ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2020Vorhofflimmern: DOAK mit unterschiedlichen Antikoagulationsrisiken verknüpft

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Vorhofflimmern: DOAK mit unterschiedlichen Antikoagulationsrisiken verknüpft

Eckert, Nadine

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Foto: nito/stock.adobe.com
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Die Gruppe der oralen Antikoagulantien (DOAK) ist im Vergleich zu Phenprocoumon offenbar mit einem erhöhten Schlaganfallsrisiko, aber mit weniger Blutungen verbunden. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Substanzen, wie eine vergleichende Beobachtungsstudie mit mehr als 800 000 GKV-Versicherten jetzt gezeigt hat. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) führte die Analyse mit den Daten aller 837 430 GKV-Patienten durch, die von 2011–2016 ein DOAK oder den Vitamin-K-Antagonisten (VKA) Phenprocoumon zur Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern verordnet bekommen hatten.

Es zeigte sich, dass DOAK-Patienten ein um 32 % höheres Schlaganfallrisiko hatten (Hazard Ratio [HR] 1,32; 95-%-Konfidenzintervall [KI] 1,29–1,35), während das Blutungsrisiko um 11 % niedriger lag als bei VKA-Patienten (HR 0,89; KI 0,88–0,90).

Doch der Vergleich der einzelnen DOAK mit VKA ergab Unterschiede: So war das relative Schlaganfallsrisiko unter Dabigatran (+93 %; HR 1,93; KI 1,82–2,03) und Apixaban (+52 %; HR 1,52; KI 1,46–1,58) deutlich und signifikant erhöht, unter Rivaroxaban leicht, aber ebenfalls signifikant erhöht (+13 %; HR 1,13; KI 1,10–1,17) und unter Edoxaban unverändert (HR 0,88; KI 0,74–1,05). Das Blutungsrisiko war im Vergleich zu VKA signifikant niedriger unter Edoxaban (–71 %; HR 0,29; KI 0,17–0,51), Apixaban (–29 %; HR 0,71; KI 0,70–0,73) und Dabigatran (–15 %; HR 0,85; 0,83–0,88), aber sehr leicht – dennoch signifikant – erhöht unter Rivaroxaban (+3 %; HR 1,03; KI 1,01–1,04).

Fazit: Die Untersuchung liefert wichtige ergänzende Erkenntnisse für die Verschreibungspraxis in Deutschland. DOAK wurden in großen Studien meist mit dem in den USA und Großbritannien verbreiteten VKA Warfarin verglichen. Für Phenprocoumon, das rund 99 % aller Verschreibungen in Deutschland ausmacht, fehlten umfassende Vergleichsstudien. Die Daten zeigten, so der Vorstandsvorsitzende des Zi, Dr. rer. pol. Dominik Graf von Stillfried, dass eine pauschale Neueinstellung beziehungsweise Umstellung von Patienten mit gut eingestellter VKA-Therapie nicht angezeigt sei.

Nadine Eckert

Paschke LM, et al.: Comparing stroke prevention therapy of direct oral anticoagulants and vitamin K antagonists in patients with atrial fibrillation: a nationwide retrospective observational study. BMC Medicine 2020 Aug 27; doi: 10.1186/s12916–020–01695–7.

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silvan.griesel
am Donnerstag, 15. Oktober 2020, 17:23

Wo sind die absoluten Risiken?

Sehr geehrte Frau Eckert,

könnten Sie dazu Stellung nehmen, weshalb Sie sich für die ausschließliche Darstellung der relativen Risiken bzw. der relativen Risikoreduktion entschieden haben? Für einen Vergleich der DOAKs an sich ist zunächst die relative Risikoreduktion sinnvoll, da Sie unabhängig vom Ausgangsrisiko einer Studienpopulation ist. Wenn ich mich aber dafür interessiere, wie groß der Effekt der Intervention / des Medikaments tatsächlich ist, brauche ich die absolute Risiken und die absolute Risikoreduktion - zumindest in jedem Fall ergänzend. Wenn ich den Artikel lese, müsste ich mich ab jetzt immer für Edoxaban als DOAK entscheiden, da es relativ zu anderen DOAKs weniger Blutung und weniger Schlaganfälle macht. Allerdings könnte es weiterhin sein, dass die absoluten Risikounterschiede zwischen den DOAKs minimal sind und der Unterschied klinisch nicht relevant ist.

Kürzlich war dazu wieder eine Kolumne im DÄ zu lesen.

Gerne auch eine Antwort an silvan.griesel@posteo.de.

Vielen Dank.

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