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ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2020Rheumatoide Arthritis: Neuer JAK1-Hemmer überzeugt

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Rheumatoide Arthritis: Neuer JAK1-Hemmer überzeugt

Kammerer, Susanne

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Der seit September in der EU zugelassene selektive JAK1-Hemmer Filgotinib stellte seine gute Wirksamkeit und Verträglichkeit bei rheumatoider Arthritis im FINCH-Studienprogramm sowohl bei nicht vorbehandelten Patienten als auch bei mit Biologika vorbehandelten Patienten unter Beweis.

Trotz großer Fortschritte in der Therapie der rheumatoiden Arthritis (RA) besteht weiterhin Optimierungsbedarf. Das hielt Prof. Dr. med. Rieke Alten, Chefärztin des Fachbereichs Innere Medizin – Rheumatologie, Klinische Immunologie, Osteologie an der Schlosspark-Klinik Berlin, im Rahmen einer Pressekonferenz von Gilead fest: „Wir haben nur einen kleinen Teil kranker Patienten, der unser Krankheitsziel Remission erreicht“, berichtete sie. Dies sei aber entscheidend, da nur Patienten, die eine Remission erreichten, keinen Krankheitsprogress aufwiesen.

„Eine schwelende Krankheitsaktivität führt stets zur Progression“, so Alten. Daher sei bei Patienten mit RA, bei denen keine Remission erreicht werde, eine rasche Therapieeskalation wichtig. Dieser Ansatz wird auch in der neuen S2e-Leitlinie zur Therapie der RA mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten verfolgt: Fehlt ein Ansprechen nach 12 Wochen beziehungsweise wird das Therapieziel nach 24 Wochen verfehlt, wird bei Patienten mit ungünstiger Prognose und/oder hoher Aktivität bereits ein Biologikum oder ein „small molecule“, empfohlen, möglichst in Kombination mit Methotrexat. „Diesbezüglich haben wir mit der neuen Leitlinie einen Meilenstein erreicht“, so Alten.

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Viele Zielmoleküle

Wie Prof. Dr. med. Ulf Müller-Ladner von der Abteilung Rheumatologie und klinische Immunologie der Justus-Liebig-Universität Gießen an der Kerckhoff-Klink in Bad Nauheim ausführte, sei es ein großes Problem, dass es zu viele aktive Zielmoleküle bei der RA gebe. „Wir würden gerne alle Faktoren mit negativer Auswirkung beseitigen, doch diese universelle Lösung bietet nur das Kortison“, so Müller-Ladner – was sich durch die zahlreichen Nebenwirkungen verbiete.

Einen neuen therapeutischen Ansatz bietet die „immunologische minimalinvasive Chirurgie“, bei der durch passgenaue intrazelluläre Signalhemmung diverse Zielmoleküle erreicht werden. Dies ist durch die Hemmung des Januskinase-(JAK-)Signalwegs möglich. „Zu Beginn der Entwicklung bestand die Tendenz, alle JAK-Signalwege hemmen zu wollen, heute haben wir lieber präferenzielle JAK-Inhibitoren, speziell in der Rheumatologie eine selektive JAK1-Hemmung aufgrund der starken Inhibition von Entzündungs- und Destruktionsprozessen“, sagte Müller-Ladner. Ein Vorteil selektiver JAK-Inhibitoren seien auch die geringeren Auswirkungen auf das Blutbild.

Der seit September 2020 in der EU zugelassene selektive JAK1-Hemmer Filgotinib (Jyseleca®, Gilead) wurde in den Phase-III-Studien FINCH-1, FINCH-2 und FINCH-3 auf seine Wirksamkeit und Verträglichkeit bei Patienten mit RA hin untersucht. Ein- und Ausschlusskriterien waren in allen FINCH-Studien vergleichbar: hohe Krankheitsaktivität, mindestens eine Erosion oder ACPA-Positivität oder hohe CRP-Konzentration.

Primärer Endpunkt der FINCH-1-Studie war ein ACR20-Ansprechen in Woche 12, was mit beiden Filgotinib-Dosierungen (200 und 100 mg) bei circa 80 % der Patienten erreicht wurde. „Dies schaffen aber auch fast 50 % der Placebopatienten, uns interessieren daher die höhergradigen ACR-Antworten“, erklärte Prof. Dr. med. Klaus Krüger, niedergelassener Rheumatologe aus München. Hier zeigte sich, dass Filgotinib Placebo auch bezüglich des ACR50- und ACR70-Ansprechens bis Woche 52 signifikant überlegen war.

Mehr Remissionen

Zudem wurde in der FINCH-1-Studie der Anteil der Patienten bestimmt, die in Woche 12, 24 und 52 in Remission waren: Hier zeigte sich eine stärkere Wirksamkeit der hohen Dosierung. Filgotinib erwies sich in dieser Studie als gut verträglich und hatte zudem eine anhaltend gute Wirkung auf patientenbezogene Endpunkte wie den Funktionsstatus, Schmerz und Fatigue.

In der FINCH-2-Studie wurde Filgotinib bei RA-Patienten untersucht, die unzureichend auf ein Biologikum angesprochen hatten. Sie erhielten zusätzlich zu einem konventionellen krankheitsmodifizierenden Antirheumatikum (DMARD) Filgotinib in 2 Dosierungen oder ein Placebo. Auch in der FINCH-2-Studie waren beide Filgotinib-Arme Placebo hinsichtlich des ACR20-Ansprechens in Woche 12 signifikant überlegen.

Der Erfolg der Behandlung war praktisch unabhängig davon, ob die Patienten zuvor ein Biologikum erhalten hatten. „Dies ist wirklich eine Besonderheit von Filgotinib, denn von anderen Biologika wissen wir, dass vielfach vorbehandelte Patienten schlechter ansprechen“, so Krüger. Dass Filgotinib auch als Monotherapie gut wirksam ist, zeigte schließlich noch die FINCH-3-Studie. Dr. Susanne Kammerer

Quelle: Digitale Fachpressekonferenz „Standards in der RA verschieben – mit Filgotinib stark und kontrolliert zur Remission“, 25. September 2020; Veranstalter: Gilead.

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