ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2020Herzinsuffizienz: Dapagliflozin wirkt kardioprotektiv bei Patienten mit und ohne Diabetes

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Herzinsuffizienz: Dapagliflozin wirkt kardioprotektiv bei Patienten mit und ohne Diabetes

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: SciePro/stock.adobe.com
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Der SGLT2-Hemmer Dapagliflozin, zunächst für die Blutzuckersenkung bei Typ-2-Diabetes entwickelt und für diese Indikation zugelassen, vermindert bei Patienten mit Herzinsuffizienz und reduzierter Auswurffraktion (HFrEF) das Risiko für die Verschlechterung der Erkrankung und für kardiovaskulären Tod deutlich. Das belegen die Daten einer Phase-3-Studie (1, 2).

In die internationale, randomisierte, doppelblinde DAPA-HF-Studie sind 4 744 erwachsene Patienten mit Herzinsuffizienz (NYHA-Stadium 2–4) und reduzierter linksventrikulärer Ejektionsfraktion (LVEF ≤ 40 %) aufgenommen worden. Ein weiteres Einschlusskriterium waren erhöhte Werte von N-terminalem pro-B-type natriuretischem Peptid (NT-proBNP), ein vom Herzmuskel sezerniertes Vorläufermolekül von BNP. Dieses wirkt der erhöhten Volumen- und Druckbelastung entgegen.

55 % hatten keinen Typ-2-Diabetes (n = 2 605). Bei den Patienten mit Diabetes (n = 2 139) betrugen die HbA1c-Level zu Studienbeginn ≥ 6,5 %, in der Gruppe ohne Diabetes maximal 5,7 %. 2 Drittel dieser Gruppe hatten einen HbA1c-Wert von < 5,7 %.

Rekrutiert wurde an 410 Zentren in 20 Nationen inklusive Deutschland. Die Teilnehmer wurden randomisiert in eine Gruppe, die Dapagliflozin 10 mg einmal täglich zusätzlich zur Standardtherapie erhielt (n = 2 373; ohne Diabetes: n = 1298), und eine zweite Gruppe mit Placebo (n = 2 371; ohne Diabetes: n = 1 307). Der primäre Studienendpunkt war zusammengesetzt aus einer klinischen Verschlechterung der Herzinsuffizienz, definiert als Notfallarzt-Kontakt oder stationäre Behandlung wegen Herzinsuffizienz, oder kardiovaskulär bedingtem Tod, jeweils nach 18 Monaten.

In der Gruppe mit Diabetes trat der primäre Endpunkt bei 20 % unter Verum und 25,5 % unter Placebo auf (1). Damit war in der Dapagliflozin-Gruppe das Risiko für den primären Endpunkt im Vergleich zu Placebo um relativ 25 % reduziert (Hazard Ratio [HR]: 0,75; [95-%-Konfidenzintervall] [0,63; 0,90]; p = 0,002). Bei Patienten ohne Diabetes verminderte sich das Risiko für den Endpunkt um relativ 27 % (Verum: 13,2 %; Placebo: 17,7 %; HR: 0,73; [0,60; 0,88]; p = 0,002). Auch die Herzinsuffizienz-Symptomatik verbesserte sich deutlich. Das Risiko für kardiovaskulären Tod wurde in der Verumgruppe bei Teilnehmern ohne Diabetes um relativ 15 % gesenkt (p = 0,23) und bei Patienten mit Diabetes um relativ 21 % (p = 0,06).

Differenzen zwischen Verum und Placebo waren über verschiedene Subgruppen hinweg konsistent. In der Gruppe ohne Diabetes und bei einem HbA1c-Wert < 5,7 % erreichten 12,1 % unter Verum den primären Endpunkt und 16,9 % unter Placebo (HR: 0,67).

Das Niveau der Standardtherapie war hoch. Die meisten Studienteilnehmer erhielten ACE-Hemmer, AT1-Rezeptorblocker, Angiotensinrezeptor-Neprilysininhibitoren, Betablocker oder Mineralkortikoid-Rezeptorantagonisten. Signifikante Unterschiede im primären Endpunkt zwischen Verum und Placebo bestanden über diese Standardtherapien hinweg (2). Das Sicherheitsprofil von Dapagliflozin entsprach in der DAPA-HF-Studie dem bekannten Profil des Medikaments.

Fazit: Der SGLT2-Hemmer Dapagliflozin bewirkt, was man von einem Herzinsuffizienzmedikament erwartet, heißt es im Kommentar (3): Symptome verbessern, stationäre Behandlungen reduzieren und die Überlebenswahrscheinlichkeit erhöhen. Dapagliflozin war auch bei Herzinsuffizienz-Patienten ohne Diabetes wirksam. Der Mechanismus dieser Effekte auf die Herzfunktion sei noch nicht bekannt, so der Kommentar, aber die Blutzuckersenkung habe hier untergeordnete Bedeutung. Damit entwickele sich die SGLT2-Hemmung zu einer kardioprotektiven Behandlung.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Petrie MC, Verma S, Docherty KF, et al.: Effect of dapagliflozin on worsening heart failure and cardiovascular death in patients with heart failure with and without diabetes. JAMA 2020; 323: 1353–68.
  2. Docherty KF, Jhund PS, Inzucchi SE, et al.: Effects of dapagliflozin in DAPA-HF according to background heart failure therapy. Eur Heart J 2020; 41: 2379–92.
  3. Neal B, Arnott C: A novel cardioprotective therapy that also improves glycemia. JAMA 2020; 323: 1349–50.

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