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ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2020Frühes Mammakarzinom: Stark hypofraktionierte postoperative Strahlentherapie möglich, aber mehr Fibrosen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Frühes Mammakarzinom: Stark hypofraktionierte postoperative Strahlentherapie möglich, aber mehr Fibrosen

Gulden, Josef

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Foto: picture alliance/BSIP AMELIE-BENOIST
Foto: picture alliance/BSIP AMELIE-BENOIST

Eine adjuvante Strahlentherapie nach primärer Operation eines lokalisierten Mammakarzinoms vermindert das Risiko für lokoregionäre Rezidive und verbessert die Überlebenschancen. Eine moderate Hypofraktionierung (40 Gy in ca. 15 Fraktionen über 3 Wochen) ist international Standard und wird auch in der deutschen S3-Leitlinie zum Mammakarzinom empfohlen. Die FAST-Studie belegt, dass auch eine noch stärkere Hypofraktionierung (5 in wöchentlichem Abstand gegebene Einzeldosen à 5,7 oder 6 Gy) ähnlich wirksam ist. Darauf aufbauend verglich die britische Phase-3-Studie FAST Forward ein einwöchiges Protokoll mit insgesamt 27 oder 26 Gy in 5 Dosen mit dem aktuellen 3-Wochen-Standard.

In 97 britischen Zentren wurden 4 096 Patientinnen nach brusterhaltender Operation oder Mastektomie in 3 Arme randomisiert: Radiotherapie mit 40 Gy in 15 Fraktionen über 3 Wochen oder 26 oder 27 Gy in 5 Fraktionen innerhalb einer Woche und in der darauffolgenden Woche je einen Boost (Behandlungszeit in beiden Gruppen: 2 Wochen).

Primärer Endpunkt war die Rate an ipsilateralen Rezidiven, wobei für eine Nichtunterlegenheit der beiden experimentellen Arme eine angenommene Rate von 2 % nach 5 Jahren im Standardarm um nicht mehr als 1,6 % überschritten werden durfte. Die tatsächliche Rezidivrate nach 5 Jahren entsprach im Standardarm mit 2,1 % recht genau der Annahme, beim 27-Gy-Protokoll war er um 0,3 %, beim 26-Gy-Regime um 0,7 % niedriger; eine Nicht-unterlegenheit war mit statistischer Signifikanz nachweisbar (p = 0,0022 bzw. 0,00019), das Risiko war um 14 % bzw. 33 % reduziert (Hazard Ratio [HR]: 0,86 bzw. 0,67).

Die Verträglichkeit der stark hypofraktionierten Regime war gut: Mäßige oder ausgeprägte negative Effekte auf normales Gewebe traten bis zum Jahr 5 bei knapp 10 % der Patientinnen im Standardarm auf, bei 15,4 % im 27-Gy-Arm (Odds Ratio [OR]: 1,55) und bei 11,9 % im 26-Gy-Arm (OR 1,12; [95-%-Konfidenzintervall] [0,94; 1,34]; p = 0,20). Ähnlich waren die Ergebnisse für die von Patientinnen selbst angegebenen und für die fotografisch dokumentierten Nebenwirkungen.

Die Rate an stärkeren, dauerhaften Verhärtungen der Brust war bei der Standardtherapie vernachlässigbar klein (ca. 0,1 %), betrug aber bei den nur einwöchigen Behandlungen jeweils 3 % (HR für schwere dauerhafte Fibrosen: 19,1).

Fazit: Bei der postoperativen Strahlentherapie des Mammakarzinoms ist eine sehr stark hypofraktionierte Bestrahlung mit 26 Gy über 5 aufeinanderfolgende Tage vergleichbar wirksam und verträglich wie der bisherige Standard von 40 Gy über 3 Wochen. Die lokoregionären Rezidivraten sind nach 5 Jahren nicht schlechter. Im Gegensatz zur bisherigen Standardbehandlung treten allerdings dauerhafte stärkere Fibrosen der Brust im niedrigen Prozentbereich auf. „Für Patientinnen, die eine solche Beeinträchtigung des kosmetischen Ergebnisses akzeptieren, kann dieses Fraktionierungs-Regime durchaus als neue Option angesehen werden“, so Prof. Dr. med. Jürgen Dunst, Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Universtiät Kiel. „Die Daten der FAST-Forward-Studie bestätigen einmal mehr, dass eine Hypofraktionierung bei der Strahlentherapie des Mammakarzinoms möglich und sinnvoll ist.“ Josef Gulden

Brunt AM, Haviland JS, Wheatley DA, et al.: Hypofractionated breast radiotherapy for 1 week versus 3 weeks (FAST-Forward): 5-year efficacy and late normal tissue effects results from a multicentre, non-inferiority, randomised, phase 3 trial. Lancet 2020; 395: 1613–26.

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