ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2020Honorar 2021: Ärzte kritisieren Honorarergebnis

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Honorar 2021: Ärzte kritisieren Honorarergebnis

Beerheide, Rebecca

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Die Entscheidung sei ein „Affront gegen die Vertragsärzteschaft“: So urteilt die Kassenärztliche Bundesvereinigung über die Honorarverhandlung mit dem GKV-Spitzenverband. Je nach Rechnung gibt es zwischen 500 Millionen Euro und einer Milliarde Euro zusätzlich in der ambulanten Versorgung.

Der Orientierungswert steigt um 1,25 Prozentpunkte für das Jahr 2021. Foto: weyo/stock.adobe.com
Der Orientierungswert steigt um 1,25 Prozentpunkte für das Jahr 2021. Foto: weyo/stock.adobe.com

Gegen die Stimmen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hat der Erweiterte Bewertungsausschuss beschlossen, den Orientierungswert ab 1. Januar 2021 um 1,25 Prozentpunkte anzupassen – dies entspricht aufgerundet 500 Millionen Euro für die Vertragsärztinnen und -ärzte. Der KBV-Vorstand zeigte sich „bitter enttäuscht“ von der Entscheidung. „Das ist eine grobe Missachtung der Leistungen der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen“, sagte KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. med. Andreas Gassen. Im Erweiterten Bewertungsausschuss haben je drei Vertreter der KBV sowie des GKV-Spitzenverbandes Stimmrecht, dazu kommen drei unparteiische Mitglieder unter der Leitung von Prof. Dr. rer. pol. Jürgen Wasem. Ursprünglich hatte die KBV drei Prozent gefordert, die Krankenkassen eine Nullrunde.

Daraus entstand nun das Honorarergebnis für 2021: Der Orientierungswert wird um 1,25 Prozentpunkte auf 11,1244 Cent (aktuell 10,9871 Cent) angehoben. Die Gesamtvergütung steigt um knapp eine halbe Milliarde Euro. Um den zusätzlichen Behandlungsbedarf aufgrund der älterwerdenden Bevölkerung abzudecken, wurden am 11. August die regionalen Veränderungsraten der Morbidität und Demografie beschlossen. Sie bilden die Grundlage für die regionalen Vergütungsverhandlungen, die im Herbst beginnen. Für den steigenden Behandlungsbedarf wird ein zusätzlicher Vergütungsumfang von 70 Millionen Euro erwartet.

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Der GKV-Spitzenverband errechnet das Ergebnis der diesjährigen Honorarverhandlungen anders: Statt 500 Millionen Euro zusätzlich, spricht der Kassenverband von einer Milliarde Euro Zuwachs. Denn neben der Morbiditätsveränderung gebe es einen Mengenanstieg bei den extrabudgetierten Leistungen und weitere neue Leistungen in der ambulanten Versorgung. „Diese ausgewogene Entscheidung des Erweiterten Bewertungsausschusses berücksichtigt sowohl die Honorarinteressen der niedergelassenen Ärzteschaft als auch die unserer Beitragszahler“, erklärte Stefanie Stoff-Ahnis, Vorstand beim GKV-Spitzenverband.

Ganz anders sehen das die KBV und Ärzteverbände: „Milliarden fließen in die Krankenhäuser, Milliarden erhält der Öffentliche Gesundheitsdienst, aber für die Vertragsärzte soll nun kein Geld mehr da sein“, so Gassen. „Insbesondere während der letzten Monate der Corona-Pandemie trugen die Niedergelassenen die Hauptlast der Versorgung“, betonte Dr. med. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorsitzender der KBV. Nun sei für die Kolleginnen und Kollegen offenbar noch nicht mal genug Geld da, um die massiv gestiegenen Aufwendungen in den Praxen aufzufangen.

Verlierer der Verhandlungen

Die niedergelassenen Vertragsärzte seien die Verlierer der Coronakrise, kritisierte Dr. med (I.) Klaus Reinhardt, Vorsitzender des Hartmannbundes. Die an die Praxen gerichtete immense Erwartungshaltung in der Pandemie, aber auch mit Blick auf Digitalisierung und die Übernahme zusätzlicher Leistungen, solle offensichtlich zum Nulltarif über die Bühne gehen.

„Wer auf diese Weise Honorarverhandlungen führt, dreht der Feuerwehr auch während des Großbrandes das Wasser ab“, kritisierte der Bundesvorsitzende des NAV-Virchowbundes, Dr. med. Dirk Heinrich. Die Kassen würden versuchen, die Kosten für „unsinnige, politisch gewollte“ Massentests am falschen Ende wieder einzusparen.

Auch Dr. med. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder-und Jugendärzte, fand deutliche Worte: „Diese Entscheidung ist ein Schlag ins Gesicht jedes niedergelassenen Arztes. Bereits in den letzten Jahren sind unsere Honorare nur minimal gestiegen: Während die Bruttolöhne und -gehälter im Durchschnitt jährlich um mehr als vier Prozent stiegen, speiste man uns mit Honorarzuwächsen um die 1,5 Prozent ab.“ Rebecca Beerheide

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