ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2020Gebrechlichkeit als Prognosefaktor in der Intensivmedizin
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Hintergrund: Der Anteil hochbetagter Intensivpatienten, das heißt von Patienten im Alter ab 80 Jahren, nimmt kontinuierlich zu. Zwischen 2007 und 2011 waren bereits mehr als 20 % der deutschen Intensivpatienten 80 Jahre und älter. Gleichzeitig werden die therapeutischen Möglichkeiten zur Organunterstützung und zum Lebenserhalt kontinuierlich weiterentwickelt. Die Gebrechlichkeit (englisch „frailty“) stellt einen entscheidenden Parameter für die Prognose dar. Die wissenschaftlich fundierte Beurteilung der Gebrechlichkeit kann die Intensivmedizin bei der konsentierten Entscheidungsfindung, zur individualisierten Prognoseabschätzung, Therapieplanung und Weiterversorgung unterstützen.

Methode: Es erfolgte eine selektive Literaturrecherche in der Datenbank PubMed. Basierend auf der Literaturauswertung werden verschiedene Screening-Instrumente zur Beurteilung der Gebrechlichkeit und ihre Bedeutung für den hochbetagten kritisch Kranken auf deutschen Intensivstationen vorgestellt.

Ergebnisse: Für die tägliche Praxis auf deutschen Intensivstationen sind nur wenige Screening-Instrumente geeignet. Die Scores unterscheiden sich in ihrer diagnostischen Trennschärfe. Die Clinical Frailty Scale (CFS) hat eine hohe diagnostische Aussagekraft zur Prognose. Die CFS setzt den Patienten in Relation zur sozialen Umgebung und zur Referenzpopulation. Die Zuordnung erfolgt anhand von Piktogrammen, ergänzt durch kurze schriftliche Beschreibungen. Sie ist prospektiv anwendbar und einfach zu erlernen. Die Interrater-Reliabilität ist hoch (gewichtetes Cohen´s κ: 0,85 [0,84; 0,87]) und sie ist für die tägliche intensivmedizinische klinische Praxis in Deutschland validiert.

Schlussfolgerung: Mit keinem der Scores kann die Prognose mit absoluter Sicherheit vorhergesagt werden. In Deutschland kann die Gebrechlichkeit in der Intensivmedizin derzeit am besten durch eine einfache visuelle Skala (CFS) erfasst werden.

LNSLNS

Hochbetagte und alte Patienten, das heißt Patienten im Alter ab 80 beziehungsweise ab 65 Jahren, stellen eine wachsende Subgruppe der Intensivpatienten dar. Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2030 mehr als 25 % der Bevölkerung Westeuropas 65 Jahre und älter sein werden (1). Im deutschsprachigen Raum stieg zwischen 1998 und 2008 der Anteil an hochbetagten Intensivpatienten von 11,5 % auf 15,3 % (Österreich) (2). In einer anderen Untersuchung aus den Jahren 2007 bis 2011 waren bereits mehr als 20 % der deutschen Intensivpatienten 80 Jahre oder älter (3). Vergleichbare Anstiege konnten auch in Dänemark, den Niederlanden und Australien beobachtet werden (e1, e2, e3). In Skandinavien wird bis 2025 ein Anstieg der hochbetagten Intensivpatienten auf 36 % erwartet (e4).

