analyse von 1830 Patienten mit Plaque-Psoriasis ebenfalls Entwarnung: Sie fanden kein Signal, das auf eine Risikoerhöhung durch Biologika hingedeutet hätte (2).

Fazit: Beide Arbeitsgruppen sehen in ihren Ergebnissen eine Bestätigung vorheriger Vermutungen. Denen zufolge soll eine immunmodulatorische Therapie womöglich sogar eher nützlich sein. Denn der häufig zu einem schwereren Verlauf führende Zytokinsturm bei COVID-19 könnte infolge einer solchen Therapie abgemildert werden. Überdies gilt für zahlreiche Autoimmunkrankheiten, dass COVID-19 umso günstiger verläuft, je besser die Symptome der Grunderkrankung therapiert sind. Dr. med. Martina Lenzen-Schulte

  1. Lima XT, et al.: Severe COVD-19 outcomes in patients with psoriasis. JEADV;11. August 2020; DOI: 10.1111/jdv.16867.
  2. Piaserico S, et al.: Lack of Evidence for an Increased Risk of Severe COVID-19 in Psoriasis Patients on Biologics: A Cohort Study from Northeast Italy. Am J Clin Dermatol; 18. August 2020; doi: 10.1007/s40257–020–00552-w.

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