ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2020Neue Medikamente gegen Influenza: Einzeldosis von Baloxavir verkürzt die Dauer der Symptome bei Risikopatienten

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Neue Medikamente gegen Influenza: Einzeldosis von Baloxavir verkürzt die Dauer der Symptome bei Risikopatienten

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: Subbotina Anna/stock.adobe.com
Foto: Subbotina Anna/stock.adobe.com

Patienten mit Asthma, chronischen Lungen- oder Herzerkrankungen, Stoffwechselstörungen oder Frauen in der Schwangerschaft haben ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe einer Influenza, wenn sie infiziert sind und Symptome haben. Baloxavir Marboxil ist erster Vertreter einer neuen Klasse antiviraler Substanzen zur Therapie der Influenza. Das Medikament hemmt die CAP-abhängige Endonuklease PA und interferiert dadurch früh mit dem Replikationszyklus des Virus.

Die CAPSTONE-2-Studie ist eine prospektiv randomisierte, doppelblinde Phase-3-Studie an 551 Zentren in 17 Nationen inklusive Deutschland. Aufgenommen wurden 2 184 Patienten ab 12 Jahren mit typischen Beschwerden einer unkomplizierten Influenza (Sinusitis, Bronchitis, Übelkeit, Körpertemperatur ≥ 38,0 °C), aber hohem Risiko für Grippekomplikationen, zum Beispiel durch Asthma, Dia-betes, chronische Lungen-, Herz- oder Lebererkrankungen, Schwangerschaft oder erhöhtes Alter (> 65 Jahre). Randomisiert wurde in 3 Gruppen: Einzeldosis von 40 mg Baloxavir Marboxil bei einem Körpergewicht (KG) < 80 kg und alternativ 80 mg Baloxavir ab 80 kg KG oder von 75 mg des Neuraminidasehemmers Oseltamivir 2-mal täglich für 5 Tage oder in eine Placebogruppe. Primärer Endpunkt war die Zeit bis zur Besserung der Grippesymptome (Time to Improvement of Influenza Symptoms; TTIIS).

1 163 Patienten sind in die modifizierte Intention-to-Treat-Analyse (ITT) eingegangen. 48 % der ITT-Population waren mit dem Influenzavirus A H3N2 infiziert, 42 % mit Influenza B, 7 % mit Influenza A H1N1 und die übrigen Grippeviren waren gemischte oder nicht näher identifizierte Influenza-Subtypen. Die mediane TTIIS war mit 73,2 Stunden signifikant kürzer als unter Placebo (102,3 Stunden) und auch kürzer als unter Oseltamivir (median 81,0 Stunden).

Die Häufigkeit unerwünschter Effekte unterschied sich dagegen in den 3 Behandlungsgruppen nicht signifikant (25 % Baloxavir, 30 % Placebo, 28 % Oseltamivir). Schwere Nebenwirkungen waren insgesamt sehr selten und bei der Baloxavir-Therapie nicht häufiger als in den anderen Gruppen.

Fazit: Die einmalige, gewichtsadaptierte Einnahme von Baloxavir Marboxil bei Patienten mit unkomplizierter, akuter Influenza und erhöhtem Risiko für schwere Verläufe der Infektionen führt rascher zum Abklingen der Symptome als Placebo und zu einer schnelleren Beendigung der Virusausscheidung. Baloxavir ist vergleichbar effektiv wie Oseltamivir, wird aber nur einmal eingenommen.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Ison MG, Portsmouth S, Yoshida Y, et al.: Early treatment with baloxavir marboxil in high-risk adolescent and adult outpatients with uncomplicated influenza (CAPSTONE-2): a randomised, placebo-controlled, phase 3 trial. Lancet Infect Dis 2020; 20: 1204–14.

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