Schätzungsweise 25–50 % der Patienten ≥ 80 Jahre werden als gebrechlich klassifiziert (e5). Die WHO definiert Gebrechlichkeit (englisch „frailty“) als klinisch erkennbaren Zustand, in dem die Fähigkeit älterer Menschen mit alltäglichen, aber auch akuten Stressoren umzugehen, reduziert ist. Ein hohes Alter ist allerdings nicht gleichbedeutend mit Gebrechlichkeit, vielmehr ist die Genese multifaktoriell (e6): Genetik, Epigenetik und Umweltfaktoren führen über einen kumulativen molekularen und zellulären Schaden zu einer reduzierten physiologischen Reserve, die alle Organsysteme betreffen kann (Grafik). Die Geschwindigkeit von derartigen Alterungsprozessen ist variabel und verläuft über Jahrzehnte. Dies führt zu einer erheblichen biologischen und funktionellen Heterogenität innerhalb der Gruppe hochbetagter Patienten (e7). Die Abgrenzung der Multimorbidität von der Gebrechlichkeit ist nicht immer einfach. Aus großen klinischen Studien ist bekannt, dass die Multimorbidität – gemessen als „Comorbidity and polypharmacy score (CPS) (e8)“ – alleine beim akut kritisch kranken älteren Patienten keinen prädiktiven Wert für die 30-Tages-Mortalität hat (4).

Pathophysiologische Prozesse im Zusammenhang mit der Entwicklung und den Folgen der Gebrechlichkeit. (modifiziert und übersetzt nach Clegg et al. [e5])
Grafik
Pathophysiologische Prozesse im Zusammenhang mit der Entwicklung und den Folgen der Gebrechlichkeit. (modifiziert und übersetzt nach Clegg et al. [e5])

Nach kritischer Erkrankung weisen gebrechliche Patienten eine deutliche höhere funktionelle Beeinträchtigung auf als nichtgebrechliche Patienten und müssen signifikant häufiger in ein Pflegeheim aufgenommen werden (5, e9). Insgesamt besteht für gebrechliche Patienten im Vergleich zu gleichaltrigen nichtgebrechlichen Patienten ein deutlich erhöhtes Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko (5). Besonders beim alten kritisch Kranken ist die Intensivmedizin daher gefordert, die Prognose für den Patienten abzuschätzen. So konnte eine Subgruppenanalyse der ELDICUS-Studie zeigen, dass der relative Vorteil – das heißt die Mortalitätsdifferenz zwischen Patienten mit und Patienten ohne intensivmedizinische Behandlung – bei hochbetagten Patienten am größten ist (2,3 % in der Altersgruppe 18–44 Jahre versus 17 % bei Patienten über 84 Jahre) (1). Dieser relative Vorteil bestand trotz initial vergleichbarer intensivmedizinischer Scores als Maß für den Krankheitsschweregrad (SOFA, APACHE, SAPS-II). Das Ergebnis unterstreicht, dass diese etablierten Messinstrumente bei hochbetagten Patienten nicht alle relevanten Dimensionen abbilden, da sie die funktionelle Heterogenität in dieser Altersgruppe nicht ausreichend berücksichtigen (6).

Neben der Erfassung der akuten Erkrankung, die zur Aufnahme auf die Intensivstation geführt hat, und deren spezifischer Prognose, kann die Einschätzung der Gebrechlichkeit dabei helfen, die Prognose abzuschätzen und die auf den Patienten bezogene individuelle Behandlung zu verschiedenen Zeitpunkten zu planen: Sie kann zur Erhebung des Zustands vor der akuten Erkrankung, die zur Hospitalisierung geführt hat, beitragen. Die Einschätzung der Gebrechlichkeit kann so bereits bei Aufnahme auf die Intensivstation dazu nutzen, die Langzeitprognose zu beurteilen, die Rehabilitationsfähigkeit nach Intensivbehandlung abzuschätzen und die Sinnhaftigkeit einer fortgeführten intensivmedizinischen Therapie zu (re-)evaluieren (e10). Im Zentrum sollte dabei die konsentierte Entscheidungsfindung mit den Patienten und Angehörigen stehen. Diese Bewertung sollte – wie jede medizinische Entscheidung – die Leitgedanken „Gutes tun“ („bonum facere“), „nicht schaden“ („non nocere“) und den Patientenwillen („Der Wille des Patienten ist das höchste Gesetz“ [„voluntas aegroti suprema lex“]) einschließen (7). Zu diesem Zweck wurden zahlreiche Instrumente entworfen, die sich im Hinblick auf die zugrunde liegenden Konzepte, die zur Einschätzung („scoring“) benötigten Informationen und die klinischen Validierungen unterscheiden. Bisher konnte in keiner randomisierten kontrollierten Studie gezeigt werden, dass die Erhebung eines Scores mit einem Überlebensvorteil verbunden ist. Dennoch ist die Gebrechlichkeit ein von der spezifischen Akuterkrankung unabhängiger Prädiktor für das Überleben, die Komplikationsrate und die Lebensqualität nach intensivmedizinischer Behandlung (8).

