szmtag Fortgeschrittenes Prostatakarzinom: Oraler GnRH-Agonist ist schneller wirksam und dabei verträglicher als Leuprolid
ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2020Fortgeschrittenes Prostatakarzinom: Oraler GnRH-Agonist ist schneller wirksam und dabei verträglicher als Leuprolid

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Fortgeschrittenes Prostatakarzinom: Oraler GnRH-Agonist ist schneller wirksam und dabei verträglicher als Leuprolid

Gulden, Josef

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Foto: Science Photo Library/Biophoto Associates
Foto: Science Photo Library/Biophoto Associates

Die Androgendeprivation als initiale Standardtherapie beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom erfolgt meist mit LHRH-Agonisten wie Leuprolid, das als Depotpräparat alle 3 Monate verabreicht werden kann. Damit lassen sich die Testosteron-Werte meist sicher auf Kastrationsniveau senken – allerdings mit Verzögerung nach einem initialen Flare-up, was mit verstärkten Tumorsymptomen einhergehen kann. Außerdem können potenziell kardiovaskuläre Nebenwirkungen auftreten. Deshalb wurden direkte Antagonisten des Gonadotropin-Releasing-Hormons (GnRH) entwickelt: Degarelix ist zugelassen, aber wenig verbreitet, vermutlich wegen der monatlichen Applikation und häufiger Lokalreaktionen an der Injektionsstelle. Relugolix dagegen kann eingenommen werden (einmal täglich) und hat in frühen klinischen Studien das Testosteron rasch gesenkt. In der Phase-3-Studie HERO wurde es nun bei über 900 Patienten mit neu diagnostiziertem Prostatakarzinom in einer 2:1-Randomisierung mit Leuprolid verglichen.

Primärer Endpunkt war ein Testosteron-Abfall auf Kastrationsniveau (< 50 ng/dL) über 48 Wochen. Dieses Ziel wurde bei 96,7 % der Patienten unter Relugolix und bei 88,8 % unter Leuprolid erreicht. Statistisch konnte damit nicht nur die Nichtunterlegenheit, sondern eine Überlegenheit von Relugolix belegt werden (p < 0,001). Auch bei den sekundären Endpunkten – einem Testosteron-Abfall auf < 50 ng/dL an Tag 4 sowie einem Abfall auf < 20 ng/dL an Tag 15 – war Relugolix signifikant überlegen (p < 0,001). 56 % der Patienten unter Relugolix, aber keiner unter Leuprolid wiesen nach 4 Tagen einen Kastrations-Nadir des Hormons auf. Die Wirkung von Relugolix war auch schneller reversibel: 90 Tage nach Therapieende war der mittlere Testosteron-Wert auf 288,4 ng/dL gestiegen, nach Leuprolid lediglich auf 58,6 ng/dL. Schwerere, kardiovaskuläre Nebenwirkungen waren bei Relugolix deutlich seltener als bei Leuprolid (2,9 % vs. 6,2 %; Hazard Ratio: 0,46; [95-%-Konfidenzintervall] [0,24; 0,88]).

Fazit: Die höhere und zudem schnellere Wirksamkeit ebenso wie das bessere kardiovaskuläre Risikoprofil von Relugolix seien beeindruckend, so Prof. Dr. med. Jürgen Gschwend, Universitätsklinikum rechts der Isar der TU München. Ein möglicher Kritikpunkt könnte sein, dass die erforderliche tägliche Einnahme die Therapieadhärenz gegenüber der bequemen 3-Monats-Spritze im Behandlungsalltag verschlechtert. „Aber zumindest über die 48 Wochen der Behandlungsdauer in der Studie war die Adhärenz für Relugolix mit 99 % der im Kontrollarm vergleichbar“, so Gschwend. „Außerdem werden alle neuen, sekundären Hormontherapien, die die meisten Patienten mit Prostatakarzinom nach Eintritt einer Kastrationsresistenz erhalten, ebenfalls oral und täglich eingenommen, und man erzielt damit zumindest Adhärenz-Raten zwischen 92 % und 96 %.“ Relugolix könnte damit eine attraktive Alternative zur Depotspritze werden. Es sei geplant, eine Zulassung in Europa zu beantragen. Josef Gulden

Shore ND, Saad F, Cookson MS et al.: Oral relugolix for androgen-deprivation therapy in advanced prostate cancer. N Engl J Med 2020; 382: 2187–96.

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