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Die Autoren berichten über eine erste Fallserie an COVID-19 erkrankter Patienten und stellen 24 Fälle mit akutem Lungenversagen (ARDS) 26 Non-ARDS-Fällen gegenüber (1). Die Daten sind wichtig und daher extrem schnell publiziert worden, da es zum jetzigen Zeitpunkt erst wenige wissenschaftliche Erkenntnisse zu den klinischen Charakteristika der Erkrankung insbesondere in Deutschland gibt. Der Artikel weist aber einige Unklarheiten auf, die für die Interpretation der Daten von Bedeutung sind.

Zunächst beschreiben die Autoren, dass neben Bronchialsekret und Sputum auch „Serum, Urin und Stuhl auf das SARS-CoV-2 getestet“ wurden. In Tabelle 2 wird dann unter Virusnachweis auch Serum aufgeführt. Es bleibt unklar, was damit gemeint ist. Bisher geht man insbesondere davon aus, dass SARS-CoV-2 nicht durch Blut übertragen wird und auch im Stuhl wurden lebende Viren bisher nicht nachgewiesen (2). Sind hier Antikörpernachweise gemeint oder haben die Autoren tatsächlich Virusantigene im Blut entdeckt?

Des Weiteren fehlen detaillierte Hinweise zur Auswahl der Patienten. Angegeben wird, dass es sich um die ersten 50 Patienten des Klinikums handelte, jedoch wurden 16 (14 mit ARDS) zuverlegt. Es ist daher davon auszugehen, dass die Non-ARDS-Gruppe keine im wissenschaftlichen Sinne angemessene Vergleichsgruppe darstellt, weil sie anders selektioniert wurde und daher bestimmte Charakteristika der ARDS-Gruppe überschätzt sein könnten.

Schließlich wird unter den Kernaussagen aufgeführt, dass „COVID-19-Patienten ohne ARDS […] ebenfalls eine längere Hospitalisierung […]“ benötigen. Diese allgemeine Aussage lässt sich aus den Daten nicht ableiten, da ja nur eine kleine Anzahl hospitalisierter COVID-19-Fälle untersucht wurde. Tatsächlich zeigen unsere Erfahrungen (3), dass die meisten primär in der Notaufnahme vorstelligen Patienten ambulant behandelt werden können, wobei der Anteil der Patienten, die zu einem späteren Zeitpunkt stationär behandelt werden müssen, noch Gegenstand laufender Untersuchungen ist.

DOI: 10.3238/arztebl.2020.0717b

Prof. Dr. med. Martin Möckel, FESC, FAHA

Notfallmedizin/zentrale Notaufnahmen und Chest Pain Units Campus Charité Mitte und Campus Virchow-Klinikum, Charité – Universitätsmedizin Berlin

martin.moeckel@charite.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Dreher M, Kersten A, Bickenbach J, et al.: The characteristics of 50 hospitalized COVID-19 patients with and without ARDS. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 271–8 VOLLTEXT
2.
Wölfel R, Corman VM, Guggemos W, et al.: Virological assessment of hospitalized patients with COVID-2019. Nature 2020; 581: 465–9 CrossRef MEDLINE
3.
Möckel M, Bachmann U, Behringer W, Pfäfflin F, Stegemann MS: How emergency departments prepare for virus disease outbreaks like COVID-19. Eur J Emerg Med 2020; 27: 161–2 CrossRef MEDLINE PubMed Central
1.Dreher M, Kersten A, Bickenbach J, et al.: The characteristics of 50 hospitalized COVID-19 patients with and without ARDS. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 271–8 VOLLTEXT
2.Wölfel R, Corman VM, Guggemos W, et al.: Virological assessment of hospitalized patients with COVID-2019. Nature 2020; 581: 465–9 CrossRef MEDLINE
3.Möckel M, Bachmann U, Behringer W, Pfäfflin F, Stegemann MS: How emergency departments prepare for virus disease outbreaks like COVID-19. Eur J Emerg Med 2020; 27: 161–2 CrossRef MEDLINE PubMed Central

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