ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2020Interventionell-chirurgische Behandlungsmöglichkeiten
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Zunächst möchten wir den Autoren Wölber et al. für diesen exzellent strukturierten Artikel mit Darlegung der Symptomatik, diagnostischer Algorithmen und Therapiemöglichkeiten des Pruritus vulvae danken (1). Der umfassende Artikel macht zugleich eine Problematik deutlich: Es handelt sich hier um ein Symptomenbild, das unterschiedliche Fachdisziplinen adressiert, unter anderem Gynäkologie, Dermatologie, Urologie und Innere Medizin. Während die Ursachen für bestimmte Formen des Pruritus vulvae bei korrekter Diagnose über Standardtherapien gut behandelbar sind, stellen der Lichen sclerosus und planus eine Herausforderung dar, weil sie chronisch verlaufen und zu Rezidiven neigen – trotz initial erfolgreicher Lokaltherapie. Die Folgen sind Hautatrophie, Schleimhautverklebungen bis hin zu Miktionsstörungen wie bei unserem Patientenklientel. Ergänzend zu dem Beitrag von Wölber et al. möchten wir auf eine neue Therapiemöglichkeit hinweisen, die erfolgreich in gynäkologischen Zentren (2) für die Behandlung des genitalen Lichen sclerosus angewandt wird. Durch Liposuktion gewonnenes Fettgewebe enthält neben den Fettzellen auch Fibroblasten und pluripotente Stammzellen (3). Studien aus dem Gebiet der plastisch-rekonstruktiven Chirurgie zeigen, dass die Transplantation von autologem Fettgewebe einen remodellierenden Effekt hat mit verbesserter Narbenqualität und Hautelastizität. Das Lipoaspirat hat antiinflammatorische und schmerzstillende Eigenschaften – ideal auch für die Anwendung bei chronischen genitalen Wundheilungsstörungen. Unsere Langzeitergebnisse mit genitalen Eigenfett-Transplantationen zeigen eine deutliche Verbesserung der Symptomatik des vulvären Lichen sclerosus mit Reduktion des Pruritus, der Schmerzen, der genitalen Verklebungen und Verbesserung des Wohlbefindens der Patientinnen. Wichtig sind in diesem Kontext – wie schon in der S3 Leitlinie (4) gefordert – umfassende prospektive, randomisierte klinische Studien, die die langfristige Effektivität dieser Therapiemöglichkeit belegen und damit die Behandlung standardmäßig zugänglich machen.

DOI: 10.3238/arztebl.2020.0612c

Prof. Dr. Dr. med. Ursula Mirastschijski

Wound Repair Unit, CBIB

Fakultät für Biologie und Chemie

Universität Bremen

mirastsc@uni-bremen.de

Dr. med. Carla Schwenke
Klinik für Urologie, Onkologische Urologie und Kinderurologie,

Josef-Hospital Delmenhorst

Interessenkonflikt

Die Autorinnen erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Wölber L, Prieske K, Mendling W, Schmalfeldt B, Tietz HJ, Jaeger A: Vulvar pruritus—causes, diagnosis and therapeutic approach. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 126–33 VOLLTEXT
2.
Boero V, Brambilla M, Sipio E, et al.: Vulvar lichen sclerosus: A new regenerative approach through fat grafting. Gynecol Oncol 2015; 139: 471–5 CrossRef MEDLINE
3.
Prantl L, Rennekampff HO, Giunta RE, et al.: Current perceptions of lipofilling on the basis of the new guideline on „Autologous Fat Grafting“. Handchir Mikrochir plast Chir 2016; 48: 330–6.
4.
Kirtschig G, Becker K, Gunthert A, et al.: Evidence-based (S3) Guideline on (anogenital) Lichen sclerosus. J Eur Acad Dermatol Venereol 2015; 29: e1–43 CrossRef MEDLINE
1.Wölber L, Prieske K, Mendling W, Schmalfeldt B, Tietz HJ, Jaeger A: Vulvar pruritus—causes, diagnosis and therapeutic approach. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 126–33 VOLLTEXT
2.Boero V, Brambilla M, Sipio E, et al.: Vulvar lichen sclerosus: A new regenerative approach through fat grafting. Gynecol Oncol 2015; 139: 471–5 CrossRef MEDLINE
3.Prantl L, Rennekampff HO, Giunta RE, et al.: Current perceptions of lipofilling on the basis of the new guideline on „Autologous Fat Grafting“. Handchir Mikrochir plast Chir 2016; 48: 330–6.
4.Kirtschig G, Becker K, Gunthert A, et al.: Evidence-based (S3) Guideline on (anogenital) Lichen sclerosus. J Eur Acad Dermatol Venereol 2015; 29: e1–43 CrossRef MEDLINE

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