ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2020Taubes Kinn bei Sichelzellanämie in der Schwangerschaft
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Eine 32-jährige angolanische Patientin mit Sichelzellanämie stellte sich in der 27. Schwangerschaftswoche mit starken Schmerzen in der linken Mandibula vor. Daneben bestand eine ausgeprägte Hypästhesie der unteren Lippe und des Kinns auf der linken Seite sowie der Zähne im linken unteren Quadranten. Laborchemisch zeigte sich eine hämolytische Anämie, passend zu einer Sichelzellkrise. Mithilfe der Magnetresonanztomografie konnte in der fettsupprimierten T2-Wichtung ein Ödem des alveolären Knochens dargestellt werden. Auf eine Kontrastmittelgabe zum sicheren Malignitätsausschluss wurde wegen der bestehenden Schwangerschaft verzichtet. Wir diagnostizierten ein Numb-Chin-Syndrom (NCS) im Rahmen einer Sichelzellkrise. Durch Mikroinfarkte kommt es zum Knochenödem mit konsekutiver Dysfunktion des N. alveolaris inferior (aus dem N. mandibularis). Das NCS tritt hierzulande meist im Rahmen von malignen Erkrankungen auf, mehrere Fallberichte beschreiben das Syndrom jedoch auch als Manifestation von Sichelzellkrisen. Das Risiko für eine Sichelzellkrise ist in der Schwangerschaft erhöht. Die Beschwerden waren unter rein analgetischer Therapie nach einem Monat wieder vollständig regredient.

Dr. med. Benjamin Wolf, Abteilung für Geburtsmedizin, Universitätsklinikum Leipzig, benjamin.wolf@medizin.uni-leipzig.de

Dr. med. Daniel Gräfe, Abteilung für Kinderradiologie, Universitätsklinikum Leipzig

Prof. Dr. med. Holger Stepan, Abteilung für Geburtsmedizin, Universitätsklinikum Leipzig

Interessenkonflikt: Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Zitierweise: Wolf B, Gräfe D, Stepan H: Numb chin in sickle cell anemia during pregnancy. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 808. DOI: 10.3238/arztebl.2020.0808b

►Vergrößerte Abbildung und englische Übersetzung unter: www.aerzteblatt.de

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