ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2000Arzneimittel: Gravierendes Problem

SPEKTRUM: Leserbriefe

Arzneimittel: Gravierendes Problem

Dtsch Arztebl 2000; 97(10): A-572 / B-480 / C-456

Müller-Oerlinghausen, B.

Zu dem Medizinreport "Arzneimittelsicherheit: Wirksamkeit von Medikamenten muss auch nach Zulassung geprüft werden" von Prof. Dr. med. Michael Berger und Prof. Dr. med. Ingrid Mühlhauser in Heft 4/2000:
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LNSLNS Den Autoren, aber auch dem DÄ ist zu gratulieren, dass sie mutig und offen ein gravierendes Problem angesprochen haben. In diesem Zusammenhang geben die Fusionen von internationalen Pharmaunternehmen zu immer gigantischeren Konzernen zu Besorgnis Anlaß; denn hier wird zunehmend das berechtigte Informationsbedürfnis des Arztes hinter dem Interesse der Aktionäre zurückstehen. Es handelt sich dabei keineswegs nur um ein europäisches Problem. Auch Studien, die in Amerika entworfen werden, gehen häufig an den tatsächlich relevanten Fragen der Ärzteschaft genau vorbei. Wichtigste Substanzen, wie zum Beispiel die Lithiumsalze in der Psychiatrie, müssen inzwischen als "orphan-drugs" bezeichnet werden, da die Hersteller von Lithiumpräparaten an Studien zu etwa einer so gravierenden Frage wie der suizidpräventiven Wirksamkeit von Lithiumsalzen keinerlei Interesse mehr haben. Deshalb ist es zu begrüßen, dass das Bundeswissenschaftsministerium es sich auch zur Aufgabe gesetzt hat, große Verbundstudien, zum Beispiel im Rahmen der Kompetenznetzwerke, zu fördern. Leider aber reichen die dort zur Verfügung gestellten Mittel oft nicht aus, um ohne zusätzliches Sponsoring durch pharmazeutische Unternehmen eine Studie durchzuführen, die allen modernen Qualitätsanforderungen genügt.
Prof. Dr. B. Müller-Oerlinghausen, Psychiatrische Klinik der Freien Universität Berlin, Forschergruppe Klinische Psychopharmakologie, Eschenallee 3, 14050 Berlin
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