ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2020Mammakarzinom und Herz: LVEF zeigt Risiko für Kardiotoxizität der Therapie bei HER2-positivem Brustkrebs an

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Mammakarzinom und Herz: LVEF zeigt Risiko für Kardiotoxizität der Therapie bei HER2-positivem Brustkrebs an

Lenzen-Schulte, Martina

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Foto: SciePro/stock.adob.com
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Die Adhärenz von HER2-positiven Patientinnen zur Überwachung der Kardiotoxizität einer Therapie des HER2-positiven Mammakarzinoms verhindert nicht zwingend die Entwicklung einer Herzinsuffizienz. Das ergab eine Fall-Kontroll-Studie vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York.

Kardiotoxizität ist laut der Deutschen Leitlinie Mammakarzinom bei dem Einsatz von Anthrazyklinen und Trastuzumab als Risiko zu berücksichtigen. Eine Simultankombination wird wegen der signifikanten Risikoerhöhung für das Herz nicht empfohlen. Die Schädigung reicht von einer Verringerung der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) bis hin zur klinisch relevanten Herzinsuffizienz (CHF).

Das Team um Anthony F. Yu wollte wissen, ob eine routinemäßige LVEF-Messung (alle 3 Monate) das Risiko zu senken vermochte. 53 Patientinnen mit Brustkrebsstadium I–IV, die zwischen 2005 und 2015 mit Trastuzumab behandelt worden waren, entwickelten eine Herzinsuffizienz (NYHA 3-4) oder sie starben infolge einer kardialen Problematik. Sie wurden mit 159 Kontrollpatientinnen verglichen, die in puncto Alter, Anthrazyklinexposition und Behandlungsjahr entsprechend gematcht waren.

Die Adhärenz zur Überwachung hatte keinen Einfluss auf das Risiko, eine Herzinsuffizienz zu entwickeln. Es zeigte sich aber in einer multivariaten Analyse, dass bereits eine LVEF < 55 % das Risiko einer Herzinsuffizienz erhöhte. Die LVEF lag zu jeder Phase der Überwachung bei 49 % der Betroffenen unter diesem Wert, aber nur bei 3 % der Kontrollen (Odds Ratio 27,0; 95-%-Konfidenz-Intervall 9,3–78,8).

Fazit: Die Onkologin Neelima Denduluri wertet es in ihrem Editorial als bedeutsam, dass bereits eine so geringe Senkung der LVEF das Risiko erhöht. Das erkläre sich wohl daraus, dass ein größerer Teil der von Herzinsuffizienz betroffenen Frauen neben weiteren einschlägigen kardialen Risikofaktoren auch einen höheren Body-Mass-Index aufwies.

Außerdem sei das Ergebnis vorsichtig zu bewerten, da 81 % der Patientinnen Anthrazykline erhalten hatten. Dies wäre heutzutage nicht mehr der Fall. Zudem weist sie auf den Wert anderer Überwachungsmethoden hin, etwa die Magnetresonanztomografie, um künftig bessere Vorhersagekriterien zu entwickeln.

Dr. med. Martina Lenzen-Schulte

1. Yu AF, Moskowitz CS, Chuy KL, et al.: Cardiotoxicity Surveillance and Risk of Heart Failure During HER2 Targeted Therapy. JACC CardioOncol. 2020; 2 (2): 166–75.

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