ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2000Transiente globale Amnesie Klinik und Pathophysiologie: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Transiente globale Amnesie Klinik und Pathophysiologie: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2000; 97(10): A-625 / B-512 / C-483

Brüning, Roland; Schmidtke, Klaus; Strupp, Michael; Reinhardt, Michael

Zu dem Beitrag von Priv.-Doz. Dr. med. Klaus Schmidtke, Dr. med. Michael Strupp, Dr. med. Roland Brüning, Dr. med. Michael Reinhardt in Heft 41/1999
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Zunächst möchten wir den Autoren für ihre konstruktiven Anmerkungen danken. Der auch in unserem Beitrag zitierte Bericht von Woolfenden et al. behandelt einen Fall von transienter Amnesie, die als - bekannte - Komplikation einer zerebralen Angiographie aufgetreten war. Diese Form einer symptomatischen Amnesie kann aber nicht als Modell der spontanen TGA betrachtet werden. Auch die akute Amnesie, die selten als einziges Symptom einer fokalen zerebralen Ischämie im hinteren Stromgebiet auftritt, stellt nur eine Differenzialdiagnose dar und hat keinen pathophysiologischen Bezug zur spontan auftretenden TGA.
Zum negativen Befund bezüglich einer Diffusionsstörung: Ein entscheidender methodischer Unterschied besteht in der verwendeten Aufnahmetechnik. Während die von uns verwendete Gradientenechodiffusionssequenz (SSFP) - im Gegensatz zu der von den Autoren des Leserbriefs verwendeten Echoplanarsequenz - wenige Artefakte im Bereich des Temporallappens zeigt, stehen diesem methodischen Vorteil auch Nachteile gegenüber. So ist beispielsweise die Berechnung des sogenannten "apparent diffusion coefficient" mit dieser Sequenz bislang nicht möglich, weshalb auf relative Werte zurückgegriffen werden muss. In einer von uns durchgeführten Vergleichsstudie beider Sequenzen an bislang vier TGA-Patienten konnten wir mit der der SSFP-Sequenz bei allen vier Patienten in der akuten Phase Signalveränderungen nachweisen, die sich mit Echoplanarsequenz aufgrund starker Artefakte im Bereich der Schädelbasis in keinem Fall reproduzieren ließen.
Die diffusionsgewichteten Bilder der SSFP-Sequenz sind in der Tat anisotrop diffusionskodiert. Leider sind in den vorliegenden Reproduktionen in unserem Beitrag die als pathologisch zu wertenden Änderungen nicht klar genug von anderen Signalanhebungen zu differenzieren. Auf den Originalausspielungen auf Röntgenfilm kann diese Differenzierung vorgenommen werden. Bei Abbildung 2 handelt es sich um eine diffusionsgewichtete Sequenz, die bedauerlicherweise etwas anders abphotographiert wurde als Abbildung 1. Unsere Aussage bezüglich des Fehlens von Diffusionsstörungen im Neokortex ist zu präzisieren: Fehlen von Diffusionsstörungen im extratemporalen Neokortex.
"Spreading depression" ist - wie in unserem Artikel betont - lediglich eine Hypothese zur Erklärung der TGA, die bislang nicht (zum Beispiel durch andere apparative Untersuchungsverfahren) bewiesen ist. Möglicherweise spielen bei den betroffenen Patienten genetische Faktoren (beispielsweise Mutationen von Ionenkanälen) eine Rolle, die zur Entwicklung von "spreading depression" im Bereich des Hippocampus beitragen. Die von uns gezeigten MRT-Aufnahmen stellen lediglich Veränderungen der Brownschen Molekularbewegung dar. Es bleibt abzuwarten, ob neue technische Entwicklungen der MRT, insbesondere zusätzliche Perfusionsmessungen, oder auch molekularbiologische Untersuchungen hier weiterführen können.


Priv.-Doz. Dr. med. Klaus Schmidtke
Neurologische Universitätsklinik
Breisacher Straße 64
79106 Freiburg


Priv.-Doz. Dr. med. Michael Strupp
Neurologische Klinik
Dr. med. Roland Brüning
Radiologische Klinik
Ludwig-Maximilians-Universität
München
Marchioninistrasse 15
81377 München


Dr. med. Michael Reinhardt
Abteilung Nuklearmedizin
Universitätsklinikum Freiburg
Hugstetter Straße 55
79106 Freiburg

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema