ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2020Taille-Hüfte-Quotient besser geeignet als Body-Mass-Index
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Der Body-Mass-Index (BMI) sagt nichts über die Körperfettverteilung bei einem Menschen aus. Ohne den Probanden physisch (persönlich oder per Foto) gesehen zu haben, ist die Verwendung des BMI auch für epidemiologische Studien nur bedingt aussagekräftig. Darüber hinaus darf unterstellt werden, dass nicht wenige Laien ihren BMI schlicht falsch berechnen oder fehleinschätzen. Dies würde zwanglos die Variabilität, das Verzerrungsrisiko und die Widersprüchlichkeit in den Ergebnissen einschlägiger Studien erklären (1).

Auch bei der Betrachtung von Einzelkasuistiken kann der BMI eigentlich nur valide verwendet werden, wenn man den Probanden physisch vor Augen hat. Bestes Beispiel sind durchtrainierte Kraftsportler wie Boxer oder Bodybuilder, die regelmäßig – ohne Kenntnis der konkreten Person – beim BMI als adipös eingestuft würden: Ein athletisch-muskulöser Schwergewichtsboxer mit 2 m Körpergröße und einem „idealen“ Kampfgewicht von 120 kg käme so auf einen BMI von 30 (= Grenze Übergewicht/beginnende Adipositas).

Bei Übergewicht erhöht insbesondere das Fett etwa in Höhe des Bauchnabels beim Erwachsenen (Taille) das Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder einen Diabetes mellitus zu entwickeln und gegebenenfalls vorzeitig zu versterben (2). Der sogenannte Taille-Hüfte-Quotient („waist-hip ratio“, WHR) kann deutlich besser eine ungünstige Vermehrung des Bauchfetts anzeigen und ist zudem noch einfacher zu berechnen als der BMI. Interessanterweise korreliert der durch Probanden in einer großen US-amerikanischen Studie selbst eingeschätzte BMI zwar mit bestimmten Biomarkern wie Triglyceriden und Leptin, jedoch weniger mit einer präziseren Einordnung der Prävalenz von Übergewicht (3). Unseres Erachtens fiele die (Selbst-)Einschätzung von Gesundheitsrisiken durch Übergewicht genauer aus, wenn zumindest immer eine parallele Berechnung von BMI und WHR erfolgen würde.

DOI: 10.3238/arztebl.2020.0659a

Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Michael G. Haufs

Fakultät Life Sciences – Department Gesundheitswissenschaften,

Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg)
Facharztpraxis für Dermatologie, Arbeitsmedizin, Allergologie und Umweltmedizin, Münster

Michael.Haufs@haw-hamburg.de

Prof. Dr. rer. nat. York F. Zöllner

Fakultät Life Sciences – Department Gesundheitswissenschaften,

Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg)

1.
Freigang R, Geier AK, Schmid GL, Frese T, Klement A, Unverzagt S: Misclassification of self-reported body mass index categories—a systematic review and meta-analysis. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 253–60 VOLLTEXT
2.
Vague J: The degree of masculine differentiation of obesity: a factor determining predisposition to diabetes, atherosclerosis, gout and uric-calculous disease. Am J Clin Nutr 1956; 4: 20–34 MEDLINE
3.
McAdams MA, Van Dam RM, Hu FB: Comparison of self-reported and measured BMI as correlates of disease markers in US adults. Obesity 2007; 15: 188–96 CrossRef MEDLINE
1.Freigang R, Geier AK, Schmid GL, Frese T, Klement A, Unverzagt S: Misclassification of self-reported body mass index categories—a systematic review and meta-analysis. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 253–60 VOLLTEXT
2.Vague J: The degree of masculine differentiation of obesity: a factor determining predisposition to diabetes, atherosclerosis, gout and uric-calculous disease. Am J Clin Nutr 1956; 4: 20–34 MEDLINE
3.McAdams MA, Van Dam RM, Hu FB: Comparison of self-reported and measured BMI as correlates of disease markers in US adults. Obesity 2007; 15: 188–96 CrossRef MEDLINE

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige

Stellenangebote