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ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2020Hydrops fetalis: Mit Exom-Sequenzierung lässt sich die Ursache derzeit am genauesten klären

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Hydrops fetalis: Mit Exom-Sequenzierung lässt sich die Ursache derzeit am genauesten klären

Gerste, Ronald D.

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Foto: CLIPAREA.com/stock.adobe.com
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Der Hydrops fetalis ist eine generalisierte pathologische Flüssigkeitsansammlung beim Fötus, vor allem in präformierten Körperhohlräumen. Die nichtimmunologische Form (NIHF) betrifft statistisch 1/1 700–3 000 Schwangerschaften und geht mit einem hohen Risiko für Totgeburt, Frühgeburt und neonatalen Komplikationen einher und für Präeklampsie bei Schwangeren. Eine Chromosomen- und CGH-Array-Analyse klärt in circa 25 % die Ursachen von NIHF, sie erfasst jedoch keine Einzelgendefekte.

US-Wissenschaftler haben 127 ätiologisch ungeklärte Fälle von NIHF mit Exom-Sequenzierung untersucht. Von den Ungeborenen hatten 61 % mindestens 2 und 17 % eine abnormale Flüssigkeitsansammlung. Bei 23 % lagen weitere Merkmale vor wie erhöhte Nackentransluzenz oder zystisches Hygrom. Mit der Exom-Sequenzierung konnten diagnostisch relevante Varianten bei 37 Feten (29 %) identifiziert werden: am häufigsten Gene, die mit einer Störung des RAS-MAPK-Zellsignalwegs (RASopathien) assoziiert sind wie das Noonan-Syndrom, das kardiofaziokutane Syndrom und das Costello-Syndrom in 11 Fällen, gefolgt von je 4 metabolischen Störungen und muskuloskeletalen Erkrankungen. Bei je 3 Föten wurden lymphatische, entwicklungsneurologische, kardiovaskuläre und hämatologische Erkrankungen festgestellt. Von diesen 37 genetischen Diagnosen waren 25 (68 %) autosomal dominant, davon 12 % vererbt und 88 % de novo. Von den 127 Schwangerschaften resultierten 12 % in einer Totgeburt, 20 % in postnatalem Tod und 28 % in einer Abruptio.

Fazit: „Die Studie weist erstmals die hohe Prävalenz monogener Erkrankungen bei NIHF nach“, erklärt Priv.-Doz. Dr. med. Maja Hempel, Oberärztin des Instituts für Humangenetik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. „Die Studie bestätigt den fast erwarteten, hohen Anteil an RASopathien, zeigt aber auch, dass eine sehr breite Palette an genetischen Erkrankungen zu einem NIHF führen kann. Die Exom-Sequenzierung ist aktuell die genetische Untersuchung mit dem größten Aufklärungspotenzial.“

Dr. med. Ronald D. Gerste

Sparks TN, Lianoglou BR, Adami RR, et al.: Exome sequencing for prenatal diagnosis in nonimmune hydrops fetalis. N Engl J Med 2020; 383: 1746–56.

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