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Wir danken den Kollegen Sebode et al. für den Hinweis auf das hepatotoxische Potenzial von Metamizol. Die von Sebode et al. genannten Publikationen sind die beiden einzigen zu Metamizol und medikamentös-induziertem Leberschaden („drug-induced liver injury“ [DILI]) beziehungsweise akutem Leberversagen (ALV). Das ist sicherlich auch darin begründet, dass Metamizol wegen des Risikos der Agranulozytose in vielen Ländern nicht mehr zugelassen ist (1). In unserer Untersuchung zum ALV haben wir nicht explizit nach (bisher unbekannten) Wirkstoffen mit dem Risiko eines DILI oder ALV gesucht, sondern die Verordnung bereits aus verschiedenen Publikationen bekannter Wirkstoffe, die mit ALV assoziiert sind, in den Gruppen ermittelt (2, 3). Deshalb wurde Metamizol nicht untersucht. Zu beachten ist hier auch, dass durch die Methode insbesondere frei verkäufliche Medikamente nicht oder nicht realistisch abgebildet werden können. Deshalb kann mithilfe von Kran­ken­ver­siche­rungsdaten kein sicherer Zusammenhang zwischen Verordnung und Auftreten eines ALV hergestellt werden. Die Identifikation der Ursache eines ALV ist häufig schwierig. Mit den Daten von Sebode und Kollegen sollte Metamizol als Ursache eines DILI mit oder ohne ALV zukünftig bedacht werden.

Populationsbasierte Studien untersuchen eine wissenschaftliche Fragestellung in einer definierten Gruppe, wobei die Ergebnisse auf die Allgemeinbevölkerung übertragbar sein sollten (4). Daher liegt die Schwierigkeit darin, eine repräsentative Stichprobe der Gesamtheit zu wählen (5). Als Studiendesign kommen verschiedene Varianten infrage, zum Beispiel Fall-Kontroll- oder Querschnittstudien, die Erhebung kann prospektiv, aber auch retrospektiv sein. Die vorgelegte Untersuchung ist eine retrospektive, populationsbasierte Inzidenzstudie. Die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Ursachen und Erkrankung war lediglich das sekundäre Studienziel. Würde man die vom Kollegen Strausberg zitierten „Standardized Reporting Of Secondary data Analyses“(STROSA)-Kriterien von Swart und Schmitt der Publikation zugrunde legen, enthielte sie im Wesentlichen die vorgeschlagenen Bestandteile. Insbesondere wurden die Limitationen der Studie im Hinblick auf die Repräsentativität der AOK-Versicherten als Stichprobe der Allgemeinbevölkerung ausführlich diskutiert. Da jedoch für das akute Leberversagen keine Meldepflicht besteht, ist eine repräsentative, prospektive Datenerhebung schwierig. Die von spezialisierten Leberzentren prospektiv erhobenen Daten unterliegen immer einem Selektionsbias und bilden die Allgemeinbevölkerung mutmaßlich eben nicht repräsentativ ab.

DOI: 10.3238/arztebl.2020.0611

Für die Autoren

Dr. med. Nina Weiler

Medizinische Klinik 1

Universitätsklinikum Frankfurt

nina.weiler@kgu.de

Interessenkonflikt

Dr. Weiler erhielt für Beratertätigkeiten und Vortragshonorare Gelder von Astellas und Novartis. Ihr wurden Teilnahmegebühren und Reisekosten erstattet von Biotest.

1.
Levy M (Chairmann) for the International Agranulocytosis and Aplastic Anemia Study: Risks of agranulocytosis and aplastic anemia. A first report of their relation to drug use with special reference to analgesics. The International Agranulocytosis and Aplastic Anemia Study. JAMA 1986; 256: 1749–57 CrossRef MEDLINE
2.
Weiler N, Schlotmann A, Schnitzbauer AA, Zeuzem S, Welker MW: The epidemiology of acute liver failure—results of a population-based study including 25 million state-insured individuals. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 43–50 VOLLTEXT
3.
Reuben A, Koch DG, Lee WM: Drug-induced acute liver failure: results of a U.S. multicenter, prospective study. Hepatology 2010; 52: 2065–76 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.
Rothman KJ, Greenland S, Lash TL: Modern Epidemiology. 3rd ed: Lippincott Williams & Wilkins (LWW); 2008.
5.
Szklo M: Population-based cohort studies. Epidemiol Rev 1998; 20: 81–90 CrossRef MEDLINE
1.Levy M (Chairmann) for the International Agranulocytosis and Aplastic Anemia Study: Risks of agranulocytosis and aplastic anemia. A first report of their relation to drug use with special reference to analgesics. The International Agranulocytosis and Aplastic Anemia Study. JAMA 1986; 256: 1749–57 CrossRef MEDLINE
2.Weiler N, Schlotmann A, Schnitzbauer AA, Zeuzem S, Welker MW: The epidemiology of acute liver failure—results of a population-based study including 25 million state-insured individuals. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 43–50 VOLLTEXT
3.Reuben A, Koch DG, Lee WM: Drug-induced acute liver failure: results of a U.S. multicenter, prospective study. Hepatology 2010; 52: 2065–76 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.Rothman KJ, Greenland S, Lash TL: Modern Epidemiology. 3rd ed: Lippincott Williams & Wilkins (LWW); 2008.
5.Szklo M: Population-based cohort studies. Epidemiol Rev 1998; 20: 81–90 CrossRef MEDLINE

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