ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2020Corona-Warn-App: Wenige Infektionen gemeldet

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Corona-Warn-App: Wenige Infektionen gemeldet

Beerheide, Rebecca

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Nach 100 Tagen ist die deutsche Corona-Warn-App die erfolgreichste Anwendung ihrer Art in Europa. Aber noch gibt es zu wenige Warnungen und mehr Menschen könnten sie auf ihre Geräte laden. Für den Öffentlichen Gesundheitsdienst ist die App bisher kaum eine Hilfe.

Begleiterin bei einer Reise: Mit der Warn-App sollen vor allem unbekannte Kontakte gewarnt werden. Doch nur wenige senden die positiven Ergebnisse. Foto: picture alliance/dpa/Bodo Marks
Begleiterin bei einer Reise: Mit der Warn-App sollen vor allem unbekannte Kontakte gewarnt werden. Doch nur wenige senden die positiven Ergebnisse. Foto: picture alliance/dpa/Bodo Marks

Nützliches Werkzeug, Erfolg oder gar Rockstar: Die Bewertung der deutschen Corona-Warn-App fällt für die Bundesregierung und die beiden beteiligten Unternehmen 100 Tage nach Vorstellung der Anwendung positiv aus. So geht die Regierung davon aus, dass etwa 5 000 SARS-CoV-2-Infizierte ihre Kontaktpersonen über die Handy-Anwendung gewarnt haben. „Das ist viel, aber es reicht uns nicht“, sagte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) Mitte September. Denn nur etwa die Hälfte der App-Nutzer sende nach einer positiven Diagnose eine Warnung an die Kontaktpersonen, sagte der Minister. Bei Nutzern der Telefonhotline seien es 90 Prozent, die nach einem Anruf dort ihr positives Ergebnis in der App teilten. Die Amtsärzte in Deutschland sehen die App allerdings als „keine große Unterstützung an“, da die Daten nicht automatisch an die Gesundheitsämter geleitet werden. Laut Verbandsvorsitzender Dr. med. Ute Teichert komme es „äußert selten“ vor, dass App-Nutzer sich aufgrund einer App-Warnung meldeten.

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50 Millionen Smartphones

Insgesamt bewertete Spahn die App aber als Erfolg. Sie sei in Deutschland mehr als 18 Millionen Mal heruntergeladen worden. Dies entspreche in etwa der Zahl der Downloads aller anderen europäischen Warn-Apps zusammen. Gleichzeitig sieht die Telekom, dass es in Deutschland etwa 50 Millionen Smartphones gebe, die auf dem technischen Stand seien, die App zu nutzen. Vor allem Nutzer von Android-Systemen seien in der Nutzung noch unterrepräsentiert, hieß es von SAP.

Auch für Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) ist die deutsche App eine „große Erfolgsgeschichte“. Er verwies auf das „außergewöhnlich hohe Datenschutzniveau“ der Anwendung. Deswegen habe die Bundesregierung nur „begrenzte Zahlen zur Nutzerintensität“, sagte Braun. „Das ist keine Schwäche dieser App, es ist ihre ausdrückliche Stärke.“

In den kommenden Wochen soll die Corona-Warn-App um weitere Funktionen ergänzt sowie mit veränderten und erklärenden Texten aktualisieren werden. Damit könnte sie auch in zehn weiteren europäischen Ländern eingesetzt werden – dazu zählen Österreich, Tschechien, Dänemark, Estland, Irland, Italien, Lettland, Niederlande, Polen und Spanien. Das kündigte Telekom-Chef Timotheus Höttges an. In diesen Ländern kommuniziere die App des Bundes auch mit den jeweiligen nationalen Warn-Apps. Auch werde versucht, die Schweiz in den Verbund aufzunehmen. Länder wie Frankreich, die technisch einen zentralen Ansatz zur Datenspeicherung gewählt haben, könnten dagegen nicht integriert werden. Ähnliches gilt für Norwegen oder Großbritannien.

Nach Angaben von Höttges habe sich sein Unternehmen als technischer Dienstleister bemüht, in den vergangenen 100 Tagen die Testlabore so auszustatten, dass diese ihre Ergebnisse direkt in die App übertragen können. Man war dabei von 114 Laboren ausgegangen, dann haben sich 168 Labore gemeldet. Davon seien aber nicht alle bereit gewesen, sich mit der Technik auszustatten. „15 Labore haben uns gesagt, dass ihnen der Aufwand zu hoch sei.“

Der Technik-Vorstand von SAP, Jürgen Müller, mahnte, dass Ärzte auf dem Informationsblatt für Labore das Kreuzchen zur Übertragung der Ergebnisse in die App immer ausfüllen sollten, damit die Ergebnisse übertragen werden könnten. Rebecca Beerheide

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