Diese Übersichtsarbeit setzt die Reihe der zum Thema Gebrechlichkeit bereits im Deutschen Ärzteblatt erschienenen Arbeiten von Mende et al. und Olotu et al. fort (9, 10). Während Mende et al. (9) eine exzellente Übersicht über die Vielzahl an existierenden Screening-Instrumenten geben, arbeiten Olotu et al. (10) die Rolle der Gebrechlichkeit in der perioperativen Medizin heraus. Im vorliegenden Übersichtsartikel wird der Stellenwert der Gebrechlichkeit für die Prognose und Behandlungsplanung eines akut kritisch erkrankten Patienten im hohen Lebensalter vorgestellt und es werden verschiedene etablierte Screening-Methoden für den Gebrauch auf deutschen Intensivstationen diskutiert. Da bereits jetzt die Dokumentation und Verwaltung große Zeitkontingente der Intensivmedizinerinnen und -mediziner beanspruchen, liegt ein wichtiger Fokus auf der Beantwortung der Frage, inwiefern die Einschätzung schnell und sicher im Alltag auf deutschen Intensivstationen durchführbar ist.

Methode

Für diese Übersichtsarbeit wurde eine selektive Literaturrecherche in der Datenbank PubMed durchgeführt, unter Einbeziehung von Originalarbeiten, nationalen und internationalen Leitlinien sowie Metaanalysen und systematischen Reviews. In die Auswertung eingeschlossen wurden nur Arbeiten, die zwischen 01. 01. 2001 und 28.  03. 2020 publiziert wurden. Die verwendeten Suchkriterien und Suchbegriffe sind im eKasten 1 wiedergegeben.

Literaturrecherche
eKasten 1
Literaturrecherche
Modifizierter Frailty Index (mFI)
eKasten 2
Modifizierter Frailty Index (mFI)

Ergebnisse

Screening-Methoden

Die Konzepte, Gebrechlichkeit mit unterschiedlichen operationalisierten Messungen zu quantifizieren, unterscheiden sich zum Teil deutlich voneinander (e11, 11). Daher wurde eine große Zahl verschiedener Instrumente zur qualitativen und quantitativen Einordnung individueller Gebrechlichkeit entwickelt. Eine Übersicht der hier besprochenen Instrumente gibt Tabelle 1. Eine detaillierte Übersicht ist bei Mende et al. zu finden (9). Die Scores unterscheiden sich – je nach Studie – in ihrer diagnostischen Trennschärfe. Mit keinem der Scores kann man mit absoluter Sicherheit die Prognose vorhersagen. Die entsprechenden diagnostischen Kennzahlen mit ausgewählten relevanten Studien, unter besonderer Berücksichtigung der Intensivmedizin, werden für alle hier diskutierten Screening-Methoden in Tabelle 2 und der eTabelle dargestellt.

Verschiedene Methoden zum Gebrechlichkeitsscreening
Tabelle 1
Verschiedene Methoden zum Gebrechlichkeitsscreening
Ausgewählte Studien zu Instrumenten zum Gebrechlichkeitsscreening, die für deutsche Intensivstationen relevant sind*
Tabelle 2
Ausgewählte Studien zu Instrumenten zum Gebrechlichkeitsscreening, die für deutsche Intensivstationen relevant sind*
Diagnostische Kennzahlen der einzelnen Instrumente mit weiteren ausgewählten Studien ohne besondere Relevanz für deutsche Intensivstationen*
eTabelle
Diagnostische Kennzahlen der einzelnen Instrumente mit weiteren ausgewählten Studien ohne besondere Relevanz für deutsche Intensivstationen*

Frieds Phänotypen

Die „Phänotypen der Gebrechlichkeit“ nach Fried (FP) basieren auf fünf Kriterien, anhand derer die individuellen funktionellen Fähigkeiten beurteilt werden können (12):

  • ungewollter Gewichtsverlust
  • allgemeine Erschöpfung
  • Muskelschwäche
  • langsame Gehgeschwindigkeit
  • reduzierte körperliche Aktivität.

Für jedes erfüllte Kriterium wird ein Punkt vergeben, aus denen schließlich eine Summe gebildet wird: Bei 0 Punkten wird der Patient als „robust“, bei 1–2 Punkten als „pre-frail“ und bei ≥ 3 als „frail“ eingeschätzt. Die FP wurden prospektiv bei alten (≥  70 Jahre) Intensivpatienten validiert (5): Unter den Patienten, die die Intensivstation lebend verlassen hatten, wiesen die gebrechlichen Patienten im Langzeitvergleich eine signifikant höhere Inzidenz von dauerhafter Pflegebedürftigkeit und Mortalität auf. Eine Limitation der FP ist die Notwendigkeit aktiver Partizipation des Patienten selbst. Dies ist bei kritisch kranken Patienten nicht umsetzbar.

FRAIL-Scale

Die FRAIL-Scale basiert inhaltlich auf den Phänotypen nach Fried. Sie ist gleichzeitig ein Akronym und fragt – wie FP – die folgenden Punkte ab:

  • Fatigue (Müdigkeit)
  • Resistance (Muskelkraft; Fähigkeit, ein Stockwerk hochzusteigen)
  • Ambulation (Fähigkeit, 100 Meter zu gehen)
  • Illnesses (mehr als fünf Krankheiten) und
  • Loss of Weight (> 5 % oder 5 kg Gewichtsverlust in den letzten 6 Monaten).

Die Punkteauswertung entspricht der von FP. Der Unterschied zu FP ist, dass die Punkte objektivierbar sind (13). Dieser Score konnte in verschiedenen (US-amerikanischen) Studien validiert werden (e12, 14). Eine Studie mit Intensivpatienten im Alter ≥  65 Jahre ergab, dass – bei vergleichbarem SOFA-Score – eine signifikant höhere 1- und 6-Monatsmortalität bei den nach FRAIL-Scale als gebrechlich klassifizierten Patienten bestand (15). Die FRAIL-Scale wurde bisher nicht für deutsche Intensivstationen validiert.

Frailty index, modified Frailty index und electronic Frailty index

Frailty Indices (FI) sind Modelle zur Messung kumulativer Defizite. Sie beruhen auf Symptomen, klinischen Zeichen, Erkrankungen und Laborwerten, die als Defizite für den gebrechlichen Patienten identifiziert wurden. Ursprünglich wurden auf diese Weise 70–92 Variablen definiert (16). Entscheidend ist, dass die Variable biologisch plausibel ist, mit dem Alter zunimmt und nicht in zu jungem Alter von allen Patienten erfüllt wird (17). Der Unterschied zwischen FI und dem „electronic Frailty index“ (eFI) ist, dass FI eine Eigenanamnese des Patienten anhand eines umfangreichen Fragebogen vorsieht, während der daraus entwickelte eFI routinemäßig verfügbare digitale Informationen auswertet (18). In weiteren Studien gelang es, diese Indizes bei chirurgischen Patienten ohne Genauigkeitsverlust auf 11 Elemente (mFI, modified FI) (Tabelle 2) zu reduzieren (19). Auf einer chinesischen geriatrischen Intensivstation mit Patienten (≥  65 Jahre) wurde ein modifizierter FI mit 52 Kriterien verwendet. Dieser Frailty Index (FI) konnte je nach Cut-off-Wert die 30-Tages-Mortalität mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhersagen (e13). Eine weitere Studie konnte diese Ergebnisse reproduzieren (e14). Die Resultate sind allerdings nur sehr schwer auf deutsche Verhältnisse übertragbar. Problematisch ist, dass viele Studien unterschiedliche FIs benutzen. Die Anwendung sowohl von FI als auch von eFI ist zeitaufwendig und benötigt Informationen, die bei Aufnahme auf einer Intensivstation in der Regel nicht vorliegen. Es gibt derzeit keine Validierung für deutsche Intensivstationen.

Hospital Frailty Risk Score

Der Hospital Frailty Risk Score (HFRS) stellt eine Weiterentwicklung des eFI dar und nutzt ICD-10-Codes, um die Gebrechlichkeit einzuschätzen (20). Gilbert et al. führten dafür eine Cluster-Analyse mit älteren Patienten durch, die im Vergleich zu Gleichaltrigen eine erhöhte Mortalität und Morbidität aufwiesen. So konnten 109 ICD-10-Codes identifiziert werden, die in dieser Gruppe überrepräsentiert waren. Jeder einzelne ICD-Code wird dabei unterschiedlich gewichtet. Ein Score von > 5 war gleichbedeutend mit „intermediate risk“ und > 15 mit „high risk“ für Gebrechlichkeit. Der überwiegende Teil der Studien, die den HFRS untersucht haben, waren retrospektive Analysen (20). Üblicherweise stehen der aufnehmenden Ärztin/dem aufnehmenden Arzt in Deutschland keine Listen mit ICD-10-Codes des Patienten zur Verfügung. Für die Intensivmedizin konnte gezeigt werden, dass der HFRS keinen Zusatznutzen bei der Einschätzung der Mortalität hat (21, 22). In der Zusammenschau ist der HFRS in Deutschland weder praktikabel umsetzbar noch von prognostischem Nutzen.

Clinical Frailty Scale

Die Clinical Frailty Scale (CFS) basiert auf dem FI, zeigt mit diesem eine hohe Korrelation und ist im Vergleich ein deutlich vereinfachtes Instrument (23). In einem weiteren Schritt wurde die CFS speziell für den Einsatz auf Intensivstationen weiterentwickelt (24). Die CFS setzt die Patienten in Relation zur sozialen Umgebung („benötigt Hilfe beim Waschen“) und zur jeweiligen Referenzpopulation („der Patient ist deutlich fitter als seine Altersgruppe“). Dies unterscheidet die CFS von den FP, die dafür detaillierter auf die Sarkopenie – ein zur Gebrechlichkeit komplementäres Syndrom mit vielen Schnittmengen – eingeht (25). Anhand von Piktogrammen werden verschiedene Stufen der Gebrechlichkeit abgebildet (1 = „sehr fit“; ≥ 5 =„gebrechlich“, 9 = „terminal erkrankt“). Die Piktogramme wurden unter anderem von der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie übersetzt und sind im Internet frei zugänglich (www.uniklinik-duesseldorf.de/cfs).

Die CFS integriert sowohl körperliche als auch kognitive Elemente und liefert zusätzliche kurze schriftliche Beschreibungen. Für die Einordnung ist in der Regel die (sekundäranamnestische) Stellungnahme eines Familienmitglieds oder einer Pflegeperson notwendig, wobei die Einschätzung auch ohne Kontakt zu Familienmitgliedern zuverlässig funktioniert (26). Die CFS ist für Patienten ab 50 Jahre erfolgreich validiert worden (8). Bei Intensivpatienten ist die CFS mit dem Cut-off-Wert von ≥ 5 dem intensivmedizinischen Score SAPS 3 bei der Prädiktion des 30-Tages-Überlegen ebenbürtig (27). Auch nach Adjustierung für SAPS 3 blieb die CFS ein unabhängiger starker Prädiktor für die 30-Tages-Mortalität. Bei Intensivpatienten über 65 Jahre mit initial gleichem SOFA und SAPS II ist die CFS (Cut-off-Wert ≥ 5) sowohl den FP als auch konventionellen intensivmedizinischen Scores (SOFA, SAPS II) bei der Vorhersage der 6-Monats-Mortalität überlegen (25). In einer Subgruppenanalyse einer internationalen prospektiven Multicenterstudie war die CFS auf einer deutschen Intensivstation ebenfalls unabhängig mit der Prognose assoziiert (28). Eine umfangreiche Metaanalyse bestätigte sowohl die Praktikabilität als auch die Aussagekraft der CFS für die Intensivmedizin (29). Bei der Bewertung durch mehrere unabhängige Personen besitzt die CFS eine „fast perfekte“ Interrater-Reliabilität (gewichteter Cohen‘s ?: 0,85; 95-%-Konfidenzintervall: [0,84; 0,87]) (4). Die Einschätzung des Intensivteams unterscheidet sich nicht signifikant vom Konsiliarius für Geriatrie (30). Auch bei Notfallpatienten (≥ 65 Jahre) besitzt die CFS sowohl die hohe prädiktive Aussagekraft für 30-Tages-Mortalität und Hospitalisierung als auch eine gute Interrater-Realiabilität (gewichteter Cohen‘s κ: 0,74; [0,64; 0,85]) (31). Die CFS ist auch bei Patienten mit demenziellem Syndrom einsetzbar. Bei Patienten mit stabilen dauerhaften Behinderungen, wie beispielsweise frühkindlichem Hirnschaden, ist sie jedoch nicht validiert. Für Patienten mit demenziellem Syndrom muss dies bei der Einordnung in die Stufen 1–9 miteinbezogen werden. Entscheidend ist dabei, wie hoch der Unterstützungsbedarf der Patienten im Alltag ist. Die Einschätzung mittels FP ist komplexer als die mittels CFS, letztere ist aber in ihrer prognostischen Aussagekraft gleichwertig bis unterlegen (25, 32). Beide Scores zeigen eine hohe Korrelation.

Zusammenfassend ist die CFS – sowohl prospektiv als auch retrospektiv – für die Intensivmedizin validiert, einfach anwendbar und kann trotz des niedrigen Ressourcenaufwandes (Zuordnung anhand eines Piktogramms) mit hoher Zuverlässigkeit die Gebrechlichkeit eines Patienten einschätzen. Die Evaluation mittels CFS wird bereits vom National Institute for Health and Care Excellence empfohlen (e15). In Deutschland haben die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) die CFS übersetzt und kommentiert. Die CFS wird auch durch die S1-Leitlinie „Entscheidungen über die Zuteilung intensivmedizinischer Ressourcen im Kontext der COVID-19-Pandemie“ empfohlen. Aktuell wird die Eignung der CFS zur Prognoseeinschätzung bei COVID-19 in einer multizentrischen Studie prospektiv für die Intensivmedizin evaluiert (NCT04321265).

Ergänzende Scores

In großen prospektiven Multicenterstudien brachte die Erhebung zusätzlicher Scores, die die kognitive Leistungsfähigkeit (IQCODE) und den Grad der Unabhängigkeit bei täglichen Tätigkeiten (Katz Index of Independence for Activities of Daily Living) genauer abfragten, keinen über die CFS hinausgehende Zusatznutzen (4). Es gibt Versuche, geeignete Biomarker für die Gebrechlichkeit zu identifizieren („Troponin der Gebrechlichkeit“) (33). Die entscheidenden Prozesse, die dabei laborchemisch abgebildet werden müssen, sind die Inflammation, die mitochondriale Funktion, die Kalzium-Homöostase, die Fibrosemarker, neuronale Schädigungen und Marker des Zytoskeletts. Bisher konnte kein Einzelmarker allein eine Aussage über den Grad der Gebrechlichkeit treffen (e16). Aktuell werden diese Ansätze außerhalb von klinischen Studien in der Intensivmedizin nicht eingesetzt.

Resümee

Die Gebrechlichkeit ist ein unabhängiger starker Prädiktor für die Kurz- und Langzeitprognose von hochbetagten Patienten auf der Intensivstation. Es steht eine Vielzahl an Instrumenten zur Beurteilung der Gebrechlichkeit zur Verfügung. Von diesen ist ein Großteil nicht oder nur eingeschränkt für den Einsatz auf deutschen Intensivstationen geeignet (eTabelle) (15, 22, 30, 31, 32, 35, 36, 37, 38, e9, e13-e14). Im klinischen Alltag auf Intensivstationen hat sich die CFS bisher durch ihre überlegene Praktikabilität und ihre gute prognostische Aussagekraft bewährt.

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Manuskriptdaten
eingereicht: 31. 3. 2020, revidierte Fassung angenommen: 9. 6. 2020

Anschrift für die Verfasser
Prof. Dr. Dr. med. Christian Jung
Klinik für Kardiologie, Pulmonologie und Angiologie
Medizinische Fakultät
Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Moorenstraße 5, 40225 Düsseldorf
Christian.Jung@med.uni-duesseldorf.de

Zitierweise
Jung C, Bruno RR, Wernly B, Wolff G, Beil M, Kelm M: Frailty as a prognostic indicator in intensive care. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 668–73. DOI: 10.3238/arztebl.2020.0668

►Die englische Version des Artikels ist online abrufbar unter:
www.aerzteblatt-international.de

Zusatzmaterial
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cme plus

Dieser Beitrag wurde von der Nordrheinischen Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung zertifiziert. Die Fragen zu diesem Beitrag finden Sie unter http://daebl.de/RY95. Einsendeschluss ist der 1. Oktober 2021.

Die Teilnahme ist möglich unter cme.aerztebatt.de

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krankenhaus, Stockholm, Schweden: PD Dr. med. Bernhard Wernly
Klinik für Intensivmedizin, Hadassah-Hebrew Universitäts-
krankenhaus, Jerusalem, Israel: Prof. Dr. med. Michael Beil
Cardiovascular Research Institute Düsseldorf (CARID): Prof. Dr. med. Malte Kelm
Pathophysiologische Prozesse im Zusammenhang mit der Entwicklung und den Folgen der Gebrechlichkeit. (modifiziert und übersetzt nach Clegg et al. [e5] )
Grafik
Pathophysiologische Prozesse im Zusammenhang mit der Entwicklung und den Folgen der Gebrechlichkeit. (modifiziert und übersetzt nach Clegg et al. [e5] )
Verschiedene Methoden zum Gebrechlichkeitsscreening
Tabelle 1
Verschiedene Methoden zum Gebrechlichkeitsscreening
Ausgewählte Studien zu Instrumenten zum Gebrechlichkeitsscreening, die für deutsche Intensivstationen relevant sind*
Tabelle 2
Ausgewählte Studien zu Instrumenten zum Gebrechlichkeitsscreening, die für deutsche Intensivstationen relevant sind*
Literaturrecherche
eKasten 1
Literaturrecherche
Modifizierter Frailty Index (mFI)
eKasten 2
Modifizierter Frailty Index (mFI)
Diagnostische Kennzahlen der einzelnen Instrumente mit weiteren ausgewählten Studien ohne besondere Relevanz für deutsche Intensivstationen*
eTabelle
Diagnostische Kennzahlen der einzelnen Instrumente mit weiteren ausgewählten Studien ohne besondere Relevanz für deutsche Intensivstationen*
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