ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2000kommentiert: Mehr Schein als Sein

POLITIK: Aktuell

kommentiert: Mehr Schein als Sein

Dtsch Arztebl 2000; 97(10): A-594 / B-518 / C-474

Richter, Eva A.

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LNSLNS Es klingt hervorragend: Demenzkranke sollen einmal wöchentlich in einer Tagespflegeeinrichtung untergebracht werden können, ohne dass dies die pflegenden Angehörigen einen Pfennig kostet. Finanziert wird das Ganze von der Pflegeversicherung - die Entlastung für die Pflegenden. Zudem noch ein "Mehr an Lebensqualität" für die Pflegebedürftigen, meint Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Andrea Fischer in einem weiteren Eckpunktepapier.
Anlass für den Vorschlag: Die Tagespflege bleibe derzeit noch weit hinter ihren Möglichkeiten, die häusliche Pflege zu ergänzen, zurück. Nur 7 000 der rund 500 000 Demenzkranken würden Leistungen der teilstationären Pflege beziehen. "Finanzielle Erwägungen und psychologische Hemmnisse" wären daran schuld. Deshalb nun der Gesetzentwurf. Man könnte sich auch so richtig auf das neue Gesetz freuen, drängten sich nicht die Fragen nach der Realisierung auf. Zunächst einmal: Gibt es überhaupt eine ausreichende Anzahl dieser Tagespflegeeinrichtungen? Und - wie weit muss man wohl fahren, um die nächste zu erreichen?
Zweitens: Wie groß ist die Entlastung für die Angehörigen und die Freude bei den Pflegebedürftigen? Wie einfach transportiert man einen älteren, verwirrten, vielleicht bettlägerigen, Menschen?
Drittens: Die Frage der Finanzierung. Kein Problem, meint Frau Fischer. Die Pflegekasse würde dies maximal 500 Millionen DM pro Jahr mehr kosten. Eine Beitragssatzerhöhung sei auf absehbare Zeit nicht erforderlich. Täglich bis 40 Minuten mehr Grundpflege, wie von Bayern und Baden-Württemberg gefordert, lehnt das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium jedoch als nicht finanzierbar ab. Dr. med. Eva A. Richter
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