ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2000Leukämie-Initiative Bonn: Einsatz ohne Grenzen

POLITIK: Aktuell

Leukämie-Initiative Bonn: Einsatz ohne Grenzen

Dtsch Arztebl 2000; 97(10): A-590 / B-479 / C-451

Merten, Martina

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LNSLNS Seit zehn Jahren wirkt die Initiative aktiv als Bindeglied zwischen Arzt und Patienten.
Die Angst und Unsicherheit vor den kommenden Monaten nach der Diagnose Leukämie ist groß. Je nach Ausprägung der hämatologischen Systemerkrankung steht dem Patienten eine höchstens zweijährige Therapie bevor, bei der die ersten vier Monate beinahe durchgehend auf der Station verbracht werden müssen. Den neuen Alltag der Patienten und deren Angehörigen zu erleichtern, hat sich die Leukämie-Initiative Bonn e.V., im Sommer 1989 von Patienten, Ärzten der Medizinischen Universitätsklinik Bonn und Pflegekräften gegründet, zum Ziel gesetzt. Ihrer Rolle als Bindeglied und Mittler zwischen Arzt und Patienten auf der Station Liebermeister im Paul-Ehrlich-Haus der Bonner Universitätskliniken konnte die Initiative in den vergangenen zehn Jahren mehr als gerecht werden. Dank des unermüdlichen Einsatzes der Vorsitzenden Katja Martini und der kontinuierlichen Zusammenarbeit der Stationsärzte mit der Leukämie-Initiative ist die Liste dessen, was erreicht wurde, lang.
Auf politischen Druck des Vereins trugen Bund und das Land Nordrhein-Westfalen 1992 die Kosten für eine Renovierung des Paul-Ehrlich-Hauses. Dr. rer. nat. Irmgard Schwaetzer MdB, Mitglied des Kuratoriums der Initiative, bezeichnete das Haus 1989 in ihrer damaligen Position als Bundesministerin für Wohnungsbau als "menschenunwürdige Unterbringung für Menschen, die um ihr Leben ringen". Heute lassen weder die Fassade des Hauses noch die innere Ausstattung der Station auf eine solche Beschreibung schließen. Helle Töne dominieren, jedes der 18 Patientenzimmer ist mit einem Farbfernseher ausgestattet, und zeitgenössische Kunst erheitert den Stationsflur.
Ein Mehr an Lebensqualität bedeutet vor allem der an die Station angrenzende Wintergarten, für dessen Finanzierung monatelange Spendenaktionen notwendig waren. Baufir-men verzichteten teilweise auf ihr Honorar, um den Leukämiepatienten möglichst schnell ein Beieinandersitzen mit Blick ins Grüne ermöglichen zu können.
Durch die Hilfe der Deutschen José-Carreras-Stiftung ist 1996 eine weitere Qualitätsverbesserung erreicht worden: Sie übernahm die Kosten für ein mobiles Röntgengerät, das den Gang der Patienten in das 1 000 Meter entfernte Klinikhauptgebäude heute überflüssig macht.
Ein durch Einsatz der Initiative finanziertes mobiles Überwachungsgerät diente ebenfalls einer Verbesserung der Lebensqualität. Patienten in kritischen Krankheitsphasen müssen durch diese Anschaffung seit drei Jahren nicht mehr den mühsamen Gang auf die Intensivstation unternehmen.
In ganz besonderem Maße unterstützte die Leukämie-Initiative die Familien der Patienten. Damit Angehörige mit langer Anfahrt in Therapiezeiten mit hoher psychischer Belastung vor Ort sein können, hat die Initiative 1998 eine kleine Wohnung in unmittelbarer Stationsnähe gekauft. Um die für die Unterkunft notwendigen 126 000 DM aufzubringen, nahm die Vorsitzende an der von Dieter Thomas Heck moderierten ZDF-Sendung "Das große Los" teil. Obwohl die ehemalige Lehrerin knapp 35 000 DM erhielt, führte erst die großzügige Spende der Deutschen Krebshilfe zum endgültigen Kauf.
Trotz der vielen Verbesserungen bleibt Dr. med. Axel Glasmacher, Stationsarzt auf Liebermeister, bescheiden: "Es bedarf einfach einer solchen Initiative, um Geborgenheit für die Patienten zu schaffen." Die Patienten wissen sowohl die Ausstattung der Station als auch die sozial-pädagogische Betreuung durch die Initiative sehr zu schätzen.
Nicht zuletzt wirkt die Initiative als Mittler zwischen Arzt und Patient. "Es ist wichtig, dass beide, Arzt und Patient, jederzeit einen neutralen Ansprechpartner haben", bemerkt die Vorsitzende. Nur so kann die LeukämieInitiative ihrer Aufgabe als zentrales Glied auf der Station gerecht bleiben. Dass dies auch künftig so sein wird, steht für alle Beteiligten außer Frage. Martina Merten


Der an die Krebsstation angrenzende Wintergarten für die Patienten


Informationen
Leukämie-Initiative-Bonn e.V.,
c/o Frau Katja S. Martini, Haager Weg 38 a, 53127 Bonn.
Tel und Fax 02 28/28 39 31
Bankverbindung: Sparkasse Bonn, Konto 24 004 004, BLZ: 380 500 00

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