ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2000Positive Langzeitwirkungen durch Kneipp-Kuren festgestellt

MEDIZIN: Referiert

Positive Langzeitwirkungen durch Kneipp-Kuren festgestellt

Dtsch Arztebl 2000; 97(10): A-619 / B-521 / C-496

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LNSLNS Eine drei bis vier Wochen dauernde Kneipp-Kur zeigt möglicherweise auch ein Jahr nach ihrem Abschluss positive Effekte im Hinblick auf Lebensqualität, Schmerz sowie auf einen reduzierten Medikamentenverbrauch. Darauf weisen Erkenntnisse aus einer Studie hin, die vier Badearztpraxen in Bad Wörishofen zusammen mit mehreren Universitätskliniken, unter anderem der Universität Jena, durchgeführt haben. Behandelt wurden 363 Patienten, von denen die Mehrzahl an Erkrankungen des Bewegungs- und des Herz-Kreislauf-Systems litten. Ungefähr die Hälfte der Patienten war zwischen 40 und 60 Jahre alt, die andere Hälfte war älter. Ambulant oder stationär erhielten die Patienten eine individuell angepasste Hydro-, Bewegungs- und Ernährungstherapie, die durchschnittlich zwischen 23,3 und 27,4 Tage dauerte. Die Änderungen des Befindens wurden sechsmal während der Kur sowie drei, sechs und zwölf Monate nach dem Aufenthalt mittels Fragebögen zur Selbsteinschätzung und halbstandardisierten Interviews erfasst. Hierbei zeigte sich, dass sowohl die Intensität als auch die Häufigkeit des Schmerzes und der Medikamentenverbrauch signifikant abnahmen. Nach Abschluss der Kur konnten 20 Prozent der in die Studie eingeschlossenen Patienten ohne Medikamente nach Hause entlassen werden. Bei weiteren 20 Prozent konnte der Arzneimittelverbrauch reduziert werden. Auch nach zwölf Monaten war dieser Effekt noch nachweisbar, wobei häufiger Akutmedikamente als Dauermedikamente eingespart wurden. Zudem beschrieben die Betroffenen diverse Befindlichkeitsstörungen als deutlich gebessert. Um die Effekte dieser Komplextherapie aus dem klassischen Spektrum der Naturheilverfahren jedoch reproduzierbar nachweisen zu können, müssten wissenschaftliche Messinstrumente an die Praxis der Kurkliniken angepasst werden, so die Jenaer Autorengruppe. Eine Schwierigkeit besteht darin, dass physikalische Therapiemaßnahmen, die aufgrund der Art ihrer Anwendung die Mitarbeit der Patienten erfordern, nicht in Doppelblindstudien untersucht werden könnten. silk


Leuchtgens H, Albus T et al.: Auswirkungen der Kneipp-Kur, einer standardisierten Komplextherapie, auf Schmerz, Lebensqualität und Medikamentenverbrauch: Kohortenstudie mit 1-Jahres-Follow-up, Forsch Komplementärmed 1999; 6: 206-211.
Priv.-Doz. Dr. med. Christine Uhlemann, Beutenberger Straße 12, 07745 Jena.

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