szmtag Beindeformitäten als weitere wichtige Risikofaktoren für Patellaluxation
ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2020Beindeformitäten als weitere wichtige Risikofaktoren für Patellaluxation
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Der Beitrag von Frings et al. identifiziert im Rahmen einer technisch sorgfältigen, systematischen Literaturrecherche acht Risikofaktoren hinsichtlich des Reluxationsrisikos nach Erstluxation der Patella (Alter, Geschlecht, bilaterale Instabilität, Patella alta, Trochlea-dysplasie, TT-TG-Abstand, Lokalisation der MPFL-Ruptur, …) (1).

In der neueren Literatur treten darüber hinaus jedoch zwei Risikofaktoren, nämlich valgische Beinachse und vermehrte Schenkelhalsantetorsion, zunehmend in den Vordergrund. Biomechanisch kann die an der Patella ansetzende, mächtige Oberschenkel-Streckmuskulatur bei Valgus- und/oder Torsionsdeformitäten einen die Patellaluxation erheblich fördernden Kraftvektor darstellen. Korrekturen der Beingeometrie wie varisierende und/oder Detorsionsosteotomien haben somit im Konzert des therapeutischen Repertoires einen zunehmenden Stellenwert (2, 3).

In der vorliegenden Studie wurden valgische Beinachse und vermehrte Schenkelhalsantetorsion nicht als Risikofaktoren für eine Rezidivluxation der Patella identifiziert und nur beiläufig genannt.

Der Grund liegt in den Einschlusskriterien der Literaturrecherche: Hier wurde als bildgebendes Verfahren lediglich die Magnetresonanztomografie (MRT) eingeschlossen. Die Standards zur Bestimmung der Schenkelhalsantetorsion und der Beinachse sind jedoch die beiden Röntgentechniken „low dose“-Torsions-Computertomografie und Ganzbeinstandaufnahme. Simultane, biplanare Niedrigdosisaufnahme (EOS), Torsions-Magnetresonanztomografie und „cone beam“-Computertomografie sind seltene Alternativverfahren (4).

Es sei somit betont: Neben den in der vorliegenden Arbeit genannten Risikofaktoren für eine Reluxation der Patella sind zusätzlich die Beindeformitäten, nämlich eine valgische Beinachse und eine vermehrte Schenkelhalsantetorsion, zu beachten und mit tendenziell hoher Gewichtung zu nennen.

DOI: 10.3238/arztebl.2020.0733a

Dr. med. Peter H. Thaller, MSc

Klinikum der Universität München

Bereich 3D-Chirurgie

Klinik für Allgemeine, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, München

pthaller@med.lmu.de

1.
Frings J, Balcarek P, Tscholl P, Liebensteiner M, Dirisamer F, Koenen P: Conservative versus surgical treatment for primary patellar dislocation—a systematic review to guide risk stratification. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 279–86 VOLLTEXT
2.
Frosch K-H, Schmeling A: A new classification system of patellar instability and patellar maltracking. Arch Orthop Trauma Surg 2016; 136: 485–97 CrossRef MEDLINE
3.
Franciozi CE, Ambra LF, Albertoni LJB, et al.: Increased femoral anteversion influence over surgically treated recurrent patellar instability patients. Arthroscopy 2017; 33: 633–40 CrossRef MEDLINE
4.
Thaller PH, Baumgart R, Burghardt R, Knuellig S, Buerklein D, Mutschler W: Digital imaging in lower limb bone deformities–standards and new perspectives. Int Congr Ser 2005; 1281: 154–8 CrossRef
1.Frings J, Balcarek P, Tscholl P, Liebensteiner M, Dirisamer F, Koenen P: Conservative versus surgical treatment for primary patellar dislocation—a systematic review to guide risk stratification. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 279–86 VOLLTEXT
2.Frosch K-H, Schmeling A: A new classification system of patellar instability and patellar maltracking. Arch Orthop Trauma Surg 2016; 136: 485–97 CrossRef MEDLINE
3.Franciozi CE, Ambra LF, Albertoni LJB, et al.: Increased femoral anteversion influence over surgically treated recurrent patellar instability patients. Arthroscopy 2017; 33: 633–40 CrossRef MEDLINE
4.Thaller PH, Baumgart R, Burghardt R, Knuellig S, Buerklein D, Mutschler W: Digital imaging in lower limb bone deformities–standards and new perspectives. Int Congr Ser 2005; 1281: 154–8 CrossRef

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