ArchivDeutsches Ärzteblatt4/1996Börsebius über Fonds: Verladen?

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius über Fonds: Verladen?

Rombach, Reinhold

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LNSLNS No-Load-Fonds. Eine neue Wortschöpfung der Investmentfondsbranche macht die Runde. Das klingt durchaus nett nach "nicht geladen" oder "keine Last" oder "kein Leid". Solche Assoziationen sind sicher erwünscht, treffen aber keineswegs den Kern der Sache. Denn so ungeladen, wie sich No-Load-Fonds auch anhören mögen, sind sie gewiß nicht. Ganz im Gegenteil.
Zunächst einmal ist zu klären, womit wir es zu tun haben. Wer bislang Investmentfonds kaufte, wußte, daß er beim Kauf den sogenannten Ausgabeaufschlag zu berappen hatte. Bei Aktienfonds liegt das Aufgeld zwischen drei und fünf Prozent der Anlagesumme, bei Rentenfonds hingegen bewegt sich die Spanne etwa bei zwei Prozent. Die praktische Konsequenz folgt auf dem Fuße. Ein Aktienfonds mit einem Rücknahmepreis von 100 und einem Ausgabeaufschlag von fünf Prozent muß erst mal auf 105 klettern, um überhaupt aus der Verlustzone zu kommen.
Daß diese Hürde ganz schön hoch sein kann, haben viele Anleger am eigenen Geldbeutel erlebt, und viele wehren sich auch zusehends gegen die hohen Ausgabenaufschläge der Investmentbranche. Hier hat übrigens die Wirtschaftspresse ordentlich Schützenhilfe geleistet, indem sie immer wieder – zu Recht – auf die hohen Kosten hinwies.
Da kam die Idee mit den No-Load-Fonds gerade recht. Viele Gesellschaften legten in der jüngsten Vergangenheit Fonds auf, bei denen keine einzige Mark Ausgabeaufschlag zu bezahlen war. Das ist im Prinzip eine ganz prima Sache, "zum Nulltarif einsteigen", wie die DEKA jüngst so schön schrieb. Schön schaurig.
Der Teufel steckt nämlich im Detail, genauer im Provisionsdurst der Gesellschaften. Statt des Ausgabeaufschlages wird dem Fondsvermögen nämlich monatlich oder quartalsweise eine anteilige Vertriebs- und Verwaltungsvergütung entnommen. Da können bei Aktienfonds ganz schnell Summen von 1,5 Prozent pro Jahr (im Einzelfall auch darüber oder darunter) zusammenkommen. Die Fondsgesellschaft kassiert die Provision nun aber immer wieder aufs neue, und das kann weitaus höher kommen als beim schlechten, alten Ausgabeaufschlag. "Intelligenter kann Ihr Geld nicht arbeiten", so etwa werben die Sparkassenfonds – wirklich nicht? Börsebius
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