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Zur Aussagekraft des Body-Mass-Indexes (BMI) im Vergleich mit Bauchumfang („waist circumference“, WC) und Taille-Hüfte-Quotient („waist-hip ratio“, WHR) hinsichtlich des kardiovaskulären Risikos fanden Huxley und Co-Autoren in ihrem Review keine eindeutige Überlegenheit eines einzelnen Markers, sondern weisen auf widersprüchliche Studienergebnisse und die Notwendigkeit weiterer (längsschnittlicher) Untersuchungen hin (1). Ebenfalls Beachtung findet dort die Tatsache, dass BMI-Normwerte auf den Daten einer weitgehend weißen Bevölkerung basieren und ihre Übertragbarkeit auf andere Bevölkerungsgruppen zumindest fragwürdig ist. Um die Schwierigkeit des unterschiedlichen Umgangs mit Grenzwerten für verschieden Bevölkerungsgruppen zu umgehen, haben wir Studien, die alternative Grenzwerte für beispielsweise asiatische Bevölkerungen verwenden, systematisch ausgeschlossen (2).

Inzwischen existiert eine große Anzahl an alternativen Indizes zur Einschätzung des Körperfettanteils, wie zum Beispiel der „body roundness index“ (BRI). Kürzlich berichteten Rico-Martin und Kollegen, dass auch der BRI den bekannten Methoden in der Vorhersage des metabolischen Syndroms nicht überlegen ist (3).

Der BMI bleibt daher mit seinen bekannten Limitationen ein weitverbreitetes individuell und epidemiologisch genutztes Maß, das nicht zuletzt in Guidelines und von internationalen Organisationen weithin verwendet wird. Wir stimmen zu, dass wahrscheinlich viele Laien ihren BMI nicht korrekt berechnen oder die errechnete Zahl nicht korrekt interpretieren können. Unsere Studie beschäftigte sich deshalb mit der Frage, inwieweit sich Probanden verbal als normalgewichtig, übergewichtig et cetera einordnen können. Die Einschätzung des eigenen Körpergewichts oder BMI wurde in einigen von uns eingeschlossenen Studien miterfasst, ebenso wie weitere Messdaten (beispielsweise WC, WHR), war jedoch nicht Teil unserer Fragestellung. Individuell betrachtet sollten selbstverständlich neben dem BMI weitere Faktoren und nicht zuletzt die individuelle Lebenssituation des Patienten berücksichtigt werden.

DOI: 10.3238/arztebl.2020.0 659b

Für die Autoren

Dr. med. Anne-Kathrin Geier, M. Sc. Public Health

Selbstständige Abteilung für Allgemeinmedizin, Universität Leipzig

Anne-Kathrin.Geier@medizin.uni-leipzig.de

PD Dr. rer. nat. Susanne Unverzagt

Selbstständige Abteilung für Allgemeinmedizin, Universität Leipzig

Institut für Allgemeinmedizin, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Interessenkonflikt

Die Autoren beider Beiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Huxley R, Mendis S, Zheleznyakov E, Reddy S, Chan J: Body mass index, waist circumference and waist: hip ratio as predictors of cardiovascular risk--a review of the literature. Eur J Clin Nutr 2010; 64: 16–22 CrossRef MEDLINE
2.
Freigang R, Geier AK, Schmid GL, Frese T, Klement A, Unverzagt S: Misclassification of self-reported body mass index categories—a systematic review and meta-analysis. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 253–60 VOLLTEXT
3.
Rico-Martín S, Calderón-García JF, Sánchez-Rey P, Franco-Antonio C, Martínez Alvarez M, Sánchez Muñoz-Torrero JF: Effectiveness of body roundness index in predicting metabolic syndrome: a systematic review and meta-analysis. Obes Rev 2020 (Epub ahead of print) CrossRef MEDLINE
1.Huxley R, Mendis S, Zheleznyakov E, Reddy S, Chan J: Body mass index, waist circumference and waist: hip ratio as predictors of cardiovascular risk--a review of the literature. Eur J Clin Nutr 2010; 64: 16–22 CrossRef MEDLINE
2.Freigang R, Geier AK, Schmid GL, Frese T, Klement A, Unverzagt S: Misclassification of self-reported body mass index categories—a systematic review and meta-analysis. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 253–60 VOLLTEXT
3.Rico-Martín S, Calderón-García JF, Sánchez-Rey P, Franco-Antonio C, Martínez Alvarez M, Sánchez Muñoz-Torrero JF: Effectiveness of body roundness index in predicting metabolic syndrome: a systematic review and meta-analysis. Obes Rev 2020 (Epub ahead of print) CrossRef MEDLINE

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