ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2020Hausärztetag: Praxen sollen entscheiden können

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Hausärztetag: Praxen sollen entscheiden können

Beerheide, Rebecca

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Für die bevorstehende Grippesaison fordert der Hausärzteverband, dass Praxisinhaber eigenverantwortlich handeln können. Zudem dürfe es keine Regresse beim Impfen gegen Influenza geben. Auch für den Stand bei der Digitalisierung findet der Verband klare Worte.

Eigenverantwortung soll in den Praxen bleiben: Hausärzte-Chef Ulrich Weigelt (links) und seine Stellvertreterin Anke Richter- Scheer mit deutlichen Aussagen zu Plänen der Politik, in die Praxisorganisation einzugreifen. Fotos: Georg J. Lopata
Eigenverantwortung soll in den Praxen bleiben: Hausärzte-Chef Ulrich Weigelt (links) und seine Stellvertreterin Anke Richter- Scheer mit deutlichen Aussagen zu Plänen der Politik, in die Praxisorganisation einzugreifen. Fotos: Georg J. Lopata

Fieberambulanzen, telefonische Krankschreibung und Kritik an der Digitalisierung: Der Hausärzteverband fordert angesichts des Starts der kälteren Jahreszeit eine zügige Rückkehr zur telefonischen Krankschreibung. Eine große Mehrheit der Delegierten der Herbstsitzung des Deutschen Hausärzteverbandes Mitte September in Berlin stimmte einem entsprechenden Antrag zu. Zuvor hatte der Vorsitzende Ulrich Weigeldt in seiner Rede an die Delegierten betont, dass der Verband stark dafür geworben hatte, die Möglichkeit einer telefonischen Arbeits­unfähigkeits­bescheinigung per Telefon zu verlängern. „Wir sollten bei dieser patienten- wie praxisentlastenden Regelung dauerhaft bleiben können.“ Es sei eine Option und keine Pflicht, so bei bekannten Patienten in der Grippesaison vorzugehen. Hier sei nun auch die Selbstverwaltung gefordert, zügig Schritte umzusetzen.

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Keine Regresse für Impfungen

Bei der nun bevorstehenden Grippeimpfung erwartet der Hausärzteverband ein steigendes Interesse von Patientinnen und Patienten. Weigeldt betonte, dass dafür genügend Impfdosen vorhanden sein müssten und die Distribution „flexibler gestaltet werden muss.“ Es dürfe nicht zu regionalen Lieferengpässen kommen. Falls doch weniger Interesse am Impfstoff bestehen sollte, dürfe es dafür keine Regeresse geben. „Es kann nicht sein, dass die Ärzteschaft zum Impfen aufgefordert wird und gleichzeitig Regresse fürchten muss, weil sie die Abnahmemenge im Vorhinein nur schwer einschätzen konnte.“

Seine Stellvertreterin, Anke Richter-Scheer, erklärte im Vorfeld der Delegiertenversammlung, dass im Winter ein Umdenken in den Arztpraxen und bei den Patienten erfolgen müsse. Praxen müssten sich – je nach regionalen und räumlichen Gegebenheiten – neu organisieren und Infektpatienten von Nicht-Infektpatienten besser trennen. Dabei helfen aber keine Vorgaben aus der Politik, das müsse jede Praxis für sich selbst organisieren können, so die einhellige Forderung des Verbandes. Die Betreuung von Patienten in extra eingerichteten Testzentren sei nicht immer optimal. „Bei vielen Patienten bleiben dann noch Fragen, die nur ein Hausarzt klären kann“, so Richter-Scheer. Ein Umdenken forderte sie auch von den Patienten: Ohne Anruf vorab könnten sie nicht mehr in die Praxis kommen, damit das Ansteckungsrisiko gemindert werde.

Vor den Delegierten mahnte Weigeldt, dass in die politischen Entscheidungen mehr Rat von Hausärzten einfließen solle. „Während die Politik und die Medien vor allem den Rat von Virologen einholen, haben wir in enger Abstimmung mit der DEGAM auf allen Ebenen versucht, Einfluss zu nehmen, um eine vernünftige Strategie nach den Grundsätzen von Epidemiologie und Evidenz im Umgang mit der Pandemie zu erreichen.“

Garant in der Pandemie

Gerade die hausärztlichen Praxen seien der Garant, die Krankenhäuser nicht in Überforderungssituationen kommen. „Viele andere haben sich in der Zeit vom Acker gemacht und sind in den Urlaub gefahren“, so Weigeldt mit Blick auf fachärztliche Praxen. Außerdem kritisierte der Verband, dass die Medizinischen Fachangestellten (MFA) nicht von der Coronaprämie für Pflegekräfte in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen profitieren sollen. In einem weiteren Antrag forderten die Delegierten, dass die MFAs auch in einer Nationalen Teststrategie erwähnt werden sollen, damit es die Möglichkeit für kostenfreie Tests gibt.

Deutliche Kritik äußerten Weigeldt und Richter-Scheer am derzeitigen Stand der Digitalisierung in den Arztpraxen und der bundesweiten Pläne. Für Weigeldt sind da momentan keine Fortschritte erkennbar. „Es ist schon dreist, wenn angesichts der vielen Pannen und Ungereimtheiten im Gesetz allein klar formuliert wird, was wir zu erwarten haben, wenn wir nicht sofort zu 100 Prozent alle technischen Anforderungen erfüllen können und wollen.“ Rebecca Beerheide

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