szmtag Akutes Nierenversagen: Rascher Dialysebeginn bei Intensivpatienten nicht generell klinisch vorteilhaft
ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2020Akutes Nierenversagen: Rascher Dialysebeginn bei Intensivpatienten nicht generell klinisch vorteilhaft

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Akutes Nierenversagen: Rascher Dialysebeginn bei Intensivpatienten nicht generell klinisch vorteilhaft

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: saengsuriya13/stock.adobe.com
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Das akute Nierenversagen ist eine vergleichsweise häufige Komplikation bei Intensivpatienten. Wann der optimale Zeitpunkt für den Beginn einer Nierenersatztherapie ist, ließ sich mit der bisherigen Datenlage nicht klar beantworten. Bei zeitnahem Dialysebeginn binnen weniger Stunden ist die Idee, gravierende Folgeschäden zu verhindern. Beim Abwarten bis zur Verschlechterung von Laborwerten im Blut ist die Idee, dass sich die Nierenfunktion eventuell wieder erholt und dem Patienten Belastungen erspart bleiben. In der Studie STARRT-AKI ist die Frage eines optimalen Dialysebeginns bei kritisch Kranken untersucht worden.

In der multinationalen kontrollierten und unverblindeten Studie sind 3 019 erwachsene Intensivpatienten mit schwerer akuter Nierenfunktionsstörung aufgenommen. Kriterien für den Beginn der Dialyse waren erfüllt bei Verdoppelung des Serumkreatinins während der ICU-Therapie, Kreatininkonzentrationen ≥ 4mg/dL (354 μmol/L) oder einer Urinproduktion von weniger als 6 ml/kg KG innerhalb von 12 Stunden. Randomisiert wurde 1:1 in eine Strategie mit zügigem Beginn der Dialyse nach Diagnose des akuten Nierenversagens (3,9–8,8 Stunden nach Diagnose; Durchschnitt: 6,1 Stunden) oder Standardzuteilung zur Dialyse (19,0–71,8 Stunden; Durchschnitt: 31,1 Stunden). Kriterien der Standardzuteilung waren möglichst kein Dialysebeginn vor Serumkaliumwerten von mindestens 6,0 mmol/L, Serum-pH von maximal 7,20 oder Serumbicarbonatwerten von maximal 12 mmol/L oder schweren Einbußen der Atmungsfunktion.

Den primären Endpunkt, die Sterblichkeit jeglicher Ursache 90 Tage nach Randomisierung, erreichten 43,9 % der Patienten mit raschem Dialysebeginn und bei 43,7 % in der Standardgruppe (relatives Risiko: 1,00). Unerwünschte Effekte der Dialyse traten bei 23,0 % unter zeitnaher Nierenersatztherapie auf und 16,5 % bei Dialysebeginn nach Standardkriterien.

Fazit: Für Patienten, die während einer intensivmedizinischen Therapie ins akute Nierenversagen kommen, hat ein sehr zeitnaher Beginn der Hämodialyse keinen klinisch relevanten Vorteil, sondern eher Nachteile. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

The STARRT-AKI Investigators: Timing of initiation of renal-replacement therapy in acute kidney injury. N Engl J Med 2020; 383: 240–51.

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