szmtag Multiple Sklerose: Prodromalstadium ist an einer krankheitsspezifischen Immunsignatur erkennbar
ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2020Multiple Sklerose: Prodromalstadium ist an einer krankheitsspezifischen Immunsignatur erkennbar

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Multiple Sklerose: Prodromalstadium ist an einer krankheitsspezifischen Immunsignatur erkennbar

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: freshidea/stock.adobde.com
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Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems. In Deutschland leben nach Angaben der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft 220–250 000 MS-Kranke. Die Pathogenese ist nicht vollständig geklärt. Vermutet wird eine Interaktion von Umweltfaktoren und erblichen Einflüssen. Ein maximales familiäres Risiko mit bis zu 25 % haben eineiige Geschwister von MS-Erkrankten, die meisten Geschwister erkranken also nicht.

Die deutsche MS-Zwillingskohorte am LMU-Klinikum München mit derzeit 85 eineiigen Zwillingspaaren, von denen jeweils ein Zwilling an MS erkrankt, der andere aber klinisch gesund ist, ermöglicht es, nach MS-spezifischen Immunsignaturen zu suchen. Forscher der LMU und der Universität Münster haben bei 43 dieser Zwillingspaare die Immunzellpopulationen aus dem peripheren Blut quantitativ und qualitativ auf Basis phänotypischer Merkmale charakterisiert.

Zur Überraschung der Autoren ließ sich bei den 141 untersuchten Immunparametern der größte Teil der nachweisbaren Variationen durch den Einfluss des genetischen Hintergrunds erklären (56 %).

Andere Faktoren hatten eine untergeordnete Bedeutung auf die Variabilität der Immunsignaturen: das Alter zu 4 %, das Geschlecht zu 2 % und der Krankheitsstatus mit manifester MS sogar nur zu 1 %.

Bei einigen der klinisch gesunden Zwillingsgeschwister allerdings wurde mithilfe von MRT und Liquoruntersuchungen eine subklinische Neuroinflammation festgestellt. Sie gilt als möglicher Hinweis auf ein Prodromalstadium der MS.

Diese Diagnose war mit einer erhöhten Anzahl an langlebigen, proinflammatorischen CD4+-T-Zellen assoziiert, vor allem der TH17-Zellen und darunter des Subtyps der TH17.1-Zellen. TH17-Zellen sind in die Entstehung chronischer Autoimmunerkrankungen involviert und können Entzündungsprozesse im Gehirn fördern.

Fazit: Subklinische Frühformen einer MS sind mit einer spezifischen Immunsignatur bei Zellen im peripheren Blut assoziiert, die für Prävention und Früherkennung der Erkrankung genutzt werden könnte, so die Autoren. Dies gelte besonders bei erhöhter familiärer Belastung. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Gerdes LA, Janoschka C, Eveslage M, et al.: Immune signatures of prodromal multiple sclerosis in monozygotic twins. Proc Natl Acad Sci USA 2020; 117: 21546–56.

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