ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2000Arzneimittel: Lippenbekenntnisse

SPEKTRUM: Leserbriefe

Arzneimittel: Lippenbekenntnisse

Dtsch Arztebl 2000; 97(10): A-572 / B-480 / C-456

Buchhorn, Reiner

Zu dem Medizinreport "Arzneimittelsicherheit: Wirksamkeit von Medikamenten muss auch nach Zulassung geprüft werden" von Prof. Dr. med. Michael Berger und Prof. Dr. med. Ingrid Mühlhauser in Heft 4/2000:
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LNSLNS Mehrere Autoren haben sich im DÄ um die Aufarbeitung der Folgen einer ungeprüften Arzneimitteltherapie bemüht, welche insbesondere bei therapeutischen Fehlentscheidungen fatale Konsequenzen für unsere Patienten hat. Am Beispiel der Herzinsuffizientherapie in einem kleinen Fach, wie der Kinderkardiologie, möchte ich erläutern, wie weit die Realität in Bezug auf die "Arzneimittelsicherheit bei Kindern" von den genannten Forderungen entfernt ist:
Circa 1956 wurde die Digitalistherapie in die Kinderkardiologie eingeführt und bis heute ohne eine prospektive, randomisierte Studie breit angewendet.
1988 erfolgte die Einführung der ACE-Hemmer-Therapie bei Shunt-Vitien auf der Grundlage eines unzuverlässigen Surrogat-Markers (Links-Rechts-Shunt im hämodynamischen Akutversuch). Obwohl keine prospektive, randomisierte Studie zu dieser Therapie bei Shunt-Vitien vorliegt und zum Teil über fatale Nebenwirkungen berichtet wurde, ist diese Therapie in die Leitlinien unserer Gesellschaft aufgenommen worden. Mehrere Publikationsversuche über eigene negative Erfahrungen mit dieser Therapie wurden von insgesamt sechs Zeitschriften abgelehnt.
Seit 1996 haben wir mehrfach auf beachtliche Erfolge einer Betablocker-Therapie bei herzinsuffizienten Säuglingen zuletzt im American Journal of Cardiology hingewiesen. Die dringend notwendige prospektive Studie CHF-Pro-Infant war nur mit Hilfe privater Spenden und besonders engagierter Mitarbeiter möglich.
Basierend auf diesen eigenen Erfahrungen, kann ich die sicherlich richtigen Forderungen in dem Beitrag nur als "Lippenbekenntnisse" ansehen. Ich habe jedoch die Hoffnung nicht aufgegeben, dass neue Strukturen geschaffen werden, die eine unabhängige, wissenschaftliche Tätigkeit sogar während der offiziellen Dienstzeit eines wissenschaftlich tätigen Arztes ermöglichen.
Dr. med. Reiner Buchhorn, Karl-Schwarzschild-Weg 3, 37077 Göttingen